Donnerstag, 14. November 2019

Riesenabschreibungen Fusion der US-Tochter brockt Telekom Milliardenverlust ein

Zentrale der Deutschen Telekom in Bonn: Erster Verlust seit 2002

Es sind die erste roten Jahreszahlen des ehemaligen Staatmonopolisten seit zehn Jahren: Wegen Riesenabschreibungen auf ihre Tochter T-Mobile USA fährt die Deutsche Telekom 2012 einen gigantischen Verlust von 5,3 Milliarden Euro ein. Operativ indes lief es weit besser.

Bonn - Milliardenschwere Abschreibungen auf die Krisentochter T-Mobile USA haben der Deutschen Telekom 2012 den ersten Jahresverlust seit Anfang des Jahrtausends eingebrockt. Für das abgelaufene Jahr stehe unter dem Strich ein Fehlbetrag von 5,3 Milliarden Euro, teilte der Konzern am Donnerstag mit. Vor einem Jahr erzielte die Telekom noch einen Überschuss von 557 Millionen Euro.

Das Riesenminus resultiert aus der geplanten Fusion der amerikanischen Tochtergesellschaft mit dem Rivalen MetroPCS, die vergangenen Oktober bekannt gegeben wurde. In dem Deal wird T-Mobile USA nicht mehr so hoch bewertet wie beim Einstieg der Deutschen Telekom Börsen-Chart zeigen, deshalb müssen 7,4 Milliarden Euro auf den Wert des Tochterunternehmens abgeschrieben werden. Die Sonderbelastung hatte der Telekom bereits die Zwischenbilanz des dritten Quartals verhagelt. Der Konzern will trotz der tiefroten Zahlen weiter investieren. "Der Milliardenfehlbetrag ist nicht das, was er im Namen trägt: Uns fehlen keine Mittel, um die Entwicklung des Konzerns voranzutreiben", sagte Vorstandschef Rene Obermann.

Es sind die ersten roten Jahreszahlen des ehemaligen Staatmonopolisten seit zehn Jahren: 2002 verbuchte die Telekom einen Verlust von 24,6 Milliarden Euro. Es war der größte Fehlbetrag, den ein deutsches Unternehmen bis dahin eingefahren hatte. Schuld waren auch damals Abschreibungen von insgesamt knapp 20 Milliarden Euro, die vor allem auf T-Mobile USA und Mobilfunklizenzen in Großbritannien entfielen.

Die Telekom hatte zuvor die Börseneuphorie der Jahrtausendwende für eine große Einkaufstour genutzt, unterstützt vom Hohenflug der eigenen Aktien, die häufig als Akquisitionswährung dienten. Die Aufräumarbeiten danach dauerten Jahre.

Der Vorstand des 230.000 Mitarbeiter starken Konzerns will trotz des Milliardenverlusts für 2012 wie geplant eine Dividende ausschütten von 70 Cent je Titel zahlen. Das freut vor allem den Bund, der gut 30 Prozent der Aktien hält. Für dieses Jahr wird die Ausschüttung wie bekannt auf 50 Cent je Aktie gekappt. Zu ihrer im Dezember gegebenen Geschäftsprognose steht die Telekom: Bei einem Free Cash Flow von fünf Milliarden Euro soll das bereinigte Betriebsergebnis (Ebitda) 17,4 Milliarden Euro erreichen.

kst/rtr

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