Samstag, 21. September 2019

Onlinehändler Amazons Wachstumsdrang kostet Gewinn 

Versandstation von Amazon: Der Aufbau einer Alternative zu Apple kostet viel Geld

Kampfpreise, neue Inhalte und eigene elektronische Geräte: Mit allen Mitteln will Amazon seine Stellung als weltgrößter Onlinehändler festigen. Den Wachstumsdrang bezahlt Amazon nun mit einem kräftigen Gewinneinbruch. Die Aktionäre freut das gar nicht.

Seattle - Das Internet-Versandhaus Amazon Börsen-Chart zeigen hat im vierten Quartal einen deutlichen Gewinneinbruch verbucht. Höhere Betriebskosten drückten den Nettogewinn auf 177 Millionen Dollar (135 Millionen Euro) oder 38 Cent je Aktie. Im Vorjahreszeitraum war noch ein Ergebnis von 416 Millionen Dollar oder 91 Cent je Aktie ausgewiesen worden.

Der Umsatz legte um 35 Prozent auf 17,4 Milliarden Dollar zu. Das lag unter den Erwartungen der Analysten von 18,3 Milliarden Dollar. Für das laufende Quartal rechnet Amazon mit einem Umsatz von 12 bis 13,4 Milliarden Dollar.

Der Analyst Mark Mahaney von Citi Investment Research bezeichnete das Amazon-Ergebnis als überraschend. Einbußen beim Gewinn seien erwartet worden. Angesichts der zuletzt positiven Verkaufszahlen des Onlinehandels sei der Umsatz aber geringer ausgefallen als vermutet.

Für das Gesamtjahr 2011 lag der Gewinn den Angaben zufolge bei 631 Millionen Dollar (480 Millionen Euro) - und damit deutlich unter den 1,15 Milliarden Dollar (874 Millionen Euro) im Jahr zuvor. Der Umsatz hingegen stieg von 34,2 Milliarden Dollar (26 Milliarden Euro) auf 48,1 Milliarden Dollar (36,6 Milliarden Euro).

Kindle verkauft sich gut - ist aber kein Gewinnbringer

Die meistverkauften Produkte waren nach den Worten von Gründer und Konzernchef Jeff Bezos ein ums andere Mal die Kindle-Lesegeräte für elektronische Bücher und der neue Tabletcomputer Kindle Fire. "Sowohl in den USA wie auch in Europa", fügte Bezos am Dienstag an.

Analysten gehen allerdings davon aus, dass Amazon am Kindle wenig verdient oder sogar etwas drauflegt. So kostet der Kindle Fire in den USA weniger als die Hälfte des Apple iPad: 199 Dollar zu 499 Dollar. Zudem steckte Amazon jede Menge Geld in den Ausbau seiner Lieferzentren, auch in Deutschland. Angesichts der hohen Kosten schmolz der Gewinn um 45 Prozent auf 631 Millionen Dollar. Besonders dramatisch sah die Lage im wichtigen Weihnachtsquartal aus: Nicht nur, dass Amazon sein Wachstumstempo nicht halten konnte, und den Umsatz für seine Verhältnisse um magere 35 Prozent auf 17,4 Milliarden Dollar steigerte. Der Gewinn fiel im Vergleich zum Vorjahreszeitraum überdies um 58 Prozent auf 177 Millionen Dollar. Sogar ein Verlust schien zwischenzeitlich möglich.

Ganz so schlimm kam es dann doch nicht. Bezos betonte vor allem das überdurchschnittliche Wachstum der Fremdanbieter. Amazon verkauft über seine Website nicht nur eigene Waren, sondern hat sie auch für Dritte als Verkaufsplattform geöffnet. Auf diese fremden Händler entfielen nach Stückzahlen mittlerweile 36 Prozent aller Verkäufe, sagte Bezos.

Amazon fährt zweigleisig: Auf der einen Seite ist das Unternehmen ein klassischer Onlinehändler, der mit günstigen Preisen die Konkurrenz auszubooten versucht, etwa den Marktplatz Ebay. Zum anderen entwickelt sich Amazon immer mehr zum Anbieter von Inhalten wie Filmen und Musik. Dazu hat Amazon den Kindle Fire herausgebracht, und hat damit sein Profil als einer der schärfsten Rivalen von Apple geschärft.

An der Börse kamen die Geschäftszahlen gar nicht gut an. Die Analysten hatten mit einem besseren Abschneiden zu Weihnachten gerechnet. Zudem zeigten sie sich unzufrieden mit dem Ausblick auf das laufende Quartal. Der Konzern stellt ein Umsatzzuwachs von vergleichsweise schwachen 22 bis 36 Prozent in Aussicht und schlimmstenfalls einen Verlust. Nachbörslich brach die Amazon-Aktie Börsen-Chart zeigen um 9 Prozent ein.

wed/dapd/dpa

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