Dienstag, 25. Juni 2019

Tripadvisor-Gründer Stephen Kaufer "Die Zeit spielt uns in die Karten"

Stephen Kaufer: CEO von Tripadvisor

3. Teil: Google hat einen nicht gerade fairen Vorteil

mm: Sie könnten Ihr Geschäftsmodell technisch leicht auf andere Felder wie den Buchhandel oder Ärzte- und Krankenhausbewertungen ausweiten. Denken Sie auch über solche Märkte nach?

Kaufer: Wir werden uns weiterhin auf den Reisemarkt konzentrieren und nicht beginnen, zum Beispiel Bücher oder Ärzte zu bewerten. Wir haben in unserem Kernmarkt inzwischen mit den Ferienwohnungen eine weitere wichtige Produktkategorie erschlossen. Allein das ist ein Markt, in dem sich hunderte Millionen Dollar verdienen lassen.

mm: Wer sind Ihre wichtigsten Wettbewerber?

Kaufer: Im Kerngeschäft ist sicherlich Google der einzige globale Herausforderer. Google hat in seine Reiseangebote sehr viel investiert und zugekauft. Ihre Reichweite ist dank ihrer Suchmaschine phänomenal. In der Vergangenheit haben sie ihre Suchresultate auch durchaus so beeinflusst, dass eigene Angebote besser gelistet waren. Das wiederum gab ihnen einen nicht gerade fairen Vorteil bei deren Vermarktung. Ich glaube zwar, dass wir das bessere Produkt haben, ich würde Google dennoch nie unterschätzen.

mm: In Deutschland beißen Sie sich am Platzhirschen Holidaycheck die Zähne aus.

Kaufer: Deutschland hat mit Holidaycheck den mit Abstand etabliertesten Wettbewerber in einem unserer Auslandsmärkte. Sie machen fast dasselbe wie wir. Sie sind ein solides Unternehmen. Aber auch wir wachsen kontinuierlich in Deutschland, wenn wir es bislang auch noch nicht geschafft haben, die Nummer eins zu werden.

mm: Bewerten Deutsche eigentlich anders als beispielsweise Amerikaner?

Kaufer: Als wir angefangen haben, waren wir uns sicher, dass Menschen aus bestimmten Nationen grundlegend verschieden bewerten würden. Wir dachten, Briten würden sich viel beschweren, Amerikaner alles toll finden. Wir haben aber herausgefunden, dass dies nicht zutrifft. Was man bestenfalls sagen kann, ist, dass Amerikaner große Zimmer bevorzugen. Es hat sich auch herausgestellt, dass Briten mit höherer Wahrscheinlichkeit eine Bewertung schreiben als Deutsche.

mm: Sie haben einmal gesagt, sie werden solange CEO von Tripadvisor bleiben, bis Sie die Nummer eins in allen Auslandsmärkten sind. In China, Russland und Deutschland sieht es da eher nach einem langfristigen Engagement aus.

Kaufer: Das hört sich ja fast so an, als legten Sie mir nahe, mein Amt niederzulegen.

mm: Im Gegenteil. Es sieht ja gerade danach aus, als wenn Sie noch viel Arbeit vor sich haben.

Kaufer: China, wo die Dynamik eine andere ist als im Rest der Welt, wird wohl langfristig einer der härtesten Märkte für Tripadvisor sein. Selbst Google ist dort nicht Marktführer für Suchmaschinen. Unser Netzwerk wird aber immer größer. Und es ist ja so, dass die Nutzer dort nach Reiseinformationen suchen, wo sie die meisten und besten bekommen. Ich würde also sagen, die Zeit spielt uns in die Karten.

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