Mittwoch, 26. Juni 2019

Verluste an der Börse Dax im Bärenmarkt - worauf Anleger jetzt achten müssen

Bärenalarm: Der deutsche Aktienmarkt verzeichnet bereits massive Verluste - weitere dürften bevorstehen.

Seit Monaten geht es an der Börse turbulent zu, mit klarer Grundtendenz nach unten, einzelne Erholungsversuche fanden stets nach kurzer Zeit ein Ende und Dax und Co brachen weiter ein. Bislang gab es immer wieder Stimmen, die von einer "gesunden Korrektur" sprachen. Es sei gut, wenn "unsichere Hände" den Markt verließen, hieß es häufig, sprich: wenn nervöse Anleger ausstiegen. So blieben letztlich ausschließlich jene Investoren engagiert, die wirklich von ihren Investments überzeugt seien. Mit dieser Überzeugung als Basis könne alsbald der nächste Kursaufschwung starten, so die Hoffnung.

Spätestens seit Ende vergangener Woche steht nun aber fest: Zumindest nach der gängigen Börsendefinition handelt es sich bei dem, was sich derzeit am Aktienmarkt abspielt, keineswegs um eine womöglich rasch vorübergehende Korrektur. Seit Donnerstag vergangener Woche hat der deutsche Aktienmarkt gemessen am Leitindex Dax Börsen-Chart zeigen vielmehr gegenüber seinem Höchststand von Ende 2017 mehr als 20 Prozent verloren. Und ein Verlust von mehr als 20 Prozent - so wird unter Börsianern etwas definiert, das deutlich bedrohlicher daherkommt, als eine vorübergehende Korrektur: Rutscht ein Wert in dieser Größenordnung ab, so befindet er sich nach allgemeinem Verständnis im Bärenmarkt. Genau das ist nun am hiesigen Aktienmarkt der Fall.

Für Investoren sind das keine guten Nachrichten, denn ein Bärenmarkt bleibt der Börse schon per Definition länger und nachhaltiger erhalten als eine bloße Korrektur. Auch gegenwärtig spricht einiges dafür, dass es an der Börse vorerst weiter abwärts geht. Hier sind die wichtigsten Gründe, die dafür sprechen:

- Fundamentale Daten: Der langfristig wichtigste Einflussfaktor auf die Aktienkurse ist die Lage der Realwirtschaft sowie der Aktiengesellschaften, die darin manövrieren müssen. Diese Lage war für die meisten deutschen Unternehmen jahrelang gut - doch das ändert sich gerade. Reihenweise haben die Konzernlenker in diesem Jahr bereits zu erkennen gegeben, wie sehr sich die Aussichten aus ihrer Perspektive verschlechtern. Auch Volkswirte und Wirtschaftsforschungsinstitute nehmen ihre Erwartungen in Bezug auf die künftige Entwicklung der Weltwirtschaft sowie der Konjunktur hierzulande zunehmend zurück. Als wäre das noch nicht genug, kommen weitere störende Einflüsse hinzu, die die künftige Entwicklung der Konjunktur zusätzlich ungewiss erscheinen lassen, als da wären: Der Handelskonflikt zwischen den USA und China, angereichert seit einigen Tagen um den Streit um die Festnahme von Huawei-Finanzchefin Meng Whanzou in Kanada, die bereits seit Tagen Aktienkurse purzeln lässt, der Budgetstreit der EU mit Italien, der Brexit, der stark schwankende Ölpreis und einiges mehr.

- Psychologische Faktoren: So manches, was an der Börse passiert, passiert vor allem, weil es ausreichend Akteure gibt, die erwarten, dass es passiert. Es handelt sich also um so etwas wie sich selbst erfüllende Prophezeiungen. Zugleich gilt unter Fachleuten seit Langem als sicher, dass die Aktienkurse - zumindest kurzfristig - zu mindestens 50 Prozent durch psychologische Faktoren wie Angst, Gier oder auch Übermut beeinflusst werden. Beide Erkenntnisse zusammen lassen gegenwärtig nichts Gutes erwarten: Die meisten Investoren dürften kaum optimistisch auf einen in Kürze beginnenden Aufschwung hoffen. Nach den Turbulenzen und Verlusten der vergangenen Monate, und nicht zuletzt in dem Wissen, dass mit dem Erreichen des Bärenmarktes nun auch "offiziell" eine neues, negatives Kapitel begonnen hat, dürfte vielmehr der Pessimismus vorherrschen. Sprich: Die Mehrheit erwartet wohl eher fallende Kurse - und die Kurse werden allein schon deshalb womöglich noch ein Stück weit weiter fallen.

- Technische Analyse: Die technische Chartanalyse ist umstritten, doch sie kann darauf verweisen, in der Vergangenheit schon einige Male richtig gelegen zu haben. Ein Chartmerkmal, das mit besonders hoher Wahrscheinlichkeit für weiter fallende Aktienkurse spricht, ist die sogenannte Schulter-Kopf-Schulter-Formation (SKS). Und siehe da: Genau dieses Chart-Bild hat der Dax vor Kurzem ausgebildet. manager-magazin.de gab nicht zuletzt deshalb schon im Oktober einen recht pessimistischen Ausblick auf den Aktienmarkt - und lag damit richtig. Geändert hat sich an dieser Einschätzung bis heute wenig. Die technischen Analysten der Privatbank Donner & Reuschel beispielsweise schreiben aktuell, das Abwärtspotenzial des Dax aufgrund der SKS gehe bis hinab zu 10.100 Punkten. Zur Orientierung: Selbst nach den Verlusten der vergangenen Tage notiert der Dax gegenwärtig immerhin noch bei 10.730 Punkten. Der übergeordnete Abwärtstrend bleibe intakt, heißt es bei Donner & Reuschel weiter. Die Kurzfristtendenz verschärfe sich sogar, und die markttechnischen Indikatoren befänden sich im freien Fall. Viel negativer lässt sich ein Chartbild aus Sicht technischer Analysten vermutlich nicht beschreiben.

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