Friseure als neue Kunden Amazon drängt in Henkels Hoffnungsgeschäft

Styling: Amazon will verkauft in den USA künftig Friseur- und Kosmetikbedarf

Styling: Amazon will verkauft in den USA künftig Friseur- und Kosmetikbedarf

Foto: picture alliance/dpa

Amazon macht sich auf, eine neue Bastion zu erobern  - und sendet damit mal wieder Schockwellen in die Wirtschaft. Künftig sollen auch Friseure, Stylisten und Kosmetiker bei Amazon fündig werden und auf dessen Geschäftsplattform Amazon Business sämtliche Produkte des professionellen Bedarfs ordern können. 

Zwar beschränkt sich Amazons neuer Handelsvorstoß bislang auf das US-amerikanische Profisegment. Doch alleine das reichte nach Einschätzung von Analysten aus,  um Kosmetikmarken nach unten rauschen zu lassen. Die Aktien von Sally Beauty, dem nach eigenen Angaben größten Händler professioneller Haar- und Nagelprodukte, verloren am Montag mehr als 16 Prozent an Wert. Die Aktien des US-Kosmetikriesen Ulta gaben rund 3 Prozent nach, die der Kosmetikmarke Revlon um mehr als 4 Prozent.

Man freue sich, den Kosmetikschaffenden durch die bequeme Einkaufserfahrung bei Amazon Business noch mehr Auswahl bieten zu können, schrieb der Onlinehändler am Montag in einem Blogpost und  hob die "großartigen Preise und bequemen Lieferoptionen" hervor, die den Unternehmen mehr Zeit ließen, sich um ihre Kunden zu kümmern.

Anders als in den USA blieben die Auswirkungen an den Märkten in Deutschland und Europa gering. Richtet sich Amazon mit seinem Angebot zunächst doch nur an amerikanische Unternehmen und fokussiert sich hierzulande bislang auf Partnerschaften mit margenstarken Prestigekosmetikmarken.

Doch auch europäische Unternehmer der Schönheitsbranche sollten sich für zunehmende Konkurrenz rüsten, folgt Amazon doch wieder einmal der Strategie, neue Märkte zunächst in beschränktem Ausmaß auszutesten, bevor ein Angebot ausgebaut oder internationalisiert wird. Dies war auch bei dem Start von Amazon Business der Fall, mit dem der Onlinehändler zunächst in den USA Erfahrungen sammelte, bevor er das Angebot später auch in Deutschland ausrollte.

Bedrohung für Henkels Hoffnungssektor?

Unter anderem Henkel  dürfte sich in den nächsten Wochen und Monaten intensiv mit dem Vorstoß Amazons als neuem potenziell mächtigem Akteur im Markt beschäftigen, setzt der Konzern dochgroße Hoffnungen in das bislang äußerst profitable Profigeschäft -  und ist dank Zukäufen in den vergangenen Jahren auch auf dem US-Markt sehr präsent. Zwar stellt Amazon als Vertriebsplattform keine direkte Konkurrenz zum Hersteller Henkel dar. Der US-Konzern könnte mit seiner gewaltigen Marktmacht allerdings das Geschäft in Bewegung und möglicherweise Preise ins Rutschen bringen.

Der Umsatz von Henkels Profisparte mit rund 4000 Mitarbeitern hatte sich den Angaben zufolge - auch dank dieser Zukäufe - zuletzt auf eine Milliarde Euro verdoppelt, was Schwarzkopf Professional zur Nummer drei im Friseurmarkt hinter dem französischen L'Oréal und Coty-Welle, an dem die deutsche Milliardärsfamilie Reimann eine beträchtliche Beteiligungen hält, machte.

Dabei sind Friseure oft nicht nur verarbeitender Absatzmarkt, sondern vertreiben auch selbst die oft hochpreisigen Spezialprodukte, was Schätzungen zufolge in der Regel zwischen 5 bis 20 Prozent zum Umsatz beiträgt.  Allerdings sind mit dem Profi-Geschäft auch schon große Konsumgüterkonzerne auf die Nase gefallen, auch weil sie den Aufwand dafür unterschätzten - liegt der Beratungs- und Betreuungsbedarf bei professionellen Kunden doch traditionell höher als im Massenmarkt.

Zuletzt hatte Henkel versucht, Friseure und deren Kunden mittels immer weiter individualisierter Produkte und spezieller Features wie digitaler Haaranalysen noch besser an sich zu binden. Mit dem Eintritt Amazons in den B2B-Sektor dürfte jetzt eine weitere Baustelle dazukommen.

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