"Farmville"-Erbe Zynga zeigt Nachfolger seines Spielehits

Mit einer Fortsetzung seiner Bauernhofsimulation "Farmville" will der angeschlagene Spielehersteller Zynga an frühere Erfolge anknüpfen. Der neue Titel gehe auf Facebook und der Plattform Zynga.com an den Star - und das in einer Vielzahl von Sprachversionen.
Zynga-Manager Manuel Bronstein: Zynga bringt Hoffnungsträger an den Start

Zynga-Manager Manuel Bronstein: Zynga bringt Hoffnungsträger an den Start

Foto: REUTERS

San Francisco - Zynga meldet sich zurück. Der US-Spielehersteller hat den Nachfolger seines bisherigen Umsatzbringers "Farmville" vorgestellt. Das neue Spiel gehe auf Facebook und der Plattform Zynga.com an den Start, teilte das Unternehmen am Mittwoch Abend mit.

"Farmville 2" ist in 16 Sprachen verfügbar - ein Novum für das US-Unternehmen, das seine Spiele bislang nicht übersetzte. Den ersten Teil, der noch rund 18 Millionen Nutzer spielen, will Zynga weiterführen. Mit "Farmville" gelang dem 2007 gegründeten Unternehmen der Durchbruch, zu Hochzeiten loggten sich mehr als 80 Millionen Nutzer im Monat ein.

Zynga hat einen Erfolg dringend nötig: Die Investoren haben das Vertrauen in die Firma verloren, seit dem Börsengang im Dezember ist der Kurs der Zynga-Aktie auf weniger als 30 Prozent des Ausgabekurses gestürzt. Mehrere Topmanager verließen das Unternehmen.

Mittlerweile sind jedoch auch viele Nutzer von Zynga weitergezogen, sagte Zynga-Manager Tim LeTourneau. "Das heißt nicht, dass sie keine Farmspiele mehr mögen - sie wollen nur dieses Spiel nicht mehr." Deswegen habe das Unternehmen die virtuelle Landwirtschaft mit "Farmville 2" von Grund auf neu gedacht.

Animationen unter PV-Niveau

Punkten will der Anbieter zum einen mit einer aufwendigeren Grafik. "Unser Ziel war es, die Farm zum Leben zu erwecken", sagte LeTourneau. Auf Basis der Flash-Technologie programmierte Zynga erstmals einen Titel komplett in 3D. "Auf Facebook gibt es kein vergleichbares Spiel", zeigte sich LeTourneau überzeugt. Die Animationen sind gefällig, allerdings weit von aufwendigen Kaufspielen für PC oder Konsole entfernt.

Zum anderen haben die Entwickler an der Spielmechanik geschraubt. Die Simulation ist komplexer geworden: Weizen und Blaubeeren, Eier und Milch werden nicht einfach zu Geld wie im ersten Teil, sondern können weiterverarbeitet werden. Und wer die eigenen Facebook-Freunde zum Anpacken animiert, kommt schneller voran - und sorgt nebenbei für eine virale Verbreitung des Spiels.

Was sich nicht verändert hat: Zynga baut an viele Stellen bewusst Verzögerungen ein. Diese können ungeduldige Nutzer umgehen, indem sie reales Geld ausgeben, etwa für Dünger, der die Saat auf dem Acker schneller gedeihen lässt. Free-to-Play wird dieses Geschäftsmodell in der Branche genannt: Das Spiel ist gratis, aber wer Geld ausgibt, kann schneller vorankommen oder seine Farm aufhübschen.

Zynga ist dringend auf einen Erfolg seiner bekanntesten Marke angewiesen. Im Kerngeschäft mit Facebook-Spielen - Social Games - hat der Börsenneuling mit Verlusten enttäuscht, der Aktienkurs rauschte von zwischenzeitlich 14 auf unter 3 Dollar herunter. Die Investoren haben Zweifel, dass Zynga weiterhin so viele neue Nutzer anlocken, halten und zum Kauf virtueller Gegenstände bewegen kann.

Denn die Konkurrenz um die Aufmerksamkeit und Portemonnaies der Nutzer ist groß. Auch Schwergewichte wie Ubisoft und Electronic Arts mischen bei den Social Games inzwischen mit und arbeiten beliebte Marken wie "Die Siedler" und "Command & Conquer" zu aufwendigen Online-Spielen um. Zudem tut der Boom der Smartphones und Tablets Zynga weh. Die mobilen Geräte sind beliebte Spielkonsolen. Hier ist das Startup jedoch nur einer von sehr vielen Anbietern. Eine mobile Version von "Farmville 2" ist ohnehin noch nicht angekündigt.

kst/rtr
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