Mittwoch, 26. Februar 2020

Software AG "Wir dürfen nicht auf uns selbst Rücksicht nehmen"

Schätzt die Industrienähe des Standorts Deutschland: Karl-Heinz Streibich, Chef der Darmstädter Software AG

3. Teil: Angelsächsische Wachstumsinvestoren sind zufrieden

mm: Sie haben 2012 unterm Strich konzernübergreifend nur in Deutschland Stellen gestrichen. Ist das eine Entwicklung, die sich fortsetzen wird?

Streibich: Die Stellenstreichungen haben ausschließlich mit dem SAP-Beratungsgeschäft zu tun. Im Kernproduktgeschäft sind wir gewachsen und haben Leute eingestellt.

mm: Das SAP-Beratungsgeschäft ist 2009 durch die Akquisition des deutschen Wettbewerbers IDS Scheer mit übernommen worden. Seither schreibt die Konzerneinheit rote Zahlen und ist - auch durch Teilverkäufe des Auslandsgeschäfts - kräftig geschrumpft. Wie geht es weiter?

Streibich: IDS Scheer umfasste nicht nur Consulting, sondern auch das für uns strategisch wichtige Produkt Aris, einer Software für die Prozessplanung und -analyse. Aris perfektioniert Geschäftsprozesse und ist erfolgreich in unser Portfolio integriert. Wir sind heute Weltmarktführer bei Business Process Excellence.

mm: Aber wie geht es mit dem Beratungsgeschäft weiter?

Streibich: Der Service-Bereich von IDS Scheer war bislang vor allem die Implementierung von Software der SAP. Die SAP-Implementierung wird auch stark durch Off-Shoring getrieben, beispielsweise aus Ländern wie Indien. Wesentliche Akteure auf diesem Feld sind große Konzerne wie Accenture und IBM. Deshalb entwickeln wir die Beratung weiter. Wir konzentrieren uns nun auf Prozessoptimierung im Umfeld von SAP-Anwendungen - vor allem im deutschsprachigen Raum. Wir haben somit den Turnaround geschafft.

mm: Werden Sie 2013 die erhoffte schwarze Null schreiben?

Streibich: Ja, wir werden dieses Jahr die schwarze Null erreichen.

mm: Sie investieren im Kerngeschäft seit vergangenem Jahr verstärkt in den Vertrieb und damit in organisches Wachstum und Marktanteilsausbau. Dass Aktionären diese Strategie nicht gefällt, macht Ihnen dank Ihres Ankerinvestors keine Sorgen?

Streibich: Dass die Software AG Stiftung knapp 30 Prozent unserer Aktien hält, schützt uns vor feindlichen Übernahmen und hilft uns auf Kontinuität, Planbarkeit und Nachhaltigkeit zu setzen. Wir haben übrigens festgestellt, dass unsere Strategie vor allem angelsächsischen Wachstumsinvestoren gefällt. Anderen Investoren, die ausschließlich auf die quartalsweise Profitabilität achten hingegen weniger. Es wäre wünschenswert, wenn wir hierzulande mehr langfristig orientierte Investoren hätten. Denn ohne sie werden Firmen wie Facebook, Amazon oder Google nie in Deutschland entstehen.

mm: Vor Investoren sprechen Sie immer wieder von den "Four Forces", also den vier Kräften, die den Wandel der IT-Landschaft und das Geschäft der Software AG prägen werden. Welche Trends meinen Sie?

Streibich: Die vier Technologietrends heißen Big Data Cloud, Mobile und Social Collaboration. Diese Fundamentaltrends treffen derzeit gleichzeitig aufeinander. Das wiederum ist ein Glücksfall für Konsumenten ebenso wie für Anbieter. Die IT stand zwar schon vor Jahren für Datenverarbeitung. Aber jetzt findet diese Datenverarbeitung erst wirklich statt - in Echtzeit. Man kann Massendaten in Echtzeit analysieren, daraus Schlüsse ziehen und sie weiterverarbeiten. Das ist möglich geworden, weil beispielsweise die Speicherpreise im Vergleich zu vor 25 bis 30 Jahren um den Faktor eine Million günstiger geworden sind. Gleichzeitig ist die Rechnerleistung um ähnliche Größenordnungen gewachsen. Schließlich ist die Bandbreite in den Netzen inzwischen groß genug, um im Internet Massen von Daten zu transferieren.

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