Donnerstag, 17. Oktober 2019

Datenbremse der Telekom Obermanns Internet-Revolution durch die Hintertür

René Obermann: Der Telekom-Chef ist Zielscheibe für Spott und Häme

2. Teil: Das Dilemma der Telekom

Wohl kaum. Obermanns Pläne dürften noch weit darüber hinausgehen. Denn die Telekom steckt in einem Dilemma: Einerseits soll sie kräftig in den Ausbau der Datenleitungen investieren, weil zum Beispiel Video- und Musik-Streaming-Dienste und Cloud-Services - Programme, die im Internet statt auf dem Rechner laufen - immer schnellere Leitungen benötigen. Rund 80 Milliarden Euro würde laut Telekom der bundesweite Ausbau eines schnellen Glasfasernetzes verschlingen.

Nur würden die Bonner davon kaum profitieren, denn die Gewinne streichen die Content-Anbieter wie Apple oder Google ein. Und von denen sieht die Telekom bislang keinen Cent. "Mit der Datenbremse versucht die Telekom Geld von den Kunden einzufordern, das sie von Content-Anbietern nicht bekommt", sagt Commerzbank-Analystin Pauls.

Obermann verhandelt mit Content-Anbietern

Hinter Obermanns Daten-Diät steckt aber noch viel mehr. Der Clou aus Sicht des Konzerns: Sogenannte Managed Services wie beispielsweise die konzerneigene TV- und Videoplattform "Entertain" sind aus dem Datenvolumen ausgeklammert. So etwas gibt es in Mobilfunkverträgen bei der Nutzung des Musikdienstes Spotify schon länger. Politiker aller Couleur, Verbraucherschützer und auch die Bundesnetzagentur befürchten dadurch die Abschaffung der Netzneutralität, also dass alle Angebote mit gleichem Tempo ohne Vorfahrtsregeln durch das Netz geleitet werden. Für sie wäre das eine Revolution des Internets durch die Hintertür, allerdings zum Schlechten.

Auch andere Content-Anbieter könnten Managed Services buchen, natürlich gegen Geld. Spotify bezahlt für die Kooperation im Mobilfunk. Die Telekom will nun auch für die DSL-Anschlüsse Verhandlungen führen. Es wäre eine willkommene neue Einnahmequelle. Anbieter, die sich die unbegrenzte Durchleitung nicht leisten können, haben das Nachsehen. "Die Gefahr steigt, dass die Vielfalt sinkt und dass es neue Entwicklungen schwerer haben, sich am Markt durchzusetzen", konstatiert Grünen-Abgeordneter Spitz in einem Gastbeitrag für "Zeit Online".

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