Sonntag, 15. September 2019

Amazon baut Trojanisches Pferd Wie Amazon in China endlich den Durchbruch schaffen will

Bald klickoptimiert: Mit Spielwaren will es Amazon nun auch in Alibabas Shoppingportal Tmall versuchen.
Getty Images
Bald klickoptimiert: Mit Spielwaren will es Amazon nun auch in Alibabas Shoppingportal Tmall versuchen.

Hamburg - China ist für US-Internetkonzerne ein anspruchsvolles Expansionsziel. Das spürte bislang auch US-Onlinehändler Amazon. Nach vielen Versuchen verfolgt der Konzern nun eine neue Strategie in der Volksrepublik. Er will im April einen Shop auf Alibabas Tmall eröffnen - dem Erzrivalen des Unternehmens.

Amazon Börsen-Chart zeigen versucht damit von der Dominanz Alibabas Börsen-Chart zeigen zu profitieren. Der chinesische Onlinehändler kontrolliert mit den Handelsplattformen Tmall und Taobao mehr als 90 Prozent des chinesischen Onlinehandels. Obwohl Amazon in der Vergangenheit immer wieder versuchte, den Markt durch ausländische Markenware zu erobern, erzielt das US-Unternehmen nur einen Marktanteil von 1,4 Prozent. Nach Angaben der chinesischen Internetberatungsfirma Analysys Enfodesk nimmt Amazon in China nur Platz fünf ein.

Über Alibabas Plattform Tmall versucht Jeff Bezos es nun mit Spielzeug, Schuhen, Essen und Küchengeräten. Branchenbeobachtern zufolge würden die Rivalen beide von Amazons Schritt profitieren.

Für Alibaba könne sich auszahlen, dass der US-Onlinehändler immerhin dafür bekannt sei, Originalprodukte zu vertreiben. Die Auktionsplattform Taobao steht dagegen häufig in der Kritik, weil dort oft auch gefälschte Waren im Angebot sind. Amazon könnte durch eine Anbindung an Alibaba wiederum die eigene Markenbekanntheit steigern.

Anders als bei Amazon können Händler via Tmall ihre Produkte nur wie Werbeanzeigen auf der Website anzeigen. Alibaba hält keine Lagerhallen für Produkte anderer bereit. Amazon verkauft hingegen auch eigene Produkte und übernimmt auch die Logistik für Dritthändler.

Der US-Onlinehändler versucht derzeit auch nach Indien zu expandieren und hat dafür eine Investitionssumme von zwei Milliarden Dollar veranschlagt. Amazon kämpft im internationalen Geschäft derzeit gegen ein deutlich verlangsamtes Wachstum an. Aus dem jüngsten Geschäftsbericht ging hervor, dass sich Amazons Wachstum deutlich verlangsamte - und das im wichtigen Weihnachtsgeschäft. Lediglich um 3 Prozent war der Erlös gestiegen. In 2012 und 2013 lag das Umsatzwachstum im Vergleichszeitraum noch bei 21 Prozent beziehungsweise 13 Prozent.

In Deutschland und Großbritannien, den derzeit wichtigsten Standorten außerhalb der USA, hatte das Unternehmen zuletzt nach viel Kritik eine Transparenzoffensive gestartet. Besucher können nun in Deutschland sowie bald in Großbritannien die großflächigen Versandzentren des Unternehmens besuchen.

© manager magazin 2015
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung