Rückschlag für Telekom AT&T bläst Kauf von T-Mobile USA ab

Telekom-Chef Rene Obermann muss eine herbe Niederlage einstecken. Nach dem Druck der US-Behörden gibt der Telefongigant AT&T seine Pläne zur Übernahme der Telekom-Tochter T-Mobile USA auf. Immerhin erwarten die Bonner nun eine milliardenschwere Entschädigung.
Plan B nötig: T-Mobile-Kunde in Los Angeles

Plan B nötig: T-Mobile-Kunde in Los Angeles

Foto: REUTERS

New York - Den Stopp der Übernahmepläne teilten beide Konzerne am Montag nach Börsenschluss in New York mit. In den USA war das 39 Milliarden Dollar schwere Vorhaben auf massiven Widerstand gestoßen. So machten das Justizministerium und jüngst auch noch die Telekommunikationsaufsicht FCC große Bedenken gegen den Deal geltend. Für Telekom-Chef Rene Obermann ist das Scheitern ein herber Rückschlag. Der Konzern wollte das Geld aus dem Verkauf von T-Mobile USA größtenteils für den Schuldenabbau nutzen.

Es ist unklar, wie es nun mit T-Mobile USA weitergeht, dem viertgrößten Mobilfunkanbieter des Landes. Die Telekom wollte sich wegen schrumpfender Kundenzahlen und anstehender Milliardeninvestitionen weitgehend aus dem US-Markt zurückziehen. T-Mobile USA hatte bis zuletzt Vertragskunden verloren, auch weil der Anbieter als einziger der vier Großen Apples iPhone nicht im Angebot hat. Zudem steht über kurz oder lang ein teurer Netzausbau ins Haus, um mit den steigenden Datenmengen der Smartphones Schritt halten zu können.

AT&T  muss nun eine milliardenschwere Entschädigung leisten, die die Amerikaner der Deutschen Telekom  für den Fall eines Scheitern der Transaktion versprochen hatten. Für die Auflösung des Vertrags erhält die Telekom drei Milliarden Dollar in bar sowie begehrte Funkfrequenzen und darf das Netz des größeren Rivalen mehrere Jahre lang mitnutzen. Dies stärke die Wettbewerbsfähigkeit von T-Mobile in den USA, sagte Telekomchef René Obermann am Dienstag in Bonn. In 12 der 20 wichtigsten US-Regionen und in 128 Mobilfunkbereichen erhalte das Unternehmen Funkfrequenzen, die derzeit auf dem freien Markt nicht verfügbar seien.

Dies sei angesichts knapper Funkfrequenzen und steigender Verkehrsmengen von großer Bedeutung, sagte Obermann. Außerdem profitiere der Konzern von der Roaming-Vereinbarung. Dadurch könne die Zahl der Kunden, die mit dem eigenen Netz erreicht werde, von 230 Millionen auf potenziell 280 Millionen erhöht werden.

Die Probleme insgesamt seien durch die Vereinbarung aber nicht gelöst. T-Mobile USA solle auch wie bisher einen positiven Ergebnisbeitrag leisten. Die Telekom erklärte indes, sie rechne für das laufende Jahr weiter mit einem bereinigten Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) von rund 19,1 Milliarden Euro. Durch die Auflösung des Kaufvertrages soll T-Mobile USA künftig wieder als fortzuführendes Geschäft der Deutschen Telekom bilanziert werden. Zudem erhält die Telekom ihr Dividendenversprechen und will für dieses und nächstes Jahr jeweils 70 Cent pro T-Aktie an die Anteilseigner ausschütten. Größter Aktionär ist der Bund mit gut 30 Prozent.

Angesichts der Kritik an dem Vorhaben hatten die beiden Telefonkonzerne vor einer Woche erstmals öffentlich darüber gesprochen, ob es überhaupt noch Sinn mache, das Geschäft weiter zu verfolgen. Die Telekom und AT&T hatten die Fusion im Frühjahr angekündigt. Die US-Behörden fürchteten, dass bei einem Zusammenschluss der Nummer 4 mit der Nummer 2 der Wettbewerb auf dem US-Mobilfunkmarkt weiter zurückgehen würde. AT&T sowie die Telekom argumentierten hingegen, dass die Übernahme die Abdeckung mit mobilen Datendiensten in den USA erhöhe sowie Arbeitsplätze schaffe.

ak/kst/rtr/dpa-afx