Mittwoch, 26. Juni 2019

Amazon-Technikchef Werner Vogels "Amazon war immer schon ein Technologiekonzern"

Amazon-Technikchef Werner Vogels: Der Niederländer gehört zu den wichtigsten Köpfen des Cloud Computings

2. Teil: Geschäftsmodell wie beim Kindle

mm: Ist Amazon für Sie ein Handelskonzern oder ein Technologiekonzern?

Vogels: Amazon war immer schon ein Technologiekonzern, was für Außenstehende erst einmal nicht ersichtlich ist. Dass dieses Wahrnehmung so ist, wie sie ist, stört uns nicht. Denn die meisten Menschen nutzen Amazon ja, um einzukaufen. Und es ist gut so, dass diese Menschen gar nicht erst darüber nachdenken müssen, dass Amazon ein Technologieunternehmen ist. Einfach deshalb, weil alles ganz natürlich funktioniert wie es soll. Seit wir allerdings das Cloud-Service-Geschäft betreiben, werden wir natürlich immer stärker auch als einer der großen Hightech-Konzerne wahrgenommen.

mm: 2006 haben Sie das Cloud-Geschäft gestartet. Seitdem gibt es vor allem eines, auf das sich Ihre Kunden verlassen können: Die nächste Preissenkung folgt bestimmt. In den vergangenen sieben Jahren haben Sie mehr als zwanzig Mal die Preise gesenkt.

Vogels: 31 Mal, um genau zu sein. Und diese Kostenreduktionen sind substanziell. Einige unserer Kunden haben im vergangenen Jahr bis zu 40 Prozent an Speicherkosten eingespart.

mm: Ihr Geschäftsmodell basiert auf Masse, also auf Skalenerträgen.

Vogels: Ja, aber das ist nur ein Aspekt, mit dem wir uns abheben wollen. Hinzu kommt die Flexibilität: das heißt, Kunden können bei uns alle Technologien nutzen, sei es Linux, Microsoft, Oracle oder SAP. Wir zwingen unsere Kunden auch nicht, mehrjährige Verträge abzuschließen, um die günstigsten Konditionen zu bekommen. Drittens legen wir einen Fokus auf schnelle, nutzerorientierte Innovationen. Wir machen das meist so, dass wir einen Service mit begrenztem Funktionsumfang vorstellen, so dass dieser Service erst einmal robust läuft. Unsere Nutzer können uns dann ihr Feedback geben, in welche Richtung wir den Service weiterentwickeln sollen.

mm: Amazon-Chef Jeff Bezos hat das Geschäftsmodell hinter AWS jüngst mit dem Geschäftsmodell verglichen, das hinter Amazons Kindle Fire steckt, dem zu Kampfpreisen in den Markt gedrückten Tablet des Konzerns. Das müssen Sie uns erklären.

Vogels: Wenn Sie den Kindle Fire kaufen und danach in Ihre Schreibtischschublade legen und nicht mehr benutzen, dann verdient Amazon kein Geld mit diesem Gerät. Wir sind eben kein Elektronikhersteller, sondern wir verdienen am Verkauf von Inhalten. Auf das Cloud-Angebot von Amazon übertragen heißt das, wir verdienen nur Geld, wenn die AWS-Kunden unser Infrastrukturangebot nutzen.

mm: Den Kindle gibt der Online-Händler Amazon zum Herstellpreis weg, Geld verdienen Sie mit elektronischen Büchern, Musik und Filmen. Was aber sind elektronische Bücher, Musik und Filme in Bezug auf das Cloud-Angebot von Amazon?

Vogels: In der Welt des Cloud-Business gilt: Wer erfolgreich ist, nutzt unser Angebot stärker. Und wer unser Angebot stärker nutzt, dessen Rechnung steigt.

mm: Das heißt, dass Sie - anders als beim Kindle - von vornherein mit Cloud-Produkten Geld verdienen?

Vogels: Das heißt, wir verdienen nur, wenn unsere Kunden die Plattform nutzen.

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