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Mobiles Bezahlen: Wer beim Wettlauf um die Kunden mitmacht

Foto: Sumup

Mobiles Bezahlen Deutschlands müder Handel holt auf

Pläne, das Smartphone zum mobilen Geldbeutel zu machen, gibt es schon lange. Über Pilotphasen, Testläufe und Allianzen kam in Deutschland bislang aber keiner der großen Anbieter hinaus. Das dürfte sich nun ändern.

Hamburg - Wie weit kommt man nackt, nur mit Smartphone ausgerüstet? Kann man sich Klamotten, einen Kaffee, etwas zu lesen oder zu trinken kaufen? Der Werbesport, mit dem die Macher der App Mytaxi kürzlich dieser Frage nachgingen, zeigt es allzu deutlich: Nicht wirklich weit. Selbst in einer Großstadt wie Hamburg.

Ob Kaffee, Sandwich, Klamotten oder Schuhe - mit dem Handy bezahlen ist hierzulande bislang nur in ausgesuchten Läden möglich. Dabei ist die Idee des mobilen Bezahlens nicht neu. Feldversuche, Pilotprojekte und Allianzen gibt es viele. Von Sparkassen über Kreditkartenunternehmen, Telefonanbieter bis zum Handel. Kaum einer will sich das neue Geschäft entgehen lassen, und so wird entsprechend hektisch experimentiert und analysiert. Über das Teststadium ist bislang allerdings kaum einer hinaus gekommen.

Das könnte sich bald ändern. Denn mit Sum up, Streetpay oder dem Samwer-Startup Payleven haben nun gleich drei Unternehmen in Deutschland den Sprung in die Realwirtschaft gewagt und bieten Kunden und Händlern mobile Zahlungsmöglichkeiten an. Und für den E-Payment-Experten André Marseille Bajorat dürften sie der Katalysator sein, der dem mobiles Bezahlen in Deutschland den entscheidenden Anstoß geben dürfte. "Lange hieß es immer: das kommt, das kommt", sagt er. "Jetzt sind wir mittendrin." Und auch andere Experten rechnen mit einem "Lawineneffekt".

"Wir sind mittendrin"

Dass der Durchbruch bevorsteht, glaubt auch der bei Mastercard für die Zukunftstechnologien zuständige Jorn Labert. "Im Jahr 2012 wird sich die Blockade lösen", verkündete er kürzlich.

Wie schnell die Entwicklung gehen kann, lässt sich in den USA beobachten, wo man bereits einige Schritte weiter ist. Insgesamt könnten Schätzungen zufolge in diesem Jahr bereits 172 Milliarden Dollar über mobile Bezahlsysteme transferiert werden. 2016 dürften es laut Marktforschungsunternehemn Gartner bereits 600 Milliarden sein. 2017 laut Juniper Research bereits 1,3 Billionen Dollar.

Bislang spielt sich alles noch unter wenigen Spielern ab - doch deren Zahl steigt. Einer der Hauptakteure ist das bereits 1998 gegründete Unternehmen Paypal. das zum Internethändler Ebay  gehört. Ursprünglich als Bezahlmöglichkeit für den Internethandel gestartet, drängt der weltweite Marktführer nun auch in den stationären Handel. Und das mit Macht.

Mit mehr als 113 Millionen Konten wickelt Paypal nach eigenen Angaben täglich mehr als 6 Millionen Zahlungen ab. Die bewegte Summe dürfte 2012 nach Paypal-Schätzungen bei mehr als zehn Milliarden Dollar betragen.

Bezahlen im Vorbeigehen wird möglich

Konkurrenz gibt es vom Internetsuchmaschinenbetreiber Google , der mit dem Google Wallet 2011 einen bislang allerdings nur begrenzt erfolgreichen Konkurrenzdienst auf den Markt gebracht hat. Und auch Apple  könnte nach Ansicht vieler sein neues iPhone, das im September vorgestellt werden soll, mit einem sogenannten NFC-Chip ausstatten, um zusätzlich zu den bestehenden Barcode-Lösungen das Bezahlen im Vorbeigehen möglich zu machen.

Bislang größter Wettbewerber für Paypal in den USA ist ein allerdings Square, eine Gründung von Twitter-Gründer Jack Dorsey. Die Firma, die wie Sum up, Payleven oder Streetpay auf eine eine Aufsteckbox setzt, hat in den USA bereits zwei Millionen Kunden.

Ab Herbst könnten es noch einmal einige Millionen mehr sein. Denn um die Kundenbasis noch einmal zu verbreiten tut sich Square mit Starbucks  zusammen, die bereits erfolgreich eine eigene Bezahl-App betreiben. Starbucks investiert 25 Millionen Dollar in Square- und Chef Howard Schultz rückt in den Verwaltungsrat ein.

