Donnerstag, 9. April 2020

Software AG "Wir dürfen nicht auf uns selbst Rücksicht nehmen"

Schätzt die Industrienähe des Standorts Deutschland: Karl-Heinz Streibich, Chef der Darmstädter Software AG

Karl-Heinz Streibich lenkt seit zehn Jahren die Geschicke der Software AG, des nach SAP zweitgrößten deutschen Softwarekonzerns. Im Gespräch erklärt er, warum sein Unternehmen vom US-Markt abhängt - und wie die Software AG mit Trends wie Cloud Computing und Big Data umgeht.

mm: Herr Streibich, fangen wir mit den guten Nachrichten an. In Ihrem Kerngeschäft, der IT-gesteuerten Verwaltung und Analyse von Geschäftsprozessen, läuft es rund. Sie wachsen schneller als der Markt. Macht Ihnen die konjunkturelle Eintrübung nichts aus?

Streibich: Wir gehen davon aus, dass wir in unserem Kernbereich Business Process Excellence (BPE) in diesem Jahr um 16 bis 22 Prozent wachsen. Zwar wird dieses Geschäft von der konjunkturellen Situation beeinflusst. Wir verfolgen aber einen Ansatz, der Unternehmen sowohl im Aufschwung wie im Abschwung einen Mehrwert bringt. Außerdem sind wir in mehr als 70 Ländern präsent, weshalb wir nicht so abhängig von einzelnen Länderkonjunkturen sind.

mm: Die größten Umsätze machen Sie nicht mehr in Europa, sondern in den USA.

Streibich: Ja, in der Region Americas, zu der wir Nord-, Mittel- und Südamerika zählen, erwirtschaften wir mittlerweile 48 Prozent unserer Produkterlöse.

mm: Trotzdem waren sie lange nicht glücklich mit dem Nordamerikageschäft. Im Sommer 2012 haben Sie Ihren US-Chef ausgetauscht. Sind Sie mit den Ergebnissen seither zufriedener?

Streibich: Wir haben mit unserem USA-Chef ein exzellentes zweites Halbjahr 2012 in Nordamerika gehabt. Das erste Quartal 2013 war insgesamt auch wegen des Budget-Streits in den USA schwieriger - auch bei unseren Wettbewerbern. Wir sind aber guter Dinge, was die Entwicklung in den USA angeht.

mm: Sie haben auch mehrere Topmanager ins Silicon Valley geschickt. Was macht den US-Markt so bedeutsam?

Streibich: In den USA werden neue Technologien schon sehr früh im Innovationszyklus angewendet. Es ist wichtig, dass wir solche Innovationen mitkriegen, um sie aufzugreifen und global weiterzutreiben. Die USA sind daher nicht nur als Absatzmarkt für uns bedeutend, sondern auch als Impulsgeber für unsere Produktinnovationen. Deshalb ist heute unser Chief Marketing Officer dort, ebenso wie der Chef unserer Abteilung Mergers and Acquisitions sowie unser CEO von Terracotta...

mm: ...einem Anbieter von In-Memory-Datenbanksoftware zur schnellen Analyse großer Datenmengen, den Sie 2011 übernommen haben.

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