Freitag, 18. Oktober 2019

Alles auf Wachstum Amazon beruhigt Anleger mit Weihnachts-Gewinn

Amazon-Pakete: Das Weihnachtsgeschäft lief schwach, aber profitabel

Während der hochprofitable chinesische Wettbewerber Alibaba die Gunst der Anleger verliert, bricht die Amazon-Aktie Rekorde. Der US-Händler verbucht zwar einen Verlust für 2014. Doch im Weihnachtsquartal ließ Jeff Bezos einen Gewinn stehen, der größer war als von Anleger erwartet.

Seattle - Amazon hat im Weihnachtsquartal wieder Geld verdient und damit an der Börse die Sorge vor weiteren Verlusten zerstreut. In den letzten drei Monaten 2014 summierte sich der Nettogewinn auf 214 Millionen Dollar, wie der Online-Händler am Donnerstagabend mitteilte. Das sind zwar rund zehn Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum, aber deutlich mehr als von Analysten erwartet.

Im Sommer hatte sich der Quartalsverlust noch überraschend auf 437 Millionen Dollar verzehnfacht. Die Aktie stürzte damals ab. Entsprechend groß war nun die Erleichterung: Amazon-Papiere verteuerten sich um knapp 10 Prozent.

Analysten sagten, der US-Konzern habe seine Dominanz angedeutet. Sollte es Amazon Börsen-Chart zeigen gelingen, den Umsatz weiterhin um 15 bis zum Teil über 20 Prozent zu steigern und gleichzeitig noch profitabel zu sein, werde die Börse sehr positiv reagieren, so Branchenkenner Rob Plaza von der Bank Key Private.

Amazon-Finanzchef Tom Szkutak betonte, das Unternehmen werde sich dieses Jahr noch mehr anstrengen, um rentabler zu arbeiten, damit sich die Investitionen auch auszahlten.

Firmengründer Jeff Bezos hatte in der Vergangenheit immer wieder deutlich gemacht, in erster Linie mit Amazon wachsen zu wollen - notfalls auch zulasten des Gewinns. Er steckt Milliarden in Smartphones und Tablets, Videos und Filme sowie Spiele. Zuletzt hatte Bezos gesagt, sich nur sechs Stunden im Jahr um Investoren zu kümmern. Weil das Unternehmen die Markterwartungen aber in fünf der letzten acht Quartale verfehlt hat, ging es an der Börse steil bergab. 2014 stand ein Minus von mehr als 20 Prozent zu Buche. Zweifel kamen auf, ob sich Bezos mit seinem langfristig ausgerichteten Ansatz und den vielen Investitionen nicht verzettelt.

Alibaba wächst schneller - ist aber auch deutlich kleiner

Im Weihnachtsquartal, in dem für gewöhnlich ein Drittel der Jahreserlöse eingefahren werden, stieg der Amazon-Umsatz um 15 Prozent auf 29,3 Milliarden Dollar. Analysten hatten allerdings mit 30 Milliarden Dollar etwas mehr erwartet. Der eBay-Konkurrent lockte Kunden unter anderem mit seinem Prime-Dienst für jährlich 99 Dollar. Dieser umfasst einen schnelleren Versand sowie Online-Streamingangebote. Weltweit seien die Abonnentenzahlen 2014 hier um 53 Prozent gestiegen.

Zunehmend zum Konkurrenten wird der chinesische Online-Händler Alibaba, der vergangenes Jahr in New York an die Börse gegangen ist und den Rekordwert von 25 Milliarden Dollar eingenommen hat. Mit diesem Geld in der Hinterhand soll nun die Expansion finanziert werden, denn in der Volksrepublik kommt das Unternehmen bereits auf einen Marktanteil von 80 Prozent. Der Umsatz der Chinesen stieg im abgelaufenen Quartal um 40 Prozent auf 4,22 Milliarden Dollar. Es war allerdings der geringste Zuwachs seit mindestens 2013.

Amazon ist neben dem Einzelhandels-Geschäft einer der weltgrößten Anbieter von Cloud-Infrastruktur. Auch dieses Geschäft braucht hohe Investitionen etwa in Rechenzentren. Die Investoren bekamen bisher kaum Einblick in die Entwicklung dieses Amazon-Bereichs. Nun soll künftig der Umsatz des Cloud-Geschäfts einzeln ausgewiesen werden. Zudem hieß es, die Sparte habe eine Million Kunden.

ak/dpa-afx/reuters

© manager magazin 2015
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung