Sonntag, 20. Oktober 2019

Blackberry-Hersteller RIM gibt Privatkundengeschäft auf

Künftig günstigere Modelle: Der Blackberry-Hersteller RIM bekommt von seinem neuen Chef Heins eine neue Ausrichtung verordnet

Die Krise beim Blackberry-Anbieter RIM spitzt sich zu. Das vergangene Quartal fiel mit Umsatzeinbruch und roten Zahlen erneut enttäuschend aus. Der neue Chef Thorsten Heins kündigt große Veränderungen an.

Waterloo - Der Umsatz von Research in Motion (RIM) brach um ein Viertel auf 4,19 Milliarden Dollar ein. Damit verfehlte der einstige Star der Alleskönnerhandys knapp die Markterwartungen. Unter dem Strich gab es in dem Anfang März abgeschlossenen vierten Geschäftsquartal einen Verlust von 125 Millionen Dollar nach 934 Millionen Dollar Gewinn ein Jahr zuvor.

RIM Börsen-Chart zeigen kämpft schon seit einiger Zeit mit schweren Absatzproblemen. Der aus Deutschland stammende neue Chef Thorsten Heins soll das Steuer herumreißen. RIM prüft nach seinen Worten diverse "strategische Möglichkeiten" inklusive Partnerschaften und Gemeinschaftsunternehmen.

Die Aktie wurde nachbörslich zunächst vom Handel ausgesetzt und rauschte dann nach unten. Nach wenigen Minuten lag das Minus bei knapp 8 Prozent, dann erholte sich der Kurs wieder bis auf einen Abschlag von rund 2 Prozent.

RIM hatte lange den Trend zu Touchscreen-Handys ignoriert und sich an seine klassischen Modelle mit kleinem Bildschirm und kompletter Tastatur geklammert. Die Blackberrys waren einst vor allem bei Unternehmen und Behörden als mobile E-Mail-Geräte populär. Doch dann kamen Apples iPhone und Telefone mit Googles Betriebssystem Android und der RIM-Marktanteil ging auf Talfahrt. Der Absatz fiel jetzt allein im Vergleich zum Vorquartal um 21 Prozent auf 11,1 Millionen Geräte.

Umsatz und Ergebnis fielen schlechter aus als am Markt erwartet

Heins hofft weiterhin auf das nächste Betriebssystem Blackberry 10, das nach mehreren Verzögerungen nun bis Ende des Jahres erscheinen soll. Im Mai sollen erste Prototypen präsentiert werden.

Heins will die Stärke im Unternehmensgeschäft wiedergewinnen und verwies auf eine weiterhin wachsende Basis von 77 Millionen Blackberry-Kunden. Er will auch verstärkt auf günstige Modelle setzen und das Privatkundengeschäft weitgehend aufgeben. "Wir planen, unseren Fokus wieder auf das Geschäft mit Geschäftskunden zu legen, um dort von unserer Führungsposition zu profitieren", sagte Heins. Das Unternehmen könne keinen Erfolg haben, "wenn wir versuchen, jedermanns Liebling zu sein und allen Alles zu geben".

Heins, der 2007 aus der früheren Kommunikationssparte von Siemens zu RIM kam, merkte zugleich an, dass er erst seit zehn Wochen auf dem Chefposten sei.

RIM lieferte in dem Quartal 500.000 seiner Playbook-Tablets aus. Zum Vergleich: Apple verkaufte in seinem vergangenen Geschäftsquartal bis Ende Dezember 15,4 Millionen iPads. Eine hohe Abschreibung auf die Playbook-Lagerbestände hatte RIM einmal bereits die Zwischenbilanz vermiest.

RIM: Blackberry-Chef Heins läuft die Zeit davon

rei/dpa-afx/rtr/apd

© manager magazin 2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung