Montag, 27. Mai 2019

Loewe-Chef Oliver Seidl "Vor einem Apple-Fernseher haben wir keine Angst"

Loewe AG: Unikate für Gottschalk und Co.
Loewe

Die Loewe AG gehört zu den letzten deutschen Fernsehherstellern. Oliver Seidl, Vorstandschef des Kronacher Unternehmens, spricht über den Schwenk der Marketingstrategie, die Innovationskraft Südchinas und seine Pläne, das Audiogeschäft massiv auszubauen.

mm: Herr Seidl, Europameisterschaft, Abschaltung des analogen Satellitenfernsehens in Deutschland: Eigentlich lief im ersten Halbjahr alles für Loewe. Und doch haben Sie erneut Verluste geschrieben. Wann rechnen Sie wieder mit Gewinnen?

Seidl: Wir haben eine offizielle Financial Guidance, die besagt, dass wir in diesem Jahr den Umsatz steigern und das Ergebnis deutlich verbessern wollen. Und da sind wir auf einem guten Weg.

mm: Mit schwarzen Zahlen rechnen Sie 2013?

Seidl: Wir würden das zu gegebenem Zeitpunkt an alle Stakeholder bekannt geben.

mm: In Deutschland haben Sie zugelegt. Im europäischen Ausland sind die Umsätze hingegen zum Teil zweistellig eingebrochen. Stehen Sie der Euro-Krise machtlos gegenüber?

Seidl: In Deutschland wachsen wir. Und für die anderen europäischen Länder müssen wir zumindest festhalten, dass wir dort unseren Marktanteil halten. Das heißt, wir bewegen uns mit dem Markt. Wir gehen aber davon aus, dass der europäische Markt zurückkommen wird. Das Geschäft unterliegt einfach Zyklen. Wann die Erholung einsetzt, wissen wir allerdings nicht.

mm: Wie reagieren Sie auf die Krise?

Seidl: Wir gehen den Weg aus Europa heraus. Als Standortbestimmung aus der Historie her sind wir eine europäische Company, vor allem im Absatzmarkt. Das werden wir verändern. Wir wachsen gerade stark in Russland. Wir werden nach Osteuropa gehen. Und wir sind in Indien seit kurzem mit einem Distributor unterwegs.

mm: Wie unterscheidet sich der Verkauf eines Fernsehers von Loewe Börsen-Chart zeigen in Deutschland von dessen Vertrieb in Russland oder Indien?

Seidl: Die Distributionsstruktur ist nicht nur in diesen Ländern sehr heterogen. Schon Frankreich oder Italien unterscheiden sich sehr von Deutschland.

mm: Inwiefern?

Seidl: Wir haben in Deutschland, Österreich und der Schweiz, wo wir mit unserer Vertriebsstruktur sehr zufrieden sind, eine ausgeprägte Fachhandelstruktur. Das gilt zum Teil auch für Benelux. In Italien und Frankreich spielen Fachhändler hingegen kaum eine Rolle. Das heißt, wir müssen dort Konzepte entwickeln, die über den Fachhandel hinausgehen. Das kann auch der Vertrieb über große Elektronikmärkte oder Online-Portale sein. Und vielleicht irgendwann zum Zeitpunkt X werden es auch eigene Loewe-Stores sein.

mm: Wie gehen Sie in Russland und Indien vor?

Seidl: Es werden gemeinsam mit heimischen Distributoren Kernregionen definiert, etwa Moskau, St. Petersburg oder Rosdov am Don. In Indien sind es zwei Metropolen: Delhi und Bangalore.

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