Dienstag, 25. Juni 2019

Tripadvisor-Gründer Stephen Kaufer "Die Zeit spielt uns in die Karten"

Stephen Kaufer: CEO von Tripadvisor

Tripadvisor ist das größte Reiseportal der Welt. Gründer Stephen Kaufer erklärt im Interview, warum er auch ein Jahrzehnt nach dem Verkauf des Unternehmens dessen Chef ist - und weshalb er Google mehr fürchtet als den deutschen Platzhirschen Holidaycheck.

mm: Herr Kaufer, Ihr liebstes Reiseziel ist Jerusalem. Was verbinden Sie mit der Stadt?

Kaufer: Ich bin fasziniert von der Jahrtausende alten Geschichte. Das ist schon etwas anderes als bei uns in den USA, wo alles, was ein paar Hundert Jahre auf dem Buckel hat, als sehr alt gilt. In Jerusalem reden wir von einer Zeit tausend Jahre vor Christus. Das fasziniert mich. Ich sollte dringend mal wieder hinfahren.

mm: Nutzen Sie Tripadvisor, wenn Sie solche Reisen planen?

Kaufer: Selbstverständlich. Ich schreibe auch viele Bewertungen.

mm: Im Jahr 2000, als Sie Ihr Unternehmen gegründet haben, war das noch nicht möglich.

Kaufer: Ja, ich hatte einen Mexiko-Urlaub geplant und nirgendwo im Netz passende und unabhängige Hotelbewertungen gefunden. So ist dann Tripadvisor entstanden.

mm: Wann war Ihnen klar, dass Sie mit Tripadvisor an etwas Großem arbeiten?

Kaufer: Wir sind in den ersten Jahren durch harte Zeiten gegangen, in denen nicht einmal sicher war, dass unser Start-up überhaupt überlebt, geschweige denn, dass einmal ein großes Unternehmen daraus erwachsen würde. Das Tal der Tränen haben wir dann im Jahr 2002 verlassen. Zwei Jahre später war uns schon aufgrund unserer dramatisch steigenden Wachstumsraten klar, dass wir auch zu einem global erfolgreichen Unternehmen werden können.

mm: Haben Sie schon bei der Gründung gewusst, wo Sie mit Tripadvisor dreizehn Jahre später stehen wollten?

Kaufer: Nein, der Plan hat im Jahr 2002 eine entscheidende Wendung genommen. Bis dahin waren wir eine B2B-Firma, die versucht hat, durch Lizenzen für Technologien und Suchergebnisse Geld zu verdienen. Wir haben uns dann hin zu jener B2C-Firma entwickelt, die wir heute sind. Also ein Unternehmen, das Menschen hilft, eine perfekte Reise zu organisieren. Die Dimensionen haben sich allerdings seither stark verändert. Wir verzeichnen derzeit mehr als 60 Millionen Besucher im Monat. Außerdem sind wir inzwischen sehr fokussiert auf Tablets und Smartphones. Dabei geht es nicht mehr nur um die Planung der Reise von Zuhause aus, sondern darum, was Urlauber tun wollen, wenn sie schon am Reiseziel sind.

mm: Sie haben Tripadvisor 2004 an die Internet-Holding InterActiveCorp verkauft, obwohl Sie langfristige Pläne hatten. Warum?

Kaufer: Ach, das ist so ein bisschen eine philosophische Frage. Wenn jemand bei Ihnen vorbeikommt und Ihnen für Ihr kleines Unternehmen zweihundert Millionen Dollar in bar bietet, was würden Sie da machen? Das Angebot hat das Leben jener verändert, die das Unternehmen gegründet haben, es hat unseren Investoren eine fantastische Rendite beschert. Damals waren alle sehr, sehr glücklich. Wenn wir uns den Unternehmenswert heute anschauen, könnte man allerdings auch sagen: Eigentlich haben wir zu früh verkauft.

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