Montag, 23. September 2019

Apple-Fertiger Foxconn-Arbeiter sterben fürs iPad

Foxconn-Arbeiter: Viele arbeiten länger als erlaubt, weil die Löhne nicht zum Leben reichen

Die von Apple eingeleitete Inspektion seines chinesischen Fertigers Foxconn hat Missstände aufgedeckt: Zu lange Arbeitszeiten zählen zu den harmlosen. Allein in der iPad-Produktion starben im vergangenen Jahr vier Menschen.

Peking/New York/Berlin - Unter den Missständen seien mangelhafte Sicherheits- und Gesundheitsbedingungen sowie zu lange Arbeitszeiten, berichtete die Fair Labor Association (FLA). Foxconn habe zugesagt, die Mängel zu beheben, hieß es. Das Unternehmen produziert in seinen riesigen chinesischen Werken unter anderem iPhones und iPad-Tablets für Apple. Daneben gehören auch bekannte Anbieter wie Amazon Börsen-Chart zeigen, Dell Börsen-Chart zeigenoder Nintendo Börsen-Chart zeigen zu den Foxconn-Kunden.

Die FLA untersuchte nach eigenen Angaben drei Foxconn-Fabriken und befragte über 35.000 Arbeiter. Demnach sei in allen Werken die FLA-Obergrenze von 60 Arbeitsstunden pro Woche überschritten worden. In heißen Produktionsphasen habe sogar die durchschnittliche wöchentliche Arbeitszeit pro Kopf über 60 Stunden gelegen. Foxconn habe zugesagt, die Arbeitszeiten bis Juli 2013 auf die gesetzlichen Vorgaben zu bringen. Allerdings hieß es auch, viele Foxconn-Beschäftigte wollten von sich aus länger arbeiten, um mehr Geld zu verdienen. Fast zwei Drittel der Arbeiter (64 Prozent) sagten in der FLA-Umfrage, sie könnten mit dem Gehalt nicht ihre Grundbedürfnisse finanzieren.

Die Einkommen bei Foxconn gelten bereits als überdurchschnittlich in China, was die Jobs sehr begehrt macht. Die FLA werde die Lebenshaltungskosten in den Städten Shenzhen und Chengdu untersuchen, um zu prüfen, ob die Gehälter ausreichend seien, teilte die Organisation mit. Apple war Anfang des Jahres als erstes Unternehmen der Elektronikbranche der FLA beigetreten, die unabhängige Inspektionen von Fabriken unternimmt.

Foxconn steht wegen der Arbeitsbedingungen in seinen Werken seit längerem in der Kritik. Bereits 2010 geriet der Konzern in Verruf, nachdem mehrere Arbeiter sich selbst umgebracht hatten.

Tote und Verletzte bei iPad-Produktion

Mehr als 43 Prozent der Beschäftigten erklärten in der FLA-Umfrage, sie hätten Zwischenfälle erlebt oder beobachtet. Foxconn registrierte bislang jedoch nur Verletzungen und Unfälle, die zu einer Unterbrechung der Produktion führten. Das werde sich nun ändern: Künftig solle jede Verletzung notiert werden. Zugleich bescheinigte die FLA Foxconn Fortschritte bei der Prävention von Aluminiumstaubexplosionen. Im vergangenen Jahr waren bei zwei solcher Detonationen in der iPad-Produktion 4 Menschen getötet und 77 verletzt worden.

Apple-Chef Tim Cook machte sich auf seiner China-Reise auch persönlich ein Bild von den Arbeitsbedingungen bei Foxconn. Er besucht ein iPhone-Werk. Im Zhengzhou Technology Park arbeiten 120.000 Menschen. Cook hatte sich in den vergangenen Tagen bereits mit Chinas Vize-Premier Li Keqiang getroffen und Verhandlungen geführt.

Seit seinem Amtsantritt im vergangenen Jahr versucht Cook, das Image von Apple Börsen-Chart zeigen im Zusammenhang mit den Arbeitsbedingungen in China zu verbessern. Vor allem in den USA wurde zuletzt angesichts des Apple-Geldbergs von rund 100 Milliarden Dollar heftig über die "menschlichen Kosten" von iPhone und iPad diskutiert.

"Apple und Foxconn haben sich mit unseren Empfehlungen einverstanden erklärt. Wir werden die Fortschritte prüfen und öffentlich berichten", sagte FLA-Chef Auret van Heerden. Die zugesagten Veränderungen würden das Leben der 1,2 Millionen Foxconn-Beschäftigten erheblich verbessern und einen neuen Standard für chinesische Fabriken setzen, so van Heerden.

ts/dpa

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