Erfahrungen mit dem mobilen Bezahlen hat die Kaffeekette bereits. Im Jahr 2011 führte sie ein eigenes System ein - mit durchschlagendem Erfolg. Fast jeder vierte Kaffee wird laut Starbucks mittlerweile über das Smartphone bezahlt. Den Kunden bringt dies attraktive Rabatte und geringere Wartezeiten - und Starbucks noch mehr wertvolle Informationen über sein Klientel.

Schlüsseltechnik NFC

Allerdings haben die andere Händler wenig Interesse den bisherigen Akteuren kampflos das Feld und damit die Hoheit über die Kundendaten zu überlassen. So kündigten Wal-Mart, Target und weitere US-Einzelhändler kürzlich an, ein eigenes Angebot auf den Markt zu bringen. Wie dies letztlich aussehen wird, ist allerdings noch unklar.

Und auch die Telekommunikationskonzerne sind am Start. Telefonica arbeitet an einem eigenen digitalen Geldbeutelsystem. Und T-Mobile USA will zusammen mit AT&T, Verizon  sowie Visa, Mastercard, American Express  und Discover im September in Salt Lake City und Austin einen Pilotversuch starten. An dem Projekt namens Isis wollen sich Händler wie Foot Locker und Macy's beteiligen..

Basis soll die NFC-Technologie sein, bei der die Datenübermittlung über einen Funkchip läuft. Und In dieser sehen viele Akteure die Schlüsseltechnologie fürs mobile Bezahlen - auch in Deutschland.

Auf NFC setzen auch die Sparkassen, die über die Girocard, die ehemalige EC-Karte, bislang eine Schlüsselposition im Zahlungsverkehr innehatten. Die wollen sie behalten. Deshalb wird künftig jede neue Girocard zusätzlich mit einem Funkchip ausgestattet, mit dem sich an entsprechenden Terminals berührungsfrei bezahlen lässt. Ähnlich wie die recht erfolglose Geldkarte muss allerdings auch hier erst ein Betrag aufgeladen werden - bei größeren Summen ist zudem eine zusätzliche Identifizierung nötig. Eine Anbindung an das Smartphone gibt es bislang allerdings nicht.

Deutschlands Handel trabt müde hinterher

Die hätte allerdings die Mobilfunkunternehmen zu bieten, für die mobiles Bezahlen eine interessante Erweiterung bereits bestehender Geschäftsfelder wäre. Um sicher mit dabei zu sein setzen Anbieter wie die Deutschen Telekom  gleich auf ein ganzes Bündel Allianzen. Neben dem Isis-Alianz in den USA und dem M-Pass-Projekt mit Vodafone  und O2 und haben sich die Bonner auch bei Levelup eingekauft.

Darüber hinaus kooperiert die Telekom mit Mastercard und will ab 2013 in Deutschland ihre SIM-Karten NFC-fähig machen. In Polen, wo laut Telekom bereits jetzt fast jeder dritte Laden mit NFC-fähigen Terminals ausgestattet ist, soll es bereits dieses Jahr losgehen.

Beim Handel selbst tut sich hierzulande in Sachen M-Payment hingegen noch relativ wenig. Zwar erwägen einzelne Handelskonzerne ihre Apps irgendwann um Bezahlsysteme und Gutscheinsysteme zu erweitern. Ein konzertierter Versuch scheiterte bislang jedoch am Zustand der Branche - obwohl dieser eigentlich im Interesse der Händler sein müsse, wie Ulrich Binnenhöfel vom Hauptverband des Deutschen Einzelhandels (HDE) einräumt. "Man ist es einfach nicht gewohnt zusammenzuarbeiten", sagt er. Aber "das Zeitfenster schließt sich bald."

Ottos Yapital geht 2013 an den Start

Deutlich weiter ist man hier bei der Otto-Gruppe, die mit ihren Versendern und Einzelhandelstöchtern gleich über eine Vielzahl potenieller Kunden verfügt Deren mobiles Bezahlprojekt Yapital soll 2013 an den Start gehen. Dazu, wie es aussehen soll, hält man sich in Hamburg extrem bedeckt. "Wir sehen alles vor und sind auf alles vorbereitet," heißt es auf Nachfrage wolkig.

Bis es soweit ist, können Startups wie Sum up, Streetpay und Starbucks wertvolle Erfahrungen sammeln - und sich bei den Kunden etablieren.

Wirklich durchsetzen werden sich nach Ansicht von Experten nur einige Anbieter. Und zwar die, so M-Payment-Experte Bajorat, "die den Kunden die größte Bequemlichkeit und den größten Mehrwert anbieten werden."

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