Mittwoch, 17. Juli 2019

Epson-Chef Minoru Usui "Fertigungs-Know-how lässt sich nicht einfach einkaufen"

Er hat Seiko Epson umkrempelt: Minoru Usui bei einer Rede auf der IFA 2012
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Er hat Seiko Epson umkrempelt: Minoru Usui bei einer Rede auf der IFA 2012

Minoru Usui hat den japanischen Konzern Seiko Epson in den vergangenen vier Jahren umgekrempelt. Im Interview spricht er über die neue Strategie, den Innovationswettbewerb mit Google und die Bedeutung des Ex-Dortmunder Fußballprofi Shinji Kagawa für sein Unternehmen.

mm: Herr Usui, Sie besitzen einen Fußballschiedsrichterschein. Hilft das bei Ihrem Job als Konzernvorstand eines der größten japanischen Unternehmen?

Usui (lacht): Meine Kinder spielen gerne Fußball. Ich habe da zunächst vor allem meine Pflicht als Vater erfüllt.

mm: Mögen Sie denn Fußball?

Usui: Ich mag Fußball inzwischen sehr gerne, nachdem ich früher eher dem Baseball zugetan war. Verglichen mit Baseball ist Fußball ja auch eher mit der Führung eines Unternehmens vergleichbar. Sie müssen ein Team zusammenstellen, in dem jeder seine Laufwege kennt. Gleichzeitig müssen die individuellen Stärken der Spieler bewahrt bleiben.

mm: Als Hauptsponsor des englischen Clubs Manchester United kennen Sie dann ja auch Shinji Kagawa.

Usui (lacht): Ja, natürlich. Es tut mir sehr leid, dass er jetzt nicht mehr in Deutschland spielt.

mm: Hatten Sie bei seinem Transfer von Dortmund nach Manchester Ihre Finger im Spiel?

Usui: Ich würde mir wirklich wünschen, dass ich Einfluss auf die Transferpolitik von Manchester United hätte. Aber nein, an solchen Entscheidungen wirken wir leider nicht mit. Aber es ist natürlich gut für Epson, dass jetzt ein japanischer Spieler bei unserem Werbepartner unter Vertrag ist.

mm: Seit 2008 leiten Sie den Konzern. Als Sie antraten, produzierte Ihr Unternehmen Uhren, Drucker, Heimkinoprojektoren, Computer, Flachbildschirme, Digitalkameras, Industrieroboter und vieles mehr. Sie haben seither kräftig aufgeräumt. Was war der Grund?

Usui: Wir hatten eine sehr große Bandbreite an Technologien - vom Halbleiter bis zum LCD. Allerdings waren die meisten dieser Technologien nicht wettbewerbsfähig. Das war der Grund, dass wir viele Geschäftsfelder zusammengestrichen und einige komplett abgegeben haben. Darüber hinaus haben wir uns innerhalb unseres wichtigsten Bereichs, dem Druckgeschäft, konsequent auf die Tintenstrahltechnologie konzentriert. Gleichzeitig haben wir uns von unserem klassischen Privatkundengeschäft gelöst. Wir sind jetzt dabei, auch im Geschäft mit Bürodruckern und mit Industrieanwendungen Fuß zu fassen.

mm: Im Privatkundengeschäft kriselt es seit Jahren. Der US-Druckerhersteller Lexmark beispielsweise hat erst vor einigen Tagen verkündet, aus dem Markt auszusteigen. Wäre das auch eine Option für Epson?

Usui: Der Privatkundenmarkt ist in der Tat sehr wettbewerbsintensiv. Es ist eben ein reifer Markt. Fast alle Haushalte in Europa, Amerika und Japan besitzen ja schon einen Drucker. Der Markt wird aber nicht verschwinden. Wir werden daher weiter versuchen, durch Innovationen und Weiterentwicklungen die Kundenbedürfnisse zu erfüllen.

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