Montag, 11. November 2019

Geldsegen Apple zahlt erstmals seit 1995 Dividende

Knapp 100 Milliarden Dollar Cash: Was Apple alles kaufen könnte
DPA

Apple beteiligt erstmals seit 17 Jahren seine Aktionäre wieder über eine Dividende am Gewinn. Außerdem will das Unternehmen eigene Aktien zurückkaufen

Cupertino - Das wertvollste börsennotierte Unternehmen der Welt kündigte am Montag an, regelmäßig eine Quartalsausschüttung in Höhe von 2,65 Dollar je Papier zu zahlen. Zugleich will der Hersteller von iPhones und iPads in den kommenden drei Jahren Aktien im Wert von bis zu zehn Milliarden Dollar zurückkaufen.

Mit dem Geldregen kommt Apple Börsen-Chart zeigen den Forderungen seiner Anteilseigner nach, die in den vergangenen Monaten immer stärker auf eine Verteilung der riesigen Bargeld- und Wertpapierbestände gedrungen haben. In der Apple-Schatzkiste lagen zuletzt fast 100 Milliarden Dollar - das entspricht in etwa dem Bruttoinlandsprodukt von Marokko oder der Slowakei.

An der Börse löste die nach früheren Äußerungen von Firmenchef Tim Cook erwartete Ankündigung Reaktionen aus: An der Wall Street ging es deutlich bergauf. In einem volatilen Handel gewann das Papier rund 2 Prozent.

Die Ausschüttung soll nach Apple-Angaben erstmals im vierten Quartal des Finanzjahres 2012 erfolgen, das am 1. Juli beginnt. Insgesamt beziffert der Konzern die Ausgaben in den kommenden drei Jahren auf etwa 45 Milliarden Dollar.

45 Milliarden Dollar binnen drei Jahren an die Aktionäre

Apple-Chef Cook versicherte in einer der seltenen Telefonkonferenzen, trotz der Investitionen verfüge der Konzern über "eine Kriegskasse für strategische Gelegenheiten". Durch die Entscheidungen verschließe sich für das Unternehmen keine Tür. Vielmehr werde sich damit die Basis an Aktionären und Investoren verbreitern. Cook kündigte an, die Dividendenpolitik regelmäßig zu überprüfen.

Aufs Gesamtjahr hochgerechnet liegt Apples Dividendenrendite bei 1,8 Prozent, etwas weniger als bei im S&P gelisteten Unternehmen üblich. Zum Vergleich: Die Deutschen Telekom Börsen-Chart zeigen bietet ihren Aktionären 7,89 Prozent und damit gemessen am Wert der Einzelaktie deutlich mehr als Apple.

John Strand von Strand Consulting begrüßte die Neuankündigung trotzdem: "Apple ist ein überkapitalisiertes Unternehmen und es ist wahrscheinlich besser, das Geld in die Taschen der Aktionäre zu stecken als es in Apples Taschen zu belassen." Stephen Turner von Hilliard Lyons sagte: "Die Dividenden-Auszahlung von zehn Milliarden Dollar im ersten Jahr macht Apple zu einem der größten Dividendenzahler." Kollege John Jackson von CCS Insight rechnet nun damit, dass es für die Apple-Aktie noch weiter nach oben geht: "Die Dividendenzahlung zusätzlich zum Aktienrückkaufprogramm wird den anziehenden Aktienpreis noch stützen."

Letzte Dividende im Jahr 1995 - Abkehr von Steve Jobs Maxime

1995 hatten die Aktionäre Reuters-Daten zufolge letztmals eine Dividende erhalten. Kurz darauf geriet der Konzern in die Bredouille und verbuchte 1996 einen Nettoverlust von 816 Millionen Dollar. Nur eine Radikalkur des zurückgekehrten Firmenmitgründers Steve Jobs brachte Apple wieder in die Erfolgsspur.

Eine Dividende lehnte der legendäre Apple-Chef ab. Er wollte stets alle Rücklagen und Einnahmen in die Hand nehmen können, um damit Übernahmen und Investitionen in neue Produkte finanzieren zu können.

Konkurrent Google Börsen-Chart zeigen ist ebenfalls bekannt dafür, seinen Aktionären keine Dividende zu zahlen. Der Suchmaschinen-Anbieter begründet dies damit, ohne entsprechende finanzielle Verpflichtungen flexibler agieren zu können. Auch Cook will sich durch die Aktien-Programme nicht die Hände auf den Rücken binden lassen. Priorität habe weiterhin die Entwicklung von innovativen Produkten, versicherte Cook, der den Konzern seit vergangenem Jahr führt.

Apple war es mit dem Smartphone iPhone und dem Tablet-Computer iPad gelungen, praktisch einen neuen Markt zu schaffen. Weltweit wird kein Unternehmen an der Börse derzeit höher bewertet als Apple. Zuletzt notierte die Aktie bei knapp 600 Dollar. Damit war Apple insgesamt 546 Milliarden Dollar schwer. Günstige Geschäftsaussichten und die Markteinführung des neuen iPads hatten den Kurs in diesem Monat kurzfristig sogar auf ein Rekordhoch über der Marke von 600 Dollar getrieben.

Während Apple-Produkte rund um den Globus heiß begehrt sind, sorgt die Geschäfts- und Datenschutzpolitik des Großkonzerns bei Aufsichtsbehörden weltweit für Verstimmung. Verbraucherschützer in Europa haben erst am Montag eine Kampagne gestartet, in der die Informationen über Garantieleistungen beim iPad- und iPhone-Kauf kritisiert werden.

mihec, la, reuters

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