Montag, 23. September 2019

Management 2.0 Unter App-aratschiks

Führung 2.0: Wie iPads und Co. das Managerleben umkrempeln
Armin Brosch

Tablets wie das iPad machen Führungskräfte flexibler und schneller. Doch wenn Wissen überall und für alle verfügbar ist, wer hat dann das Sagen? Ein neuer Typ Chef ist gefragt.

Hamburg - Schwer zu sagen, ob Oliver Bussmann (46) ein besessener Workaholic ist oder eher ein müßiggängerischer Flaneur entlang virtueller Gestade. Fest steht: Ein erklecklicher Anteil seiner Arbeitszeit als Chief Information Officer von SAP geht für Dinge drauf, die mit Managen im bürgerlichen Sinn des Wortes nur am Rande zu tun haben.

Jeden Tag wühlt sich Bussmann durch ein buntes Mosaik aus 60 Tageszeitungen und Zeitschriften, das ihm die Pulse-App aufs Tablet zaubert. Er ist häufig Gast bei LinkedIn Börsen-Chart zeigen und Facebook, auf Twitter erwarten rund 3400 Follower seine Nachrichten, und auch sein Blog (SAP.com/CIO) muss bestückt werden.

All das mit einer Maschine, die kleiner ist als eine Merci-Geschenkpackung, aber noch verführerischer. Und von der Bussmann, kaum dass Steve Jobs sie Anfang 2010 der Welt präsentierte, wusste: "Das iPad wird meinen Job - und den aller Wissensarbeiter - von Grund auf verändern." Kein halbes Jahr später hatte Bussmann die IT so umgebaut, dass die SAPler das Apple-Produkt nutzen konnten. Alle Führungskräfte, alle Vertriebler der Walldorfer haben mittlerweile ein iPad, mit 14.000 Tablets im weltweiten Einsatz ist SAP Börsen-Chart zeigen der zweitgrößte Einzelnutzer der Wunderflunder. Aktuell werden auch Android-Geräte eingebunden.

Über ihr Dashboard rufen die Manager Umsätze, Kostenanalysen, Verkaufsprognosen ab, für jedes Produkt und jeden Winkel der Welt. "Statt wie früher endlose Reports zu durchforsten", freut sich Bussmann, "kriege ich heute in Echtzeit ein detailliertes Bild des Unternehmens. So bin ich immer und überall auskunftsfähig." Für sein eifriges Zwitschern und Bloggen kürte das "Wall Street Journal" den CIO zu einem der "Tech's Top 25" in Europa.

In den Managementetagen ist die Tafel los. Noch nehmen sich die 64 Millionen Tablet-Computer, die 2011 weltweit verkauft wurden, mickrig aus gegenüber mehr als 460 Millionen abgesetzten Smartphones. Noch nutzen laut einer Umfrage des Verbands "Führungskräfte Chemie" (VAA) und manager magazin keine 3 Prozent der deutschen Manager ein Tablet. "Die Mehrheit sieht die neuen Medien rational. Für wirklich Wichtiges kann nichts das persönliche Gespräch ersetzen", sagt VAA-Geschäftsführer Martin Kraushaar.

Doch das sind Momentaufnahmen. Tatsächlich haben die Bonsai-Bildschirme nicht weniger als eine Revolution losgetreten. "iPads und andere Tablets werden Märkte, Geschäftsmodelle und Organisationen komplett umkrempeln", prophezeit Nick Jones, Analyst beim Tech-Marktforscher Gartner.

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