Mittwoch, 18. September 2019

Vernetzte Helferlein Der Kampf um die Wohnzimmer entbrennt

Tablet von Sony: Kaum ein Hersteller, der nicht auf die Vernetzung seiner Geräte setzt.

Apple gilt als Vorreiter in Sachen Vernetzung. Doch auch andere Hersteller setzen auf den wichtigsten Trend in der Konsumelektronikbranche. Schon bald wird es keine Geräte mehr geben, die sich nicht mit anderen verbinden können.

Hamburg - Auf den ersten Blick sind Sonys Smartphonemodelle Xperia NXT P und U keine bahnbrechenden Neuheiten. Sony setzt auf kleine Innovationen wie zum Beispiel ein besonders helles Display. Viel wichtiger: Sony vernetzt die Smartphones mit den eigenen Unterhaltungsangeboten. Über das Sony Entertainment Network sind die Dienste "Music Unlimited" und "Video Unlimited" verfügbar. Musik oder Filme lassen sich über das Handy leicht auf andere Abspielgeräte wie zum Beispiel einen Fernseher übertragen.

Sonys Börsen-Chart zeigen Produkte sollen in Zukunft noch besser zusammenarbeiten. Auch deshalb hat der Konzern das bisherige Gemeinschaftsunternehmen Sony Ericsson vor kurzem wieder in den Konzern integriert: Der Mobiltelefonhersteller Sony Mobile Communications ist nun ein hundertprozentiges Tochterunternehmen.

"Vernetzung ist unser zentrales Thema, das sich wie ein roter Faden durch alle wichtigen Produktbereiche zieht", sagt Martin Winkler, Mitglied der Geschäftsführung von Sony Deutschland. Das gelte für Mobiltelefone, LCD-Fernseher, Notebooks, Tablets oder die Spielkonsole Playstation3. Großes wirtschaftliches Potenzial sieht der Konzern beim Thema Vernetzung gleich zweifach: Als zusätzliches Verkaufsargument für Hardware, und durch kostenpflichtige Dienste wie den on-Demand-Service "Video Unlimited".

Der Markt ist riesig und wächst schnell

Auch andere Hersteller setzen auf vernetzte Produkte: "Vernetzung ist der zentrale Trend im Bereich der Unterhaltungselektronik", sagt Jari Sengera von PricewaterhouseCoopers (PwC). Im Idealfall sieht das etwa so aus: Geräte wie Fernseher, Smartphone und Stereoanlage kommunizieren drahtlos miteinander, Internet und TV-Programme sind in allen Räumen zu empfangen und von überall in der Wohnung können Nutzer auf die eigene Musik, Fotos oder Videos zugreifen. "Das alles wird immer selbstverständlicher", sagt Michael Schidlack vom Branchenverband Bitkom. Die Vernetzung verbreite sich immer stärker. "In drei Jahren wird es kaum noch Geräte im Bereich der Konsumelektronik geben, die nicht netzwerkfähig sind", sagt Schidlack. Hersteller, die nicht auf die Vernetzungs-Fähigkeit ihrer Geräte setzten, würden im Wettbewerb keine Chance mehr haben.

Der Markt ist riesig und wächst schnell: Im Jahr 2011 setzte die Industrie allein in Deutschland über 16 Milliarden Euro mit netzwerkfähigen Geräten um, das war ein Wachstum von fast 30 Prozent gegenüber dem Vorjahr.

"Der Trend der Vernetzung hat deutlich an Dynamik gewonnen", sagt Nikolaus Mohr von der Unternehmensberatung Accenture. Ein Grund sei die immer stärkere Verbreitung von Zugangsmedien wie Smartphone und Tablet-PCs. Allein bei letzteren stieg der Absatz 2011 um rund 160 Prozent auf etwa 2,1 Millionen Geräte. Die klassische Käuferverhalten, dass Kunden ein Gerät für einen bestimmten Zweck nutzen, gilt nicht mehr: "Für junge Zielgruppen ist ein Gerät wie ein PC, ein Smartphone oder eine Spielkonsole das Eingangsportal, von dem aus sie auf viele verschiedene Dienste zugreifen", sagt Mohr. Die Unternehmen hätten diesen Trend erkannt und trieben die Vernetzung ihrer Dienste und Geräte voran. "In diesem Markt gibt es noch ein großes Wachstumspotenzial", sagt Sengera.

Seite 1 von 3

© manager magazin 2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung