Deutsche Telekom Neuer Rechtsvorstand kommt von ThyssenKrupp

Die Deutsche Telekom hat einen neuen Vorstand für Recht und Compliance gefunden. Thomas Kremer, bislang Chefjustiziar bei ThyssenKrupp, wird zum Bonner Konzern wechseln. Bei seinem bisherigen Arbeitgeber gilt er als einer der mächtigsten Manager.
Von Simon Hage und Astrid Maier
Zentrale der Deutschen Telekom in Bonn: Thomas Kremer beerbt Vorstand Manfred Balz

Zentrale der Deutschen Telekom in Bonn: Thomas Kremer beerbt Vorstand Manfred Balz

Foto: Oliver Berg/ picture alliance / dpa

Hamburg - Die Suche nach einem neuen Rechtsvorstand der Deutschen Telekom kommt nun mit mehrmonatiger Verspätung doch noch zum Ziel. Thomas Kremer (53), derzeit Chefjustiziar beim Stahlkocher ThyssenKrupp, soll beim Bonner Konzern Manfred Balz (67) beerben.

Kremer zählt bei ThyssenKrupp inoffiziell zu den mächtigsten Managern, obwohl er formal nur in der zweiten Ebene sitzt. Der Experte für Kartellrecht und Korruptionsbekämpfung war zuletzt ein gefragter Mann in Essen: mal als neuer Aufsichtsrat des korruptionsgeplagten Partnerunternehmens Ferrostaal, mal als Ermittler in einer Kartellaffäre, die einen ThyssenKrupp-Bereichsvorstand das Amt kostete.

Ähnlich heikle Aufgaben erwarten Kremer bei der Deutschen Telekom  derzeit nicht: Die Spitzelaffäre, deretwegen Balz überhaupt erst ins Amt gekommen war, ist vom Tisch, ebenso das Verfahren wegen angeblicher Schmiergeldzahlungen bei der Ungarn-Tochter.

Die Personalie Kremer ist Ergebnis eines langen Auswahlprozesses. Zunächst sollte Birgit Grundmann (52, FDP), Staatssekretärin im Bundesjustizministerium, den Vorstandsposten übernehmen. Doch sie zog ihre Bewerbung im Herbst wieder zurück, um den Eindruck politischer Einflussnahme zu vermeiden.

Danach bemühte sich Telekom-Aufsichtsratschef Ulrich Lehner (65) um einen breiten Konsens: Zu Kremers Unterstützern zählen auch CEO René Obermann (48) sowie Vize-Chefkontrolleur und Verdi-Mann Lothar Schröder (52).

Kremers einziger erkennbarer Nachteil: Seine Ernennung verbessert nicht die Frauenquote der Telekom.