Montag, 24. Februar 2020

Software AG "Wir dürfen nicht auf uns selbst Rücksicht nehmen"

Schätzt die Industrienähe des Standorts Deutschland: Karl-Heinz Streibich, Chef der Darmstädter Software AG

2. Teil: Tausendmal schneller als klassische Datenbanken

mm: Derzeit ist Terracotta Ihre größte Wachstumsstory. Dabei hatten Sie Terracotta eigentlich nur für interne Produktverbesserung akquiriert.

Streibich: Nicht ganz. Wir haben die Firma aus zwei Gründen gekauft. Erstens haben wir die In-Memory-Technik für unsere eigenen Produkte gebraucht, die wir, wie man so schön sagt, "in-memory-enabled" haben. Zweitens ist das Produktportfolio von Terracotta für sich genommen sehr attraktiv im Big-Data-Umfeld. Denn dieses ermöglicht den Zugriff auf direkt im Hauptspeicher vorgehaltene Daten, was den Datenzugriff bis zu tausendmal schneller macht als über klassische Datenbanken.

mm: Einen Schub hat das Thema Big Data vor allem durch die von SAP entwickelte In-Memory-Datenbank Hana erfahren. Die Software AG hat auf der diesjährigen Cebit ein Hana-Pendant namens In-Genius vorgestellt. Worin unterscheidet sich Ihr Produkt von dem der Walldorfer?

Streibich: Hana hat das Ziel, die SAP-Welt effizienter zu machen. Deren Datenbanktechnologie arbeitet auf Grundlage der eigenen SAP-Software. Wir hingegen fokussieren uns auf die Java-Welt...

mm: ...also eine plattformunabhängige Technologie. Was genau bringt In-Genius Ihren Kunden?

Streibich: Mit unserer In-Memory-Technologie ist es zum Beispiel möglich, bei Online-Bezahlsystemen Betrügereien sehr viel schneller festzustellen, und zwar noch bevor die Zahlung vollendet wird. Ein anderes Beispiel sind Kundenanfragen über das Internet. In-Memory-Datenbanken können helfen, diese abzupuffern, indem die Massendaten direkt, also in-memory verarbeitet und am Ende nur die relevanten Kundenanfragen an die internen Firmensysteme weitergeleitet werden. Das teure und langsame Medium Datenbank mit Festplatte wird so seltener gebraucht.

mm: Damit arbeiten Sie auch an der Abschaffung Ihres einstigen Brot- und Buttergeschäfts, dem Management klassischer Datenbanken und Großrechner.

Streibich: Weshalb wir frühzeitig begonnen, den Geschäftsbereich Business Process Excellence aufzubauen, der heute bereits mehr als die Hälfte unseres gesamten Umsatzes ausmacht. Wir dürfen also nicht auf uns selbst Rücksicht nehmen, sondern es gilt rechtzeitig neue Wachstumsfelder zu identifizieren.

mm: In diesem Jahr rechnen Sie mit einem Umsatzrückgang im traditionellen Geschäfts mit Hochleistungsdatenbanken - dem Bereich Enterprise Transaction Systems (ETS) - von 4 bis 9 Prozent. Wird es in den kommenden Jahren so weitergehen?

Streibich: Rückläufig ist wesentlich nur das Lizenzgeschäft. Das Wartungsgeschäft mit Bestandskunden hingegen ist weiterhin relativ stabil. Unsere Produkte stellen für viele Kunde eine wichtige Schlüsseltechnologie dar. Deshalb wird dieses Geschäft für uns noch lange sehr profitabel sein.

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