Sonntag, 22. September 2019

Medienbericht 12.000 Telekom-Jobs in Gefahr

Telekom-Messestand auf der Cebit: Mit neuen Produkten wie der Cloud versuchen die Bonner neue Kunden zu gewinnen und den Umsatz pro Kunde zu steigern

Nach dem gescheiterten Verkauf der US-Tochter an AT&T steigt der Kostendruck bei der Deutschen Telekom. Einem Bericht zufolge will der Konzern daher dem Vorbild seiner europäischen Konkurrenten folgen und massiv Stellen streichen.

Bonn - Die Deutsche Telekom erwägt offenbar einen drastischen Stellenabbau. Dabei könnten bis zu 12.000 Arbeitsplätze in Deutschland und den Servicesparten wegfallen, berichtet die Nachrichtenagentur Bloomberg unter Berufung auf zwei mit der Angelegenheit vertraute Personen. Finanzvorstand Timotheus Hoettges will die Axt in der Verwaltung anlegen. Noch sei aber keine Entscheidung getroffen worden.

Die Telekom hat die Berichte dementiert. "Es gibt kein neues Programm zum Abbau von Arbeitsplätzen", sagte ein Konzernsprecher. Bei der Telekom würden seit Jahren Arbeitsplätze sozialverträglich eingespart, an anderer Stelle aber auch wieder neue aufgebaut.

Telekom-Chef René Obermann will am Donnerstagabend Investoren die Strategie für die kommenden Jahre vorstellen. Dabei könnte er erste Hinweise zu geplanten Stellenstreichungen geben. An der Börse sank die T-Aktie Börsen-Chart zeigen in einem ansonsten freundlichen Umfeld um 0,63 Prozent auf 8,57 Euro.

Telekommunikationsbranche unter Druck

Wie andere große Anbieter in Europa auch reagiert die Telekom seit Jahren mit kontinuierlichem Stellenabbau und einer Verschlankung ihrer Prozesse auf den zunehmend härter werdenden Wettbewerb. Bisher blieben ihr aber schlagartige Stellenstreichungen, wie sie France Telecom Börsen-Chart zeigen und Telefonica Börsen-Chart zeigen vorgenommen haben, erspart.

Im vergangenen Jahr hatte der Konzern im Schnitt 240.000 Vollzeitstellen. 2009 waren es noch 258.000 gewesen. Dieses Jahr hatte die Telekom bereits Kürzungen am Hauptsitz eingeleitet. Bis 2015 sollen 1300 Arbeitsplätze wegfallen. Bereits gegen diesen vergleichsweise geringen Abbau hatte es Proteste gegeben.

Telekomkonzerne haben es in Europa erheblich schwerer als in den USA. Während dort der Markt weiter wächst und Telefonierer bereit sind, immer mehr Geld besonders für mobiles Internet auszugeben, liegt der monatliche Durchschnittsumsatz in Europa etwa bei der Hälfte.

Kein Spielraum für hohe Dividende

Angesichts der Schuldenkrise und der schwachen Konjunktur achten die Verbraucher hierzulande mehr auf Preise und wechseln zu Günstiganbietern. Zudem deckeln Regulierer Einnahmequellen wie Preise für SMS, das Weiterleiten von Anrufen ins eigene Netz und Roaminggebühren im Ausland immer weiter ab. Besonders ehemalige Staatsmonopolisten mit teuren Netzen und einer traditionell sehr großen Belegschaft sehen ihre Marge kontinuierlich schrumpfen.

Dabei hat die Telekom sich anders als der Großteil der Konkurrenz noch nicht von ihrem hohen Dividendenniveau verabschiedet. Wie für das vergangene Jahr soll die Ausschüttung für 2012 bei 70 Cent je Aktie liegen. Die Bonner nehmen den freien Barmittelzufluss zum Maßstab, nicht den Überschuss. Um die Dividende zu bezahlen und Aktionäre angesichts sinkender Aktienkurse bei Laune zu halten, greifen sie aber tief in die Reserven.

Hätte Unternehmenschef Obermann wie geplant die amerikanische Mobilfunktochter an AT&T verkaufen dürfen, wären 39 Milliarden Dollar nach Bonn geflossen. Nun, da er die Sparte mit dem US-Anbieter MetroPCS zusammenlegt, muss er noch Geld drauflegen. Spielraum für Dividenden, die den Überschuss übersteigen, bleibt so nicht.

mg/dpa-afx

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