Sonntag, 25. August 2019

Patentstreit Samsung läuft gegen Apple die Zeit davon

Samsungs Galaxy Tab 10.1 (rechts) und Apples iPad (links): Apple wirft Samsung vor, Design und Software-Elemente von iPhone und iPad kopiert zu haben

Im Patentprozess zwischen Samsung und Apple geht es um Milliarden Dollar - und um Marktmacht. Ausgerechnet in diesem Prozess haben sich die Samsung-Anwälte verkalkuliert: Ihnen bleiben nur noch 45 Minuten, um ihre Argumente darzustellen. Apples Zeitbudget ist noch viel größer.

San Francisco - Apple wird in dem Patentprozess gegen Samsung in Kalifornien weitgehend freie Hand auf der Zielgeraden haben: Die Anwälte der Südkoreaner haben fast ihr gesamtes Zeitbudget verbraucht. Von den jeweils 25 Stunden, die Richterin Lucy Koh den beiden Seiten zu Beginn eingeräumt hatte, blieb Samsung Börsen-Chart zeigen nach der Verhandlung am Donnerstag nur noch eine gute Dreiviertelstunde übrig.

Apple Börsen-Chart zeigen verfügt dagegen noch über ein Zeitbudget von fast vier Stunden, um weitere Zeugen aufzurufen und sie vor den Geschworenen fast ohne Gegenwehr von Samsung zu befragen. Die Anleger reagierten prompt: Die Aktie von Samsung gab am Freitag rund 4 Prozent nach.

Richterin Koh zeigte laut US-Medienberichten wenig Mitleid mit der Lage von Samsungs Anwälten: Sie hätten schließlich selbst entschieden, einen großen Teil ihrer Zeit für Kreuzverhöre der von Apple aufgerufenen Zeugen zu nutzen.

Auch die Apple-Anwälte schafften es am Donnerstag allerdings, die zunehmend genervte Richterin aus der Fassung zu bringen. Sie legten eine Liste mit rund 20 Zeugen vor, die Apple noch aufrufen will. Koh wetterte daraufhin, sie könnten nur glauben, das Programm in der verbleibenden Zeit noch schaffen zu können, wenn sie die Droge Crack rauchten. Ein Anwalt entgegnete, die Auftritte seien durchgerechnet - und tatsächlich hielt Apple die Zeugenbefragungen kurz.

Samsung legte am Donnerstag erste Schadenersatzforderungen von mehr als 400 Millionen Dollar gegen Apple vor. Bisher hatte nur der US-Konzern Apple Anspruch auf mehr als 2,5 Milliarden Dollar von Samsung erhoben.

Apple wirft Samsung vor, Design und Software-Elemente von iPhone und iPad kopiert zu haben. Samsung behauptet im Gegenzug, der US-Konkurrent habe eigentlich nichts Neues erfunden und bezichtigt Apple zugleich, mehrere technische Patente zu verletzen.

Der Prozess im kalifornischen San Jose ist der bisherige Höhepunkt des auch in Deutschland ausgetragenen Streits.

Samsung: Der aggressivste Konzern der Welt

© manager magazin 2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung