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Cloud-Dienste: Praktische Helfer im Netz

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Evernote, Dropbox & Co. Die Krux mit der Kiste

Sie sind praktisch, überall verfügbar und unschlagbar günstig - Datenspeicher wie Dropbox, Evernote oder Google Drive sind für viele aus dem Berufsalltag kaum noch wegzudenken. Die damit verbundenen Gefahren werden von den Nutzern aber oft übersehen.

Hamburg - Der Gau ereilte Evernote-Chef Phil Libin Anfang März 2013. Die Reaktion kam schnell und klar: Per Blog informierte der Cloud-Dienst seine rund 50 Millionen Kunden davon, dass sich Unbekannte Zugang zu persönlichen Daten und Passworten des Notizdienstes verschafft hätten. Sämtliche Passwörter wurden zurückgesetzt.

Zwar kündigte der Dienst, mit Hilfe dessen Nutzer Dokumente und Bilder lagern und diese ortsunabhängig nutzen können, umgehend eine deutliche Verstärkung seiner Sicherheitsvorkehrungen an. Ganz von dem Schlag erholt hat sich das Unternehmen aus dem kalifornischen Redwood - was die Nutzerzahlen angeht - bis heute aber noch nicht.

Doch es geht wieder aufwärts - auch Dank Aktionen wie in Deutschland, wo Telekom-Kunden das Premiumangebot der Kalifornier aktuell für ein Jahr kostenlos nutzen können. Das Geschäft läuft: Rund 50 Millionen Dollar will Libin mit seinen Diensten, die mittlerweile auch auf Auto-Bordcomputern oder bei Google-Glasses integriert sind, im laufenden Jahr einnehmen.

Und Libin steht mit Evernote nicht allein. Auch Google , Microsoft , Apple  und Start-ups wie Dropbox oder Fileee bieten längst Dienste an, mit denen Kunden einzeln oder als Team von zu Hause oder unterwegs Daten bearbeiten, archivieren und durchsuchen können. Der Basiszugang ist meist gratis, intensive Nutzung dann aber kostenpflicht.

Und das Geschäft boomt: Alleine Dropbox nutzen laut aktuellen Zahlen weltweit mehr als 100 Millionen Menschen, die am Tag mehr als eine Milliarde Dateien speichern. Und stetig kommen neue Anbieter mit immer neuen Leistungen dazu.

Auch in Deutschland werden diese Dienste immer populärer. Fast jeder zweite Internetnutzer hierzulande, so eine Untersuchung der Nürnberger Gesellschaft für Konsumforschung (Gfk), nutzt bereits Speicherplattformen im Internet. Und das längst nicht mehr nur, um sich private Dokumente und Fotoalben vor dem Verlust sichern.

Ahnungslose Nutzer

Auch fürs Geschäftliche wissen immer mehr Menschen, die komfortablen Cloud-Angebote zu nutzen, weiß Christian Schaaf von der Sicherheitsberatung Corporate Trust. "Viele nutzen es weil es schnell geht und unkompliziert ist" - auch ohne Wissen der IT-Abteilung.Soziale Firmennetzwerke, wie sie Yammer oder Chatter, die ebenfalls die teamübergreifende Arbeit an Dokumenten ermöglichen sind gerade bei kleineren Unternehmen noch die Ausnahme.

Doch nach Ansicht von Sicherheitsexperten wie Schaaf oder Sebastian Barchnicki vom Institut für Internet-Sicherheit an der Westfälischen Hochschule in Gelsenkirchen sind sich viele Nutzer nicht darüber bewusst, was mit den Daten passiert, die sie in diesen Dienste verlagern - und wie sie gesichert sind.

"Vielen ist gar nicht klar, dass die Daten gespiegelt und möglicherweise über den Globus verteilt werden", ist Barchnicki überzeugt. "Und wie viele Menschen möglicherweise Zugriff darauf haben." Das "ist, als ob man einen Aktenschrank gefüllt mit Akten in den Hinterhof stellt und draufschreibt: Nicht lesen!"

Denn auch wenn sich viele Dienste schon im eigenen Interesse um Sicherheit bemühen und die Auslagerung einiger Services in die Cloud gerade für kleinere Unternehmen teilweise sogar ein Zugewinn an Sicherheit bedeuten kann, sollten sich Unternehmen genau überlegen, welche Daten in Dienste wie Dropbox oder Evernote verfügbar gemacht werden dürfen.

Leichtes Spiel für Hacker

Gründe für die Vorsicht gibt es viele: So bieten Cloud-Dienste wie Dropbox, Skydrive oder Evernote nach Ansicht von Jason Straight vom US-Sicherheitsdienstleister Kroll "nie dagewesene Möglichkeiten" für Datendiebstahl. Und zwar ohne dass sich die Hacker überhaupt in irgendwelche Formennetzwerke einhacken müssen.

Und auch mögliche Datenverluste sind nicht ausgeschlossen. Dass dies tatsächlich denkbar ist, zeigten diverse Ausfälle bei den Cloud-Diensten von Amazon  - zuletzt im Dezember 2012, auf die auch Dienste wie Dropbox oder Evernote zurückgreifen. Dabei gingen auch schon mal Daten verloren. Oder es wurden welche gelöscht, weil die Algorithmen sie als möglicherweise illegale oder pornografisch einstuften.

Knackpunkt AGBs

Und auch was die Allgemeinen Geschäftsbedingungen angeht, sind die Nutzer dem Betreiber völlig ausgeliefert. Schließlich können diese ihre AGBs nach Belieben ändern, die Datenschutzbestimmungen können sich ändern oder nationale Behörden Zugriff darauf verlangen. "Dann die Daten da wieder rauszuholen kann ziemlich problematisch sein", sagt Schaaf.

Ein Verbot, die Dienste zu nutzen, halten die Experten jedoch für den falschen Weg - auch weil sie für die Nutzer durchaus Vorteile bieten. Doch den Beschäftigten müsse klar sein, was mit ihren Daten in den Cloud-Diensten passiert - und welche Daten in solchen Diensten bearbeitet werden dürfen und welche nicht. "Hochsensible Firmendaten sind in solchen Cloud-Diensten zudem unverschlüsselt sicher nicht gut aufgehoben", sagt Schaaf

Doch eine klare Definition dessen, was sensibles Firmen-Know-How ist und was nicht, ist in vielen Unternehmen Fehlanzeige. "Mitarbeiter wissen oft nicht, welches Unternehmens-Know-How als kritisch erachtet wird und welches nicht. Das ist eine offene Flanke bei vielen Unternehmen", sagt Schaaf. "Da ist eine klare Ansage nötig, was in Dienste wie Dropbox rein kann und was nicht." Zudem sei es prinzipiell im besser, in der Cloud gespeicherte Daten zu verschlüsseln.

Für alle sensibleren Daten rät Sicherheitsexperte Schaaf, sich im Zweifel eher für einen deutschen Speicherort zu entscheiden. Nicht nur, um sie auch vor dem Zugriff ausländischer Behörden zu schützen. "Auch die Wahrscheinlichkeit, dass ausländische Geheimdienste sich darauf Zugang verschaffen können, sinkt so erheblich."

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