Internetblase Facebook weckt Angst vor neuem Börsen-Hype

Noch ist es Spekulation: Facebook will sich offenbar im Frühjahr kommenden Jahres an die Börse wagen, und das mit nicht weniger als einer Bewertung von 100 Milliarden Dollar. Finanzexperten fürchten dann auch schon eine neue Blase an den Aktienmärkten. Das aber ist noch alles andere als ausgemacht.
Facebook-Gründer Mark Zuckerberg: Hohe Bewertung für das soziale Netzwerk

Facebook-Gründer Mark Zuckerberg: Hohe Bewertung für das soziale Netzwerk

Foto: dapd

Hamburg - Kommt sie nun, die nächste Blase in der Net Economy oder kommt sie nicht? Das ist die Frage, die sich den Akteuren in der Szene momentan stellt. Etwa 10 Jahre nachdem die erste dot.com-Blase geplatzt ist, tauchen erste Anzeichen auf, dass sich die Geschichte wiederholen könnte. Es sind Schlagzeilen wie diese, die diesbezüglich aufhorchen lassen:

  • Das soziale Netzwerk Facebook will einem US-Medienbericht zufolge bei einem Börsengang im Jahr 2012 alle Rekorde brechen und strebt eine Bewertung von rund 100 Milliarden Dollar an.

  • Twitter wird mittlerweile mit acht Milliarden Dollar bewertet, das sind umgerechnet 5,6 Milliarden Euro.
  • Das US-Schnäppchenportal Groupon nahm 700 Millionen Dollar von den Anlegern beim geplanten Börsengang ein.

Neben dieser Bewertungseuphorie können in der jüngeren Vergangenheit aber auch schon wieder erste Ernüchterungen bei bereits durchgeführten Börsengängen von dot.coms beobachtet werden. Der Kurs von Pandora, einem Online-Musikportal, verlor nach anfänglichem Hype bereits am ersten Handelstag etwa 17 Prozent seines Wertes und die Aktie rutschte sogar unter den Ausgabepreis. Mittlerweile haben die Titel ein kleines Plus an der amerikanischen Börse geschafft.

Die Gründer wird es nur bedingt stören, denn Pandora war in der Spitze vier Milliarden Dollar wert und der Börsengang spielte immerhin 235 Millionen Dollar für das Unternehmen ein. Auch das Kontaktnetzwerk LinkedIn  schwächelt seit dem guten Börsenstart, als die Aktie zunächst von 45 auf mehr als 120 Dollar hochschoss, zuletzt aber nur um die 70 Dollar schwankte und aktuell bei rund 60 Dollar liegt. Wird die Börse wieder als Exit-Kanal für unsichere Online-Geschäftsmodelle mit überschaubarem Potenzial missbraucht, bei dem nur die Gesellschafter profitieren? Die Meinungen über die Bildung einer neuen Bewertungsblase im Internetmarkt gehen diesbezüglich auseinander.

Für das Hundertfache seines Werts

So sieht der Gründer von 9flats.com Stephan Uhrenbacher klare Anzeichen für eine neue Blase. Er sieht dafür zwei Indikatoren. Zum einen die harten Indikatoren, wie die direkte Bewertung der Unternehmen durch Investoren, die oft bei ihrem Börsengang bei einem hundertfachen ihres eigentlichen Wertes liegen. Auf der anderen Seite die weichen Indikatoren, wie etwa den hohen Kapitalbedarf im IT-Bereich für teure Fachkräfte, während die Kosten für Kapitalbeschaffung sehr günstig sind. Zudem sieht er in der Gründung von Unternehmen durch ehemalige Berater aus dem Finanzumfeld ein klares Indiz für eine wachsende Blase.

