Sonntag, 5. April 2020

Airbnbs Guerilla-Strategie Wie Airbnb den Kampf um Berlin doch noch gewinnen will

Anti-Airbnb-Proteste: In den USA tobt mittlerweile ein millionenteurer Kampf zwischen Airbnb und seinen Gegnern

Nathan Blecharczyk ist derzeit schwer beschäftigt. Der joviale Airbnb-Gründer tourt durch die Welt und macht gute Stimmung für sein Unternehmen. Imageförderung hat der Wohnungsvermittler aktuell schwer nötig. Konnte das Unternehmen in vielen Teilen der Welt lange schalten und walten wie es wollte, weil sein Geschäftsmodell nicht in existierende Raster passte, schieben angesichts des immer rarer werdenden Wohnraums viele Städte der freien Untervermietung mittlerweile einen Riegel vor. Oder sie stellen zumindest Regeln auf, die sicherstellen, dass die Vermieter ähnlich wie Hotels ihre Einnahmen zumindest zu einem gewissen Maße versteuern.

In mehr als 100 Städten ringt das Unternehmen aktuell um Regeln, die es Mietern und Hauseigentümern erlauben sollen, ihre Wohnungen und Zimmer über die Airbnb-Plattform zu vermieten. In London, Paris, Mailand, Lissabon und Amsterdam hat sich Airbnb bereits mit Regierungen - teils auch erst einmal übergangsweise - auf bestimmte Regeln verständigt.

Macht Lobbyarbeit: Airbnb-Mitgründer Nathan Blecharczyk

In Berlin sieht die Lage anders aus. Hier ist es nach einer zweijährigen Übergangsfrist mittlerweile verboten, die eigene Wohnung ohne Sondererlaubnis gegen Geld als Ferienwohnung anzubieten. Vergangene Woche wurde die Regelung noch einmal gerichtlich bestätigt: Wer seine Wohnung vermieten will, braucht dafür nun eine behördliche Genehmigung. Ohne sie drohen bis zu 100.000 Euro Strafe.

Das kann Blecharczyk verständlicherweise nicht gefallen. Doch anders als Uber-Chef Travis Kalanick, der Verbote in manchen Städten einfach ignorierte und seine Gegner verbal attackierte, hat der Manager aus den Fehlern Ubers offenbar gelernt. Er setzt auf Diplomatie - und organisierten Druck aus der Community.

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