Online-Riese mit Zoox offenbar in Übernahmeverhandlungen Was will Amazon mit einem Roboterauto-Start-up?

Test-Auto von Zoox: Die Entwicklung der Technik für autonomes Fahren verschlingt enorm viel Geld und Ressourcen. Zoox sucht schon länger nach neuen Investoren - bislang wohl vergeblich. Jetzt klopft offenbar Amazon an und könnte gleich das ganze Unternehmen kaufen.

Test-Auto von Zoox: Die Entwicklung der Technik für autonomes Fahren verschlingt enorm viel Geld und Ressourcen. Zoox sucht schon länger nach neuen Investoren - bislang wohl vergeblich. Jetzt klopft offenbar Amazon an und könnte gleich das ganze Unternehmen kaufen.

Foto: Zoox

Amazon will offenbar das Start-up Zoox kaufen, das sich auf autonom fahrende Fahrzeuge spezialisiert hat. Die Verhandlungen darüber seien laut "Wall Street Journal"  weit fortgeschritten. Der Deal würde Zoox allerdings mit weniger als den 3,2 Milliarden Dollar bewerten, die der US-Robotertaxianbieter 2018 bei einer Finanzierungsrunde erzielt hatte. Amazon wie auch Zoox wollten sich zu dem Bericht bislang nicht äußern.

Fotostrecke

Die wichtigsten Allianzen rund um die Roboterauto-Entwicklung: Die Partner der Autobauer beim autonomen Fahren

Foto: Zoox

Der Online-Riese hatte zuletzt seine Investitionen in den Autosektor verstärkt und sich unter anderem an einer 530 Millionen Dollar schweren Finanzierungsrunde für das Autonome-Fahren-Start-up Aurora beteiligt. Investiert ist Amazon auch in das Start-up Rivian, das Elektroautos baut.

Der Technologie für fahrerlose Fahrzeuge widmet sich seit einigen Jahren auch ein eigenes Team bei Amazon. Der Konzern verfolgt damit parallel das Ziel, mehr Güter selbst zu transportieren und sich somit unabhängiger von großen Logistik-Konzernen wie UPS oder DHL zu machen. Mit einer möglichen Übernahme würde Amazon erstmals direkt in die Entwicklung der Technik des autonomen Fahrens einsteigen.

Die Entwicklung der Technologie für autonomes Fahren verschlingt Unmengen an Geld, die Erfolge stellen sich jedoch nur langsam ein. Die Entwicklung selbstfahrender Autos gestaltet sich komplexer als gedacht. "Es braucht immer mehr Geld, immer mehr Software-Ressourcen und immer mehr Hardware-Know-how", sagte kürzlich Waymo-Chef John Krafcik. Dabei war es Waymo zuletzt gelungen, seine jüngste Finanzierungsrunde um 750 Millionen Dollar auf drei Milliarden Dollar ausbauen.

Parallel jedoch schritt die Konsolidierung im autonomen Fahren voran. Das Interesse an Robotertaxi-Start-ups nahm ab, während sich das Geld auf größere Namen wie eben Waymo und GM's Cruise verlagerte.

Autonomes Fahren - der Markt konsolidiert sich

Zoox bekam das zu spüren, hatte seit rund einem Jahr versucht Geld aufzunehmen, aber offenbar keine Investoren gefunden. Zuvor hatte mit Starksky Robotics schon ein weiteres Unternehmen aufgeben müssen. Dabei ist Zoox für Investoren ein besonders teures Unterfangen: Das Start-up will nicht nur die Technik zum autonomen Fahren entwickeln, sondern auch gleich noch ein eigenes Elektro-Shuttle.

Die Coronavirus-Krise dürfte die Entwicklung zuletzt noch verschärft haben. So manches fahrerlose Autoprogramm geriet selbst bei etablierten Autokonzernen ins Stocken. Ford etwa erklärte unlängst, der Konzern verschiebe seinen Dienst für fahrerlose Fahrzeuge auf das Jahr 2022 und wolle seine Strategie in diesem Zusammenhang grundsätzlich überdenken.

Ein Mitbewerber von Zoox, der sich dem Trend widersetzen konnte, war wie erwähnt Aurora, dessen letzte Finanzierungsrunde das Start-up mit mehr als 2 Milliarden Dollar bewertete. Volkswagen hatte im Sommer vergangenen Jahres die Zusammenarbeit mit Aurora aufgekündigt. Die Wolfsburger wollten in diesem kapitalintensiven Feld dafür enger mit Ford zusammenarbeiten, hieß es. Volkswagen hatte im vergangenen Jahr 2,6 Milliarden Dollar in die gemeinsam mit Ford betriebene Roboterwagenfirma Argo AI investiert.