Montag, 19. August 2019

Umstieg auf IP-Telefonie Telekom droht Telefonkunden mit Kündigung

Nostalgie-Telefon: Die Telekom will bis 2018 die Netze in ganz Deutschland von ISDN oder alter analoger Technik auf IP-Telefonie umstellen

Bis 2018 will die Telekom auch Sprachtelefonie auf Internet-Technik umstellen. Bei vielen VDSL-Kunden hilft der Konzern nach und droht mit Vertragskündigung, um die Zeitvorgaben einzuhalten.

Bonn/Berlin - Die Deutsche Telekom forciert den Umstieg zum Telefonieren über das Internet in einigen Regionen mit Kündigungen der bestehenden Verträge. Es gehe vor allem um die ersten Netze mit dem besonders schnellen VDSL-Internet, die in 53 Städten eingerichtet worden seien, sagte der zuständige Telekom-Manager Ingo Hofacker. Betroffen seien rund 300 000 Kunden.

Dass es jetzt womöglich zu Kündigungen kommt, soll am Zeitdruck durch die Regulierungsvorgaben liegen. Zur Genehmigung der neuen Vectoring-Technik für schnelleres Internet gehöre auch, sie bis Ende 2016 anzubieten. Mit den alten VDSL-Netzen sei sie aber nicht kompatibel, erläuterte Hofacker. Die Telekom greife auch zu Kündigungen, um die Frist einhalten zu können.

Bei der IP-Telefonie werden Gespräche in Form von Datenpaketen über das Internet verschickt. Das Telefon wird dabei direkt in den Internet-Router eingestöpselt. Den Kunden entstünden dabei unter Umständen höchstens Kosten für einen neuen Router.

Dafür seien die aktuellen Tarife aber in der Regel günstiger als bei den vor einigen Jahren abgeschlossenen Verträgen. Die Telefone könnten in der Regel weitergenutzt werden. Wenn von Beratern gesagt werde, Kunden müssten bei der Umstellung zwingend auch zusätzliche Angebote wie den Fernsehdienst Entertain dazubuchen, sei das "Quatsch", sagte der Telekom-Manager.

Berater verkaufen bei Umstellung gern noch zusätzliche Dienste dazu

Die Telekom will zum Jahr 2018 die Netze in ganz Deutschland von ISDN oder alter analoger Technik auf IP-Telefonie umstellen. Derzeit gebe es rund 3,5 Millionen Kunden, die über Internet-Technologie telefonieren.

"Pro Woche werden 50.000 bis 60.000 Kunden pro Woche auf IP-Telefonie umgestellt", sagte Hofacker. Die Probleme in der IP-Telefonie, die es in den vergangenen Monaten gegeben hatte, seien inzwischen behoben.

Der Telekom geht es bei der Umstellung auch um mehr Effizienz im Betrieb. "Sprache ist das einzige, was noch nicht als IP-Dienst über die Netze läuft", sagte Hofacker. "Die Technik für Sprachtelefonie ist am Ende von ihrem Lebenszyklus angekommen." Mit IP-Telefonie werde sie komplett abgeschaltet werden können. Die Umstellung werde auch Bandbreite freigeben, die heute für Sprache reserviert werde.

Der "Kölner Stadtanzeiger" hatte bereits Anfang September über Kündigungsdrohungen der Telekom berichtet. Der Zeitung zufolge verschickt das Unternehmen Briefe mit der Überschrift "Bitte jetzt handeln - sonst müssen wir Ihren Anschluss leider bald kündigen" an viele Kunden. Dem Bericht zufolge gibt die Telekom ihren Kunden vier Wochen Zeit, um auf den Brief zu reagieren - andernfalls bekämen sie tatsächlich eine Kündigung zugeschickt.

Man wolle mit dem Schreiben die Kunden nicht verängstigen, zitierte die Zeitung. Vor dem endgültigen Abschalten bekämen die Kunden noch ein weiteres Schreiben und einen Anruf eines Call-Center-Mitarbeiters.

rei/mbö/dpa

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