Milliardendeal Lenovo vor Rekord-Übernahme - IBM gibt Server ab

Chinas Konzerne beschleunigen ihre Expansion: Der Computer-Hersteller Lenovo stemmt die bislang größte Technologie-Übernahme eines chinesischen Unternehmens. Für rund 2,3 Milliarden Dollar kauft Lenovo dem US-Riesen IBM ertragsschwache Server ab - und zahlt großteils in bar.
Lenovo: Der chinesische PC-Hersteller hatte bereits 2005 das IBM-Computergeschäft gekauft, dann folgte die deutsche Medion. Nun verleibt sich Lenovo auch eine IBM-Servertochter ein

Lenovo: Der chinesische PC-Hersteller hatte bereits 2005 das IBM-Computergeschäft gekauft, dann folgte die deutsche Medion. Nun verleibt sich Lenovo auch eine IBM-Servertochter ein

Foto: ALY SONG/ REUTERS

Peking - Lenovo kauft dem US-Technologieriesen IBM für 2,3 Milliarden Dollar ertragsschwache Server ab, wie Lenovo am Donnerstag mitteilte. Der Deal unterstreicht die zunehmenden Expansionsgelüste chinesischer Firmen. Der Lenovo-Konzern, zu dem in Deutschland der Aldi-Lieferant Medion gehört, ist bereits der größte PC-Produzent der Welt. Dazu trug entscheidend die Übernahme des IBM-Computergeschäfts für 1,75 Milliarden Dollar im Jahr 2005 bei.

Nun sichert sich Lenovo die IBM-Tochter, die x86-Server fertigt. Diese werden für die Daten-Speicherung in Unternehmen verwendet, sind aber weniger leistungsstark und langsamer als andere IBM-Server.

Dem weltgrößten IT-Dienstleister brachten sie lange nur niedrige Gewinnspannen ein. Immer mehr Firmen sehen die Zukunft im sogenannten "Cloud Computing" und lagern ihre Daten über das Internet in externe Rechenzentren aus

In diesem Markt tummeln sich auch die Software-Giganten Oracle  und die deutsche SAP  . Vor diesem Hintergrund verabschiedet sich IBM zunehmend von der Hardware-Produktion und konzentriert sich auf Software und Dienstleistungen.

US-Geheimdienstaffäre belastet IBM

Für Lenovo dagegen könnte der Zukauf eine Verstärkung bedeuten. Da der PC-Markt schrumpft, bauen sich die Chinesen andere Standbeine auf - im Geschäft mit Smarthphones und Tablets sowie im Markt mit Datenspeicher-Servern. Nun komme es darauf an, die Margen der bisherigen IBM-Sparte zu verbessern, sagte der Branchenexperte Alberto Moel. "Damit könnten auch anhaltende Umsatzrückgänge ausgeglichen werden."

Analysten gehen davon aus, dass Lenovo in China deutlich leichter Käufer für die x86-Rechner findet als der IBM-Konzern, den die Enthüllungen über die Späh-Aktivitäten der US-Geheimdienste belasten. Im vergangenen Quartal musste IBM in der Volksrepublik einen Umsatzeinbruch von 23 Prozent verkraften.

Diese Probleme dürften dazu beigetragen haben, dass IBM  die Trennung von der Server-Sparte vorantrieb. Bereits im vergangenen Jahr hatte das Unternehmen dazu Gespräche mit Lenovo geführt, die aber an unterschiedlichen Preisvorstellungen scheiterten. Medienberichten zufolge verlangte IBM damals bis zu sechs Milliarden Dollar für das Geschäft, das Schätzungen zufolge rund vier Milliarden Dollar Umsatz erwirtschaftet.

Nun vereinbarten beide Konzerne, dass Lenovo 2,07 Milliarden Dollar in bar bezahlt und den Rest mit eigenen Aktien. Rund 7500 IBM-Mitarbeitern soll im Zuge der Transaktion eine Beschäftigung bei Lenovo angeboten werden. Die Chinesen sollen auch die Kundendienstleistungen für die Server übernehmen.

von Paul Carsten, Reuters

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