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Geschlagene Konzerne: Die Apple-Opfer

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Ex-Weltmarktführer Nokia entlässt jeden fünften Mitarbeiter - Aktie stürzt auf 16-Jahres-Tief

Der Kampf gegen Samsung und Apple macht Nokia immer mehr zu schaffen. Der finnische Handyhersteller gibt erneut eine Gewinnwarnung heraus und baut 10.000 Arbeitsplätze ab. Deutschland ist massiv betroffen. Die Nokia-Aktie verliert knapp 20 Prozent und stürzt auf den tiefsten Stand seit 1996.

Espoo - Die Jobs sollen bis Ende 2013 wegfallen. Dies sei nötig, um Kosten zu sparen und langfristig die Wettbewerbsfähigkeit zu erhalten, teilte Nokia-Chef Stephen Elop mit. Für die geplanten Stellenstreichung fielen jedoch zunächst Restrukturierungskosten von einer Milliarde Euro an.

Von den Stellenstreichungen ist auch Deutschland betroffen: Der Standort für Forschung und Entwicklung in Ulm mit zuletzt 730 Mitarbeitern soll Ende September schließen. "Deutschland bleibt für Nokia aber ein sehr wichtiger Standort für unsere Entwicklungsaktivitäten", sagte ein Nokia-Sprecher. Das Unternehmen hat unter anderem in Berlin ein Zentrum für ortsbasierte Dienste.

Solche Dienste sollen einer der zukünftigen Schwerpunkte von Nokia werden. Der Plan ist, den Fokus auf die neuen Smartphones der Marke Lumia und verwandte Angebote zu legen. Dafür gibt es die Kürzungen in anderen Geschäftsbereichen.

Breit angelegter Personalumbau

In der Sparte "Devices und Services" werde die operative Marge im zweiten Quartal noch schlechter ausfallen als die minus drei Prozent, die es im ersten Quartal gegeben habe, teilte Nokia mit. Akien von Nokia  verloren zuletzt knapp 7 Prozent. Bereits für das erste Quartal hatten die Finnen katastrophale Zahlen vorgelegt: Der Konzern machte fast eine Milliarde Euro Verlust, der Umsatz ging um 30 Prozent im Vergleich zum Vorjahr zurück.

Nokia war lange Weltmarktführer im Geschäft mit einfachen Handys und auch Smartphones, wurde dann aber von Apple  mit seinem iPhone und vor allem Samsung überholt. Auch die Lumia-Smartphones mit dem Betriebssystem Windows Phone von Microsoft  erwischten im vergangenen Herbst einen mäßigen Start.

Mit der neuen Strategie geht auch ein breit angelegter Umbau des Führungsteams einher. Es gehen Marketingchefin Jerri DeVard, Handy-Chefin Mary McDowell und Niklas Savander als Zuständiger für Märkte. Zugleich senkte der Konzern den Ausblick für das zweite Quartal.

Vertu geht an Finanzinvestor

Immerhin ist die Hängepartie um den Verkauf der Luxushandymarke Vertu beendet. Vertu mit Sitz im englischen Church Crookham geht an den Finanzinvestor EQT. Am Mittwoch hatte die Nachrichtenagentur Bloomberg unter Berufung auf informierte Kreise berichtet, die Edelmarke werde mit rund 200 Millionen Euro bewertet.

Vertu ist bekannt für ihre mit Edelsteinen besetzten Mobiltelefone, die für einen Durchschnittspreis von mehr als 5000 Euro über die Ladentheke gehen. In Westeuropa hatte Vertu 2010 nach Angaben der Marktforschung IDC einen Marktanteil im Luxushandysegment von rund 60 Prozent.

Im Gespräch als potenzieller Käufer war nach Angaben der "Financial Times" unter anderem auch der Finanzinvestor Permira. Die von der schwedischen Familie Wallenberg kontrollierte Beteiligungsgesellschaft EQT hatte Anfang dieser Woche erst den deutschen Leukoplast-Hersteller BSN Medical für 1,8 Milliarden Euro übernommen.

ts/dpa-afx/rtr/afp
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