Sonntag, 22. September 2019

Alibaba-Chef Jack Ma in Davos China ist nicht genug

In China ein Star: Ein "Selfie" mit Jack Ma hatte für manche Delegierte in Davos Priorität

Alibaba-Chef Jack Ma hat vor wenigen Wochen den weltweit größten Börsengang vollbracht. In Davos präsentierte sich der reichste Chinese vor allem bescheiden und erklärte, warum Chinas Wirtschaft nicht mehr so stark wachsen sollte.

Hamburg - Das dürften Amerikaner und Europäer nicht gerne hören: Der reichste Chinese der Welt hält nichts davon, dass sein Land weiter so schnell wächst. "Wenn China weiterhin mit neun Prozent wächst, dann muss da irgendetwas falsch laufen. Wir werden niemals den blauen Himmel sehen. Wir werden niemals Qualität sehen. China sollte sich auf die Qualität der Produkte konzentrieren", sagte Ma in einem Gespräch auf einem Panel beim Weltwirtschaftsforum in Davos.

Chinas Wirtschaft wuchs 7,4 Prozent im Jahr 2014 - das langsamste Wachstum seit 24 Jahren. Die Volksrepublik, mittlerweile weltweit die zweitgrößte Wirtschaftskraft, war in den vergangenen Jahren für europäischen und amerikanische Unternehmen ein dankbares Produktions- und Absatzland. Allerdings hat das schnelle Wachstum des Landes auch zu Umweltverschmutzung und zu größerer Ungleichheit geführt, so dass die Politiker die Devise vom Wachstum um jeden Preis aufgaben.

Für sein Unternehmen hat Internetunternehmer Ma allerdings keine Wachstumsgrenze ausgegeben. Der 50-Jährige will vor allem nach Amerika und Europa expandieren. Er wolle es europäischen und amerikanischen Unternehmen erleichtern, über seine Handelsplattform chinesische Kunden zu erreichen. Insgesamt zwei Milliarden Kunden wolle Alibaba bedienen. Einen genauen Zeitraum nannte er aber nicht.

Ma sagte lediglich, dass sein Unternehmen in den kommenden zehn Jahren den jährlichen Umsatz in Höhe von 470 Milliarden Dollar von US-Handelskonzern Wal-Mart Börsen-Chart zeigen überschreiten solle. Bislang zählt Alibaba Börsen-Chart zeigen Ma zufolge täglich mehr als 100 Millionen Kunden.

"Frauen machen sich über andere mehr Gedanken als über sich selbst"

Ma zeigte sich in Davos ansonsten auffallend bescheiden. "Ich war nicht darüber glücklich, dass viele sagten, ich sei reichste Mann Chinas", sagte Ma. Er hätte viel Vertrauen von Investoren erhalten, aber nicht Milliarden Dollar. Er habe überlebt und das sei wichtig, erzählte er weiter und verwies auf die schwierige Anfangszeit.

Risikokapitalgeber und auch Banken hätten ihm zu Beginn kein Geld geben wollen. In den USA hätte man ihn für verrückt gehalten, als er dort fünf Millionen Dollar bei Risikokapitalgebern habe einsammeln wollen. "Dann sagte ich, okay, wir kommen zurück und sammeln ein bisschen mehr ein", erzählte Ma mit Genugtuung. Im September war Alibaba in New York an die Börse gegangen und hatte dort Aktien im Wert von 21,8 Milliarden Dollar verkauft.

Mittlerweile beschäftigt Ma mehr als 30 000 Menschen, davon fast die Hälfte Frauen. "Frauen machen sich über andere mehr Gedanken als über sich selbst", erklärte Ma die ungewöhnlich hohe Quote. Das wirke sich positiv für die Kunden aus. Im führenden Management habe er eine Frauenquote von 33 Prozent.

Aufgrund seiner eigenen Geschichte pflegt Ma besondere Sympathien für Menschen, die sich durchkämpfen. Sein Lieblingsfilm sei "Forrest Gump", weil der nie aufgegeben hätte. Ma ist eigenen Angaben zufolge in jungen Jahren vielfach von Schulen und Universitäten abgewiesen worden. Er hätte sich beispielweise zehn Mal in Harvard beworben und sei immer gescheitert. "Ich habe mir dann irgendwann gesagt, dass ich dort mal lehren werde". Es ist gut möglich, dass er nun eher früher als später einen Lehrauftrag erhält.

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