Sonntag, 31. Mai 2020

Frauen in der IT-Branche Viva Web-Women

Zukunftsmodell IT-Branche: Wo Frauen gründen, sind Führungspositionen meist gleich auf Männer wie Frauen verteilt.

Während Deutschland über eine Frauenquote streitet, macht sich in der IT-Branche eine neue Generation Frauen auf, sich eine gleichberechtigte Arbeitswelt selbst aufzubauen. Die Web-Women in Deutschland gründen, vernetzen sich und führen - und sind Vorbild für die deutsche Wirtschaft.

Hamburg - Die Zahlen sind zunächst entmutigend: Lediglich drei Prozent aller Startups in der Tech-Metropole Berlin werden schätzungsweise von Frauen gegründet, die deutsche Web-Branche wird von Männern dominiert. Und doch ist Statistik nicht alles. Denn umso erstaunlicher ist es, was ausgerechnet die Web-Women für das Vorankommen aller Frauen in der deutschen Wirtschaft derzeit leisten.

Zum Beispiel bei Xyo, eines der jungen, von Frauen gegründeten Internet-Unternehmen, denen das manager magazin in seiner aktuellen Ausgabe eine ausführliche Reportage widmet. Gründerin Zoe Adamovicz will mit ihrer Software-Firma von Berlin aus das neue Google für die Suche in den Weiten des App-Universums aufbauen.

Wie selbstverständlich hat sie in ihrer jungen Firma genauso viele Frauen eingestellt wie Männer, die weiblichen Angestellten sind zudem allesamt Computer-Spezialistinnen oder Daten-Analytikerinnen. Mögen sie oben in den Konzernen ewig klagen, es gebe nicht genügend weibliche Top-Talente, aus denen die Wirtschaft schöpfen könnte. Adamovicz macht es einfach - und beweist, dass es selbst in der weltweit vom Fachkräftemangel gebeutelten IT-Industrie geht - wenn man nur will.

Web-Branche: Frauen gründen, führen und vernetzen sich

Und Adamovicz ist keine Ausnahme, sie ist die Regel: Wo Frauen gründen, das habe ich bei meinen Besuchen im Werk-Raum der deutschen Web-Wirtschaft erfahren, sind die, zugegeben noch wenigen, Führungspositionen meist gleich auf Männer wie Frauen verteilt. Und gilt es einen neuen Job zu besetzen, erhält ihn derjenige, der besser qualifiziert ist - oft sind das Frauen. So kommt es, dass in manchen dieser jungen Firmen schon mehr Frauen arbeiten als Männer: ein wirklich ungewohnter Blick in einem Land, in dem es noch keine einzige Frau bis an die Spitze eines Dax-Konzerns geschafft hat.

Die Arbeitsverhältnisse in diesen Start-ups spiegeln dabei aber längst die Realität wieder: Der Anteil an sehr gut ausgebildeten Frauen eines jeden Hochschuljahrgangs ist in vielen Branchen bereits größer als der der Männer. In einer Welt wie der Web-Branche, die sich ohnehin schneller dreht als anderswo, preschen die Frauen so ganz selbstverständlich voran. Sie gründen, führen, sie vernetzen sich - und sie werden immer mehr.

Das ist ein ermutigendes Zeichen. Denn in der Old Economy wird immer noch zu viel lamentiert, warum es nicht gehen soll, dass mehr Frauen schneller beruflich vorankommen. Eine Quote für Vorstände, die Tempo ins starre Verharren bringen könnte, wird es in Deutschland auf absehbare Zeit wohl leider nicht geben.

Gut zu wissen, dass sich eine neue Generation Frauen gerade aufmacht, sich die gleichberechtigte Arbeitswelt selbst aufzubauen. Es wäre schön, wenn die gesamte deutsche Wirtschaft am Ende dadurch doch noch zunehmend verweiblichte.

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