Montag, 6. April 2020

Cash-Polster Apples gebunkertes Geld bringt nur Sparbuch-Zinsen

Apple-Chef Tim Cook will die Cash-Reserven besser nutzen als sein Vorgänger Steve Jobs

Apple ist der wertvollste Technologiekonzern der Welt - doch beim Thema Geldanlage scheint das Unternehmen kein glückliches Händchen zu haben. Die riesigen Cash-Reserven bringen nur geringe Renditen. Schuld ist auch die Scheu vor US-Staatsanleihen.

New York - Der iPhone- und iPad-Hersteller steigert sich von Rekord zu Rekord. Sein Gewinne übertreffen zum Teil die Quartalsüberschüsse von Ölkonzernen. Über die Jahre hat Apple ein gigantisches Geldpolster aufgebaut - mit knapp 100 Milliarden Dollar in etwa so groß wie das Bruttoinlandsprodukt von Marokko oder der Slowakei und doppelt so viel wie das Bulgariens.

Was sich zunächst danach anhört, als könnte sich Apple beruhigt zurücklehnen und das Geld für sich arbeiten lassen, bereitet dem Konzern jedoch eher Probleme. Wie Dagobert Duck scheint die Firma ihr Geld zu bunkern. Dadurch kann Apple aber nur mit mickrigen Renditen aufwarten. Im abgelaufenen Geschäftsjahr lag die Verzinsung des Bargeldes und der Investitionen, die Apple Börsen-Chart zeigen tätigte, bei enttäuschenden 0,77 Prozent - sogar bei vielen Sparbüchern liegt der Satz bei über einem Prozent.

"Natürlich ist das niedrig - absolut und relativ gesehen", sagt Unternehmensberater Robert Willens. Firmen wie Microsoft Börsen-Chart zeigen und Google Börsen-Chart zeigen machen mehr aus ihrem Geld. Allein im abgelaufenen Quartal wuchsen die Rücklagen von Apple um 16 Milliarden Dollar. Wegen der geringen Renditen werden nun verstärkt Rufe laut, der von Steve Jobs mitgegründete Konzern sollte doch besser seine Aktionäre mit einer Dividende beglücken. Darauf hat Apple in den vergangenen Jahren stets verzichtet. Sollte Apple sein Tempo beim Geldscheffeln beibehalten, könnte es bereits im kommenden Jahr beim Bargeld-Bestand die Marke von 200 Milliarden Dollar knacken.

Doch wie kann Apple nachhaltig von diesen gigantischen Summen profitieren? Jüngst kündigte der Vorstandsvorsitzende und Jobs-Nachfolger Tim Cook an, die Reserven sinnvoller nutzen zu wollen. Zugleich forderte er Investoren auf, Geduld zu bewahren. Der Apple-Board führe bereits intensive Beratungen. Details nannte Cook nicht. Ein Unternehmenssprecher verwies darauf, es sei Apples Ziel, das Kapital zu bewahren und Liquidität zur Verfügung zu stellen.

Microsoft und Google machen es besser

Obwohl Analysten dafür Verständnis zeigen, kritteln sie im gleichen Atemzug an den dürftigen Zinsen herum. Sie führen die Wettbewerber wie Google und Microsoft an, die eine höhere Verzinsung erzielen, ohne ein deutlich höheres Risiko einzugehen.

Berechnungen der Nachrichtenagentur zufolge machte Microsoft im abgelaufenen Finanzjahr bei einem Bargeld- und Investmentbestand von rund 63 Milliarden Dollar nicht realisierte Gewinne von 2,83 Milliarden Dollar - also Gewinne, die nicht tatsächlich entstanden sind, da die Firma die Vermögenswerte nicht verkauft hat, aber wie eine Reserve in der Hinterhand funktionieren. Apple verbuchte nicht realisierte Gewinne von 80 Millionen Dollar - bei einem Bargeldbestand zum Ende des abgelaufenen Geschäftsjahres von knapp 82 Milliarden Dollar. Grob aufs Kalenderjahr 2011 hochgerechnet lag die Rentabilität von Apple bei 0,53 Prozent. Microsoft kam auf 1,52 Prozent und Google lag knapp dahinter.

Nach Reuters-Informationen kam der Unterschied vor allem zustande, weil Microsoft und Google prozentual deutlich mehr in US-Staatsanleihen investierten als Apple - und der Bondmarkt in den USA hat ein erfolgreiches Jahr hinter sich. "Ihre Kompetenz liegt nicht darin, Geld zu investieren. Sie machen iPhones", stellt sich Analyst Anthony Carfang hinter den Konzern.

Viele begründen Apples konservative Anlage-Strategie auch mit den Erfahrungen in der Vergangenheit. In den 90er Jahren plagten den Mac-Hersteller Geldsorgen, die ihn vorsichtig machten. Doch nach und nach lässt Apple seine Vorsicht fahren. Zuletzt investierte der Konzern verstärkt in lang laufende Anleihen, was sich noch auszahlen könnte.

Richard Leong, Reuters

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