Sonntag, 21. April 2019

Telekom-Tarife Schnelles Internet soll 10 bis 20 Euro mehr kosten

Schnelles Internet? Die Telekom trifft mit ihren Plänen für Daten-Obergrenzen im Festnetz auf massive Kritik

Unbeirrt von der Kunden-Wut will die Deutsche Telekom ihre DSL-Anschlüsse drosseln. Nur wer etwa 10 oder 20 Euro mehr im Monat bezahle, werde die hohe Geschwindigkeit behalten, sagte jetzt Konzernchef Rene Obermann. Der Deutschland-Chef verstieg sich zu einem gewagten Vergleich.

Frankfurt am Main - Die Deutschen Telekom treibt angesichts mauer Geschäfte im ersten Quartal die umstrittenen Pläne für die Drosselung ihrer DSL-Anschlüsse voran. "Aus heutiger Sicht werden wir die Preise für Internet-Vielnutzer um 10 bis 20 Euro im Monat erhöhen", sagte Konzernchef Rene Obermann am Mittwoch.

Der Aufschlag, der noch nicht endgültig festgelegt ist, werde frühestens 2016 fällig und treffe nur wenige Prozent der DSL-Kunden. Positiver Effekt sei, dass damit die Monatsgebühren für die Normal-Internetnutzer - also 97 Prozent der Kunden - stabil bleiben dürften. "Das ist ein richtiges Ziel, zu dem wir stehen und das vernünftig ist, um unsere extrem hohen Investitionen etwas besser finanzierbar zu machen."

Der Dax-Konzern Börsen-Chart zeigen steht vor einem der größten Ausbaupläne seiner Geschichte und nimmt in den nächsten Jahren allein in Deutschland sechs Milliarden Euro in die Hand, um seine Datenleitungen aufzubohren. Bestehende DSL-Anschlüsse sollen dank einer neuen Technologie doppelt so fix werden, und gleichzeitig verbuddelt die Telekom - wenn auch gemächlich - immer mehr Glasfasern. "Das ist langfristig im Sinne aller Kunden", verteidigt Obermann den Schritt.

Die Telekom erntete nach der Ankündigung der Pläne vor einigen Wochen heftige Kritik von Internet-Aktivisten, Kunden und Politikern. "Es war uns klar, dass das nicht überall positiv ankommt", sagte Deutschland-Chef Niek Jan van Damme.

Die Bonner sind auf dem Markt für Breitbandverbindungen Platzhirsch - etwa jeder zweite Internetanschluss in Deutschland läuft über die Telekom. Deshalb hat die öffentliche Diskussion solch eine Wucht entwickelt. Van Damme verglich die Telekom indirekt mit einem Wasserwerk, um die Einführung der Tarife zu rechtfertigen: "Jeder, der den Wasserhahn laufen lässt, muss auch dafür zahlen."

nis/rtr

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