Andrew Mason Groupon-Chef nach Kursverlust gefeuert

Erst ging der Aktienkurs in den Keller, dann ging der Chef: Nach einem der schwärzesten Tage in der Geschichte des Schnäppchenportals Groupon muss Mitgründer und Firmenlenker Andrew Mason seinen Stuhl räumen. In seiner Abschiedsmitteilung zeigte er noch einmal Humor.
Groupon-Logo im Hauptquartier in Chicago:

Groupon-Logo im Hauptquartier in Chicago:

Foto: Scott Olson/ Getty Images

New York - 67 Millionen Dollar Verlust in 2012 und kaum Aussichten auf durchgrifende besserung im laufenden Jahr - das war zu viel. Der Aktienkurs des Schnäppchen-Portals Groupon sauste gestern Abend um 24 Prozent in den Keller. Kurz darauf kam dann die Entscheidung: Das Onlineportal wechselt seinen Chef aus. Co-Firmengründer Eric Lefkofsky und Verwaltungsrat Ted Leonsis würden das Amt zunächst gemeinsam übernehmen und Andrew Mason ablösen, teilte der Konzern am Donnerstagabend mit. Mason selbst nahm den Rauswurf nach außen hin gelassen, reagierte sogar mit ein wenig Humor darauf.

"Ich habe entschieden, dass ich mehr Zeit mit meiner Familie verbringen möchte", schrieb er am Nachmittag seinen Mitarbeitern. "Das war nur ein Scherz. Ich wurde heute gefeuert."

Nun ist das junge Unternehmen auf der Suche nach einem neuen Konzernchef, der das Geschäft wieder ankurbeln kann. Übergangsweise übernehmen Mitgründer und Verwaltungsratschef Eric Lefkofsky sowie sein Stellvertreter Ted Leonsis das Kommando. "Ich möchte Andrew für seine Führungsqualitäten, seine Kreativität und seine große Loyalität zu Groupon danken", erklärte Lefkofsky.

Der Abgang kommt allerdings nicht überraschend, am wenigsten wohl für Mason selbst. Immer wieder war seine Ablösung von Kritikern gefordert worden. Sie sprachen ihm die Fähigkeit ab, ein Unternehmen mit einem Milliardenumsatz zu führen. Groupon hatte seine Buchführung zuerst nicht im Griff und enttäuschte die Anleger zuletzt immer wieder mit schwachen Geschäftszahlen.

Wegbereiter für weitere Börsengänge

"Als Konzernchef bin ich verantwortlich", schrieb Mason seinen Mitarbeitern in gleichsam ironischen wie nachdenklichen Zeilen. "Ihr vollbringt erstaunliche Dinge bei Groupon und Ihr verdient es, dass die Außenwelt Euch eine zweite Chance gibt", fuhr Mason fort. Er sei da nur hinderlich. "Es ist Zeit, Groupon von dem öffentlichen Getöse zu befreien." Er nehme jetzt erst einmal eine Auszeit.

Nach Bekanntwerden des Mason-Abgangs erholte sich die Aktie nachbörslich wieder um 5 Prozent auf 4,73 Dollar. Das ist aber immer noch weit von den 20 Dollar entfernt, die das Papier beim Börsengang im November 2011 gekostet hatte. Damals galt Groupon noch als Wegbereiter aufs Parkett für andere Internetfirmen, besonders für Facebook .

Der Stern von Groupon an der Börse sank aber rasch. Die Firma hatte die Anleger zuletzt mit der Vorhersage geschockt, dass der Umsatz im laufenden Quartal schlimmstenfalls stagnieren werde. Bislang war Groupon rasant gewachsen und hatte die Zahl der Nutzer bis zum Jahreswechsel auf 41 Millionen hochgeschraubt. Einige Altnutzer sprangen aber schon wieder ab.

Gewerbetreibende können auf dem Portal ihre Rabatt-Coupons anbieten. Groupon erhält beim Kauf durch die Kunden einen Teil der Einnahmen. Dem stehen jedoch hohe Kosten für die Verwaltung sowie die Vermarktung gegenüber. Das hatte immer wieder zu Verlusten bei Groupon geführt.

Schon länger zweifeln Anleger daran, dass das Geschäftsmodell von Groupon überhaupt auf Dauer funktionieren kann. Einige Konkurrenten haben bereits die Segel gestrichen. Amazon  schrieb fast seine gesamte Investition in den Groupon-Rivalen LivingSocial ab.

kst/dpa-afx/rtr
Mehr lesen über