Auch Martin Weigert, Redakteur bei netzwertig.com, hält ein "Happy End für unwahrscheinlich". Er sieht ein deutliche Überbewertung des Unternehmenswertes, wie beispielsweise im Falle von Groupon. Groupon weist zwar ein überdurchschnittliches Wachstum auf, welchem aber ein fragwürdiger Gewinn gegenübersteht. Für ihn ist bei solchen Geschäftsmodellen keine Nachhaltigkeit zu erkennen, eher ein trendgesteuerter Wachstumskurs.

Aber es gibt auch andere Meinungen. So geht etwa Michael Schwetje, von Schwetje Invest, davon aus, dass die bevorstehende Blase für Deutschland im Gegensatz zu den USA nicht platzen wird. Er teilt die Meinung über die überzogenen Bewertungen amerikanischer Börsengänge, ist aber davon überzeugt, dass die deutschen Investitionsmechanismen besser greifen und von Überbewertung nicht auszugehen ist. Er geht sogar noch einen Schritt weiter und ist davon überzeugt, dass in den kommenden 12 bis 24 Monaten die richtige Zeit für Gründungen sein - also kein Anlass zur Sorge.

Thomas Knüwer, Betreiber des Blogs indiskretionehrensache.de , entschärft sogar die Argumentation der übertriebenen Unternehmensbewertungen. Verständnis müsse man haben. Denn Unternehmen wie zum Beispiel LinkdIn wollen auf der einen Seite, dass die Bewertung gerecht und angemessen ist, damit sie mit dem Kapital arbeiten können. Auf der anderen Seite soll der Kurs auch realistisch notfalls niedriger sein, denn immerhin wolle man verkünden können, dass man die "Ergebnisse übertroffen habe". Vielmehr sieht er die Gefahr darin, dass die Preisbildung in den Handelsmärkten intransparent ist. Er ist davon überzeugt, dass die eigentliche Überbewertung auf den Zweithandelsmärkten und durch Wagniskapital Investments entstehe, wie es derzeit der Fall bei Facebook ist.

Wer die Blase fürchtet, schafft sie

Die Anzeichen sind da, die Ausgangssituation ist ähnlich, aber eben nicht die Gleiche. So passt der Vergleich der aktuellen Situation von Carlota Perez, Forscherin und Buchautorin, mit der einer industriellen Revolution sehr gut. Sie ist überzeugt, dass Branchenriesen wie Google oder Apple durch Unternehmenskäufe den Markt regulieren werden. Denn im Gegensatz zu spekulativen Investoren bewerten diese nach dem Wert des Unternehmens für die Konkurrenz. Doch wie sieht der ehemalige Chef eines der größten Technologieunternehmens der heutigen Zeit die Lage? Eric Schmidt, der im April 2011 den Posten als Google-Lenker abgab, widmet sein Interesse einer etwaigen Blase erst dann, wenn Medien wie die New York Times oder das Wall Street Journal darüber berichten - dies ist bereits geschehen.

Schmidt ist davon überzeugt, dass der wahre Wert der gehandelten Aktien erst dann sicher bestimmt werden kann, wenn schon eine ausreichende Anzahl am Markt gehandelt wird - also noch kein Grund zur Sorge? Eric Schmidt sieht sich selbst, wie er sagt, nicht als brillanten Investor. Dennoch ist es ihm bis 2011 gelungen Google so erfolgreich zu führen, dass die Aktie bis heute nicht unter ihrem Wert am Ausgabetage gehandelt wurde. Ob es eine Blase ist oder nicht, wird sich seiner Einschätzung nach erst 2012 zeigen.

Da klingt die Theorie des deutschstämmigen Unternehmers Peter Thiel, der 1998 den Grundstein für die Gründung von PayPal legte, welches er 2002 an die Börse brachte, besser - zumindest für den Aktienmarkt - nicht für das amerikanische Bildungssystem. Er sieht keine neue Blase in der Net Economy, vielmehr sieht er eine Investmentblase im amerikanischen Bildungssystem. Thiel galt schon 2000 als einer der wenigen Tech-Entrepreneure mit Weitblick, der die Blase hat kommen sehen - