Donnerstag, 19. September 2019

Interne soziale Netzwerke Wie Facebook ohne Katzen

Soziale Netzwerke: Unternehmen wie die Allianz setzen auf eigene Systeme für ihre Mitarbeiter

3. Teil: Ständige Kontrolle der Mitarbeiter?

Das Netzwerk der Allianz baut auf Jive auf, die Anpassungen durch die IT-Tochter Metafinanz an die Bedürfnisse der Versicherung nahmen rund drei Monate in Anspruch. Danach folgte eine mehrmonatige Pilotphase mit 500 Teilnehmern. Insgesamt ließ sich die Allianz diese Phase rund 100.000 Euro kosten. Seit Anfang des Jahres ist ASN nun online. Das ASN bietet ähnliche Funktionen wie Twitter oder Facebook: Mitarbeiter können ihren Status aktualisieren, Gruppen bilden, Kollegen einladen, Umfragen starten oder die Wiki-Funktion nutzen. Heute sind etwa 5.000 Mitarbeiter miteinander vernetzt. Schrittweise soll die Zahl der Teilnehmer steigen.

Langfristig sollen alle Mitarbeiter eingebunden werden: "In der Vernetzung liegt der große Mehrwert", sagt Allianz-Projektleiter Wegscheider. Gruppendiskussionen und Ideenwettbewerbe würden schon jetzt intensiv genutzt.

Geräuschlos ging die Einführung des ASN jedoch nicht über die Bühne. Betriebsrat und Gewerkschafter zeigten sich skeptisch und befürchteten, die Allianz könne das ASN als Kontrollinstrument nutzen und die Mitarbeiter überwachen. Im Dezember 2012 schlossen Betriebsrat und Konzernführung eine Betriebsvereinbarung. Darin einigten sich beide Seiten, dass eine systematische Mitarbeiterkontrolle nicht stattfinden dürfe.

2 Prozent Small-Talk am Tag

Gleichwohl ist anonymes Surfen im ASN nicht möglich, alle öffentlichen Aktivitäten sind sichtbar. Unternehmen würden sich allerdings keinen Gefallen tun, wenn sie solche Systeme systematisch zur Überwachung ihrer Mitarbeiter nutzen. Das sei auch gar nicht Sinn und Zweck, sagt Social-Media-Experte Dörner: Interne soziale Netzwerke müssten ein natürliches Arbeits- und Kommunikationsinstrument für die Mitarbeiter sein. "Wenn diese primär zur Überwachung eingesetzt werden, werden sie schlicht nicht genutzt."

Auch die Allianz sorgte sich vor der Einführung, ob ein internes Netzwerk nicht die Mitarbeiter dazu verleiten könnte, zu viel Zeit für privaten Austausch unter Kollegen zu stecken. Das war offenbar unbegründet: Erhebungen aus der Pilotphase zeigten, dass der Anteil nicht-berufsbezogener Kommunikation nur bei rund 2 Prozent lag. Aktuelle Stichproben der Gruppen und ihrer Schwerpunktthemen zeigen, dass die Zahl aktuell noch darunter liege, sagt Wegscheider. Das sei unproblematisch, diese informelle Kommunikation gehöre zu einer funktionierenden internen Öffentlichkeit.

Eine Online-Gruppe für Katzenfreunde bei der Allianz dürfte es dennoch nicht allzu bald im ASN geben. Dazu stehen den Mitarbeitern aber auch andere Möglichkeiten offen: Facebook und Co. bleiben den Allianz-Mitarbeitern auch nach der Einführung des ASN während der Arbeitszeit erlaubt.

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