Donnerstag, 9. April 2020

SAP-Vorstandsumbau Verwandlung mit groben Patzern

SAP-Chefs McDermott (l.) und Jim Hagemann Snabe: "Wir werden auf Kronleuchtern schwingen"

Die SAP-Spitze versucht den Abgang der jungen Führungsgarde schön zu reden. Doch die Probleme lassen sich nicht vertuschen: Die "alte Tante SAP" hat Mühe, beim rasanten Wandel in der IT-Welt Schritt zu halten.

Walldorf - "Wir fangen gerade erst an. Wir stehen unter Feuer. Wir werden auf Kronleuchtern schwingen", heizt SAP-Chef Bill McDermott bei der eilig einberufenen Pressekonferenz ein. Dann schreit er fast: "SAP ist zu 100 Prozent in der Cloud angekommen". Klarer Fall: McDermott gibt den neuen Lars Dalgaard, jetzt, da klar ist, dass der Super-Aufsteiger den Walldorfer Konzern verlassen will.

Und doch ist der Abgang des Dänen, der bisher im Vorstand das Cloud-Geschäft verantwortete, ein herber Rückschlag für SAP Börsen-Chart zeigen. Kein Jahr hat es der umtriebige, charismatische Gründer, intern auch Mr. Cloud genannt, in den Zwängen des Groß-Konzerns ausgehalten. Dabei war Dalgaard, der auf der Bühne stets so wirkte wie eine jüngere, auf Steroiden umher rasende Version des SAP-Gründers Hasso Plattner, die Hoffnung. Er sollte dem in die Jahre gekommenen Walldorfer Konzern von Kalifornien aus wieder den Hauch Tollkühnheit einflößen, den es in der IT-Branche braucht, um auch morgen an vorderster Stelle mitspielen zu können.

Und Dalgaard ist nicht der einzige, der weiter zieht. Auch Luisa Delgado, die Arbeitsdirektorin des Konzerns, verlässt das Unternehmen nach weniger als einem Jahr, um anderswo Vorstandschefin zu werden. Delgado wirkte zwar im Hintergrund und leise, doch mit ihrer zeitgemäßen Diversity-Politik schaffte sie zuletzt, was keinem PR-Strategen besser hätte gelingen können. Mit der Ankündigung, in Zukunft gezielt Autisten einstellen zu wollen, hievte Delgado das deutsche Unternehmen SAP gar auf die Titelseiten dieser Welt.

Mögen Dalgaard, der jetzt Investor werden will, und Delgado aus verschiedenen Interessen SAP adieu sagen. Für den Software-Konzern sind sie am Ende des Tages doch Teil ein und desselben Problems: Die Verwandlung, weg von der "alten Tante SAP", wie die Herausforderer aus dem Silicon Valley gerne spotten, geht nur langsam voran.

Die Aktionäre reagierten prompt: Die SAP-Aktie verlor zeitweise um über 3 Prozent. Nun wird McDermott beweisen müssen, ob er auch nachhaltig die Qualitäten eines Einpeitschers mitbringt. Gelingt ihm das nicht, droht er am Ende samt Kronleuchter abzustürzen.

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