Wertvolle China-Tochter Yahoo kassiert 7,1 Milliarden Dollar für Alibaba-Anteile

Der US-Internetkonzern Yahoo verkauft die Hälfte seiner Beteiligung an der chinesischen Internethandelsplattform Alibaba. Die Einnahmen von rund 7,1 Milliarden Dollar will der angeschlagene Internetpionier in Rückkäufe eigener Aktien stecken.
Ungleiches Paar: Yahoo ist längst zum Juniorpartner Alibabas geworden

Ungleiches Paar: Yahoo ist längst zum Juniorpartner Alibabas geworden

Foto: epa Cheng Xin/ picture-alliance/ dpa/dpaweb

Hangzhou/Sunnyvale - Yahoo macht Kasse. Der angeschlagene US-Internetkonzern hat die Hälfte seiner 40-prozentigen Beteiligung an der größten chinesischen Internethandelsplattform Alibaba für rund 7,1 Milliarden Dollar verkauft. Käufer der Aktien ist das chinesische Unternehmen selbst. Der US-Konzern erhalte mindestens 6,3 Milliarden Dollar in bar sowie neu geschaffene Vorzugsaktien des chinesischen Unternehmens, teilten die beiden Unternehmen mit. Deren Gegenwert wurde mit 800 Millionen Dollar beziffert.

Yahoo  kämpft seit Jahren mit zahlreichen Problemen und will den Großteil des von Alibaba erhaltenen Geldes in den Rückkauf eigener Aktien stecken. Bis zu fünf Milliarden Dollar sollen dafür ausgegeben werden. Das chinesische Unternehmen selbst könnte jetzt einen Börsengang vorbereiten - gemessen an dem von Yahoo erhaltenen Preis wird Alibaba derzeit mit 35 Milliarden Dollar (rund 27,4 Milliarden Euro) bewertet und damit fast doppelt so hoch wie das US-Unternehmen selbst.

Börsengang von Alibaba rückt näher

Alibaba steigerte den Umsatz im vergangenen Jahr um drei Viertel auf 2,34 Milliarden Dollar und erzielte dabei einen Gewinn. Zusammen mit dem erwarteten starken Wachstum des Internethandels in China macht dies Alibaba für Investoren besonders interessant. Dazu kommt noch das zuletzt wieder stark gestiegene Interesse von Anlegern an Internetaktien wie Facebook, LinkedIn  oder Groupon. Dieses hatte allerdings mit dem für einige Aktionäre enttäuschenden Börsengang von Facebook einen Dämpfer erhalten.

Dennoch könnte das Marktumfeld für Internetunternehmen Experteneinschätzungen zufolge weiter freundlich bleiben. Dies könnte jetzt der Alibaba-Chef Jack Ma nutzen, um einen Teil seines Aktienpakets zu versilbern. Ma hält nach letzten offiziellen Angaben 7,4 Prozent an dem Unternehmen - das Paket wäre gemessen an der Yahoo-Transaktion rund 2,6 Milliarden Dollar wert. Nach der Transaktion mit Yahoo sei es jetzt möglich, Alibaba weiterzuentwickeln und die nächste Stufe zu erreichen, wird Ma in der Mitteilung zitiert. Größter Anteilseigner an Alibaba ist jetzt das japanische Beteiligungsunternehmen Softbank  mit rund 30 Prozent.

Duncan Clark vom Technologieberater BDA sieht Alibaba nun auch in einer besseren Position, um an die Börse zu gehen. "Da in China das Geschäft im Internet weiter kräftig wächst, ist Alibaba ein sehr attraktives Investment", sagte er der Nachrichtenagentur Bloomberg. "Für Alibaba wäre ein Börsengang der nächste logische Schritt, da der Wettbewerb zunimmt und das Unternehmen zunehmend um neue Mitarbeiter werben und sich auch nach Übernahmezielen umschauen muss." Sollte Alibaba an die Börse gehen, darf Yahoo einen Viertel der noch gehaltenen 20 Prozent an das chinesische Unternehmen verkaufen oder es beim Börsengang selbst platzieren.

Alibaba ist einer der wenigen Lichtblicke Yahoos

Für Yahoo  ist die Beteiligung an Alibaba eine der wenigen Erfolgsgeschichten in den vergangenen Jahren. Der Konzern hatte sich 2005 mit rund einer Milliarde Dollar beteiligt und die eigenen chinesischen Aktivitäten eingebracht. Jetzt ist der Anteil an dem chinesischen Unternehmen das Kronjuwel der einstigen Internet-Ikone und machte zuletzt den Großteil des Börsenwerts von 19 Milliarden Dollar aus. Zum Zeitpunkt des Einstiegs bei Alibaba war Yahoo an der Börse noch zirka 49 Milliarden Dollar wert.

Ansonsten fiel der einstige Branchenpionier, der 1995 als Web-Verzeichnis gegründet wurde, in den vergangenen Jahren nur dadurch auf, dass es zahlreiche Entwicklungen im Internet verschlief und anders als die meisten Konkurrenten deutliche Umsatzeinbußen hinnehmen musste.

Zuletzt trübten zudem zahlreiche Machtkämpfe an der Führungsspitze das Bild des Anfang des Jahrtausends noch so glänzenden Unternehmens. So musste Mitte Mai der nur wenige Monate an der Spitze stehende Scott Thompson wegen eines gefälschten akademischen Titels gehen.

krk/dpa
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