Mitarbeiter verkaufen Anteile Airbnb schiebt Börsengang auf die lange Bank

Airbnb verhandelt mit Investoren über den Verkauf von Mitarbeiteranteilen zu einer Bewertung von dreizehn Milliarden Dollar. Das wären drei Milliarden mehr als noch im April. Ein möglicher Börsengang dürfte damit in weite Ferne rücken.
Von Andrea Rungg
Zimmer frei: Airbnb ist eigenen Angaben zufolge in mehr als 34.000 Städten aktiv und hat weltweit 800.000 Angebote auf der Plattform

Zimmer frei: Airbnb ist eigenen Angaben zufolge in mehr als 34.000 Städten aktiv und hat weltweit 800.000 Angebote auf der Plattform

Foto: Justin Sullivan/ Getty Images

Hamburg - Airbnb spreche derzeit mit Investoren, die den eigenen Mitarbeitern Unternehmensanteile abkaufen sollen. Das Unternehmen will also nicht erneut Geld einsammeln, sondern Mitarbeitern lediglich Gelegenheit geben, Anteile zu veräußern. Es gehe um Anteile im Wert von bis zu 50 Millionen Dollar, wie "Wall Street Journal" und "Financial Times" unter Berufung auf zwei mit den Vorgängen vertraute Personen berichteten. Das Unternehmen äußerte sich nicht.

Airbnb ist eine Vermittlungsplattform für Privatleute, über die Zimmer oder Wohnungen für begrenzte Zeit ver- beziehungsweise gemietet werden können. Als Alternative zu Hotels richtete sich die Plattform ursprünglich an Touristen. Mittlerweile nutzen auch viele Geschäftsreisende Airbnb. Das Unternehmen kassiert bei erfolgreicher Vermittlung eine Provision. Im Jahr 2013 soll Airbnb so 250 Millionen Dollar erlöst haben, eine Verdoppelung zum Vorjahr. Ob das US-Startup profitabel wirtschaftet, darüber ist nichts bekannt.

Erst im April hatte das Unternehmen eine Finanzierungsrunde abgeschlossen und von einer Investorengruppe 450 Millionen Dollar eingesammelt. Das Unternehmen wurde damals auf zehn Milliarden Dollar taxiert und war damit bereits eines der derzeit teuersten Startups. Zu den Geldgebern gehörten unter anderem die Private-Equity-Firma TPG Growth, der Anlagefonds T.Rowe Price Group und der Risikokapitalgeber Sequoia Capital. Einer der frühen Investoren des Startups ist auch der in Deutschland geborene Peter Thiel. Airbnb erhielt in sieben Finanzierungsrunden insgesamt 800 Millionen Dollar.

Aktienoption als Anreiz für Mitarbeiter

Viele Technologie-Startups geben ihren Mitarbeitern mittlerweile die Möglichkeit, bereits vor einem Börsengang ihre Anteile oder zumindest einen Teil vor einem einkalkulierten Börsengang zu verkaufen. So hatte damals etwa Facebook  in koordinierten Verkäufen Mitarbeitern die Gelegenheit gegeben, Aktien zu veräußern, bevor das Onlinenetzwerk im Mai 2012 an die Börse ging. Anfang des Jahres hatte Square, ein Anbieter eines Handybezahlsystems, Angestellten ebenfalls diese Möglichkeit eröffnet.

Mitarbeiter erhalten in der Regel zusätzlich zu einem festen Einkommen Aktienoptionen. Weil das Einkommen bei Startups zunächst nicht üppig ist, werden die Mitarbeiter mit den Optionen geködert mit der Aussicht, diese bei einem Börsengang oder einem erfolgreich Verkauf gewinnbringend veräußern zu können. Für die Unternehmen hat das den positiven Effekt, dass Mitarbeiter einen Anreiz haben, ihrem Arbeitgeber treu zu bleiben. Gleichzeitig können erfolgreiche Startups so mit den hohen Gehältern bereits etablierter Unternehmen wie Apple  und Google  einigermaßen Schritt halten.

Wenn Unternehmen nun ihre Mitarbeiter früher Aktien veräußern lassen, dann belohnen sie einerseits ihre Angestellten und nehmen andererseits dem Management den Druck, frühzeitig an die Börse zu müssen. Airbnb ist derzeit auf der Suche nach einem neuen Finanzchef, ohne den Vorbereitungen für eine Erstnotiz nicht laufen. Andrew Swain hatte das Unternehmen im September verlassen. Seither ist Airbnb auf der Suche. Doch auch ohne Finanzchef will das Startup den Verkauf von Anteilen koordinieren, so dass es einen Überblick über die Aktionärsstruktur behält und Finanzinformationen nicht nach außen dringen. Dass im April frisch eingesammelte Kapital will Airbnb dem Anschein nach nicht für Aktienrückkäufe verwenden, sondern eher Investoren die Option geben, Anteile zu übernehmen.

Airbnb derzeit eines der teuersten Startups

Neben dem umstrittenen Fahrdienst Uber ist Airbnb mittlerweile eines der teuersten noch jungen Unternehmen. Uber wird gar auf 18,2 Milliarden Dollar taxiert. Über finanzielle Kennziffern wie Umsatz und Gewinn ist bislang nichts bekannt. Mit 13 Milliarden Dollar soll Airbnb derzeit mehr wert sein, als die börsennotierten Hotelgruppen Wyndham Worldwide mit 9,8 Milliarden Dollar und Hyatt Hotels mit 9,2 Milliarden Dollar.

Sowohl Behörden als auch die Tourismusbranche beobachten das Geschäft von Airbnb skeptisch. Für das Hotelgewerbe ist Airbnb eine starke Konkurrenz, die sich allerdings nicht an die Regeln und Besteuerung der Branche halten muss. Behörden überprüfen deshalb immer wieder, ob bei Airbnb alles rechtens zugeht. Erst kürzlich zeigten Daten, dass insbesondere im beliebten und lukrativen New York allen voran Immobilienfirmen ihr Inventar auf der Plattform anboten, anstatt Privatleute, die sich vielleicht ein bisschen Geld dazu verdienen wollen.