Eric Schmidt in Deutschland Google macht sich klein

Googles Verwaltungsratschef Eric Schmidt ist eine Art Außenminister des Konzerns und derzeit auf Charming-Tour in Deutschland. Gestern gab er Einblicke, mit welcher Strategie er die Kritik an der Sammelwut und Marktmacht Googles zu erwidern gedenkt.
Konzern mit Weltgeltung: Doch Google-Verwaltungsratschef Erich Schmidt versucht derzeit bei Auftritten in Deutschland, die Bedeutung des Suchmaschinenbetreibers herunterzuspielen

Konzern mit Weltgeltung: Doch Google-Verwaltungsratschef Erich Schmidt versucht derzeit bei Auftritten in Deutschland, die Bedeutung des Suchmaschinenbetreibers herunterzuspielen

Foto: BOBBY YIP/ REUTERS

Berlin/Hamburg - Google-Verwaltungsrat und Großaktionär Eric Schmidt ist heute im Bundeswirtschaftsministerium bei Minister Gabriel zu Gast. Er besucht die Metropole bereits das zweite Mal in vier Monaten. Dafür hat er gute Gründe.

Denn in Deutschland formiert sich Widerstand gegen die Datensammelwut des allmächtigen Internet-Konzerns. Gabriel hatte Google ob seiner Ausnahmestellung scharf kritisiert und im Sommer laut über eine mögliche Zerschlagung von Google nachgedacht. Tatsächlich sind dazu weder Gabriel noch die Bundesregierung in der Lage. Gleichwohl setzen sie Google empfindlich zu.

Hatte Deutschland doch zuletzt in Brüssel durchgesetzt, ein laufendes Wettbewerbsverfahren gegen den Konzern zu verschärfen. Zugleich wollen die EU-Staaten mit neuen Regeln im kommenden Jahr Google, Facebook oder Amazon das Ausschlachten von Nutzerdaten erschweren. Auch Deutschlands Innenminister de Maiziere will dazu seinen Teil beitragen, wie er im "Handelsblatt" ankündigt.

Google muss reagieren, deshalb ist Schmidt erneut in Deutschland. Wie der ehemalige Google-Chef auf seiner Charming-Tour die Wogen zu glätten gedenkt, wurde gestern Abend deutlich: Bei einer Veranstaltung des Berliner Start-ups Native Instruments stellte er die Allmacht des Konzerns in Frage. Der Konsument habe die freie Wahl, der Wettbewerb sei enorm. Wenn Google nicht reagiere, könne das Unternehmen schnell überholt werden.

Schmidt: Größe und vergangene Erfolge kein Garant für die Zukunft

Die größte Herausforderung im internationalen Wettbewerb sieht Schmidt im Online-Händler Amazon . "Viele denken, unsere größten Wettbewerber seien Yahoo oder Bing. Aber unser größter Konkurrent im Suchmaschinenbereich ist tatsächlich Amazon." Wer etwas kaufen wolle, schaue meist bei Amazon nach. "Im Grunde antworten sie auf Anfragen und Suchen der Nutzer genauso, wie wir es tun", sagte Schmidt.

Vor dem Hintergrund der Vorwürfe von Konkurrenten gegen Google, eine monopolartige Markstellung auszunutzen, betonte Schmidt die Schnelligkeit, mit der neue Herausforderungen im digitalen Zeitalter entstehen können. Wichtig sei es zu wissen, "dass irgendjemand irgendwo in einer Garage auf uns lauert.", sagte Schmidt. "Ich weiß das, weil es nicht lange her ist, dass wir in dieser Garage saßen."

Größe und vergangene Erfolge seien kein Garant für die Zukunft. Große Unternehmen könnten schnell übertrumpft werden. Das sehe man auch an Unternehmen wie Yahoo, Nokia , Microsoft und Blackberry , die noch vor wenigen Jahren konkurrenzlos erschienen, betonte Schmidt.

Auch Google sei stets von einer ganzen Reihe großer Herausforderer und Konkurrenten umgeben. Facebook etwa sehe sich selbst als "Sprungbrett zum Internet". Bei der lokalen Suche unterwegs auf mobilen Geräten seien auch Yelp, Tripadvisor , Dooyoo, Ciao oder HolidayCheck Konkurrenten von Google.

Das solle nicht heißen, dass Google unwichtig sei, wenn es um Informationsbeschaffung gehe. Es gehe darum, dass die Menschen die Wahl unter mehreren Möglichkeiten hätten. "Der Markt ist sehr umkämpft und ändert sich dauernd." Eintrittshürden seien zu vernachlässigen, da der Wettbewerb nur einen Klick weit entfernt stattfinde.

rei mit Nachrichtenagenturen
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