Mittwoch, 23. Oktober 2019

Nicht nur Amazon hört mit Polnische Heimarbeiter hören deutsche Alexa-Sprachbefehle ab

"Hallo Alexa, wer hört jetzt gerade mit?"

Tag für Tag plappern Zehntausende Deutsche in eine kleine Säule, erteilen via Sprachbefehl Amazons digitaler Assistentin "Alexa" digitale Sprachbefehle. Diese Sprachaufzeichnungen sind ganz offensichtlich weit weniger geschützt als bislang bekannt. Denn nicht nur Amazon-Mitarbeitern transkribieren diese Aufzeichnungen, auch polnische Heim- und Zeitarbeiter werten sie aus.

Die Zeitarbeitsfirma Randstad Polen habe noch bis Freitag entsprechende Stellen ausgeschrieben, berichtet die "Welt am Sonntag". Als Qualifikation seien lediglich Sprachkenntnisse verlangt worden.

Ein in dem Programm tätiger Zeitarbeiter wird von der Zeitung mit den Worten zitiert, es handele sich um einen "Hausfrauenjob". Er arbeite ebenso wie viele seiner Kollegen vom Küchentisch aus.

Amazon bestätigte der Zeitung, dass es "einigen Mitarbeitern" gestattet sei, außerhalb einer besonders geschützten Umgebung zu arbeiten. Dabei würden aber "strenge Sicherheitsmaßnahmen" gelten sowie "Richtlinien, an die sich jeder Mitarbeiter halten muss". Insbesondere die Tätigkeit an öffentlichen Orten sei untersagt.

Nutzung von Sprachassistenten "hoch risikoreich" für Privatsphäre

Amazon lässt Menschen Sprachbefehle an Alexa abtippen, die von dem digitalen Assistenten nicht oder falsch verstanden wurden. So soll die Spracherkennung optimiert werden. Wie die Zeitung weiter berichtete, kündigte Amazon in der Nacht zum Samstag an, dass Nutzer diesem Vorgehen künftig widersprechen können. Ihre Sprachbefehle seien dann für die Nachbearbeitung durch Menschen gesperrt.

In Deutschland nutzt einer Postbank-Studie zufolge fast jeder Dritte einen digitalen Sprachassistenten, acht Prozent davon Amazons Echo-Lautsprecher.

Zuletzt hatte der Umgang mit den Sprachaufzeichnungen digitaler Assistenten vermehrt für Diskussionen gesorgt. Die Hamburger Datenschutzbehörde erhielt nach Angaben vom Donnerstag vom Internetkonzern Google im Rahmen eines Verwaltungsverfahrens die Zusicherung, dass für weitere drei Monate keine solchen Mitschnitte von Mitarbeitern ausgewertet werden.

Die Datenschutzbehörde rief die für andere Anbieter zuständigen Behörden auf, ähnliche Verfahren einzuleiten. Die Nutzung derartiger Assistenten sei mit Blick auf die Privatsphäre "hoch risikoreich".

Auch Apple will "Siri"-Aufzeichnungen vorerst stoppen

Auch Apple will die Auswertung von Aufzeichnungen seines Assistenten "Siri" aufgrund von Datenschutzbedenken vorerst aussetzen. Der Konzern kündigte an, in späteren Versionen seines Betriebssystems die Nutzer explizit um Erlaubnis zu fragen, falls die Transkription wieder aufgenommen werden sollte.

Zuvor war bekannt geworden, dass Siri-Mitarbeiter teilweise intime Einblicke in den Alltag der Nutzer bekommen hatten, da der Assistent das Kommando-Codewort "Hey Siri" gelegentlich falsch positiv erkennt und aufzeichnet, obwohl der Nutzer gar keine Befehle geben will.

rei mit afp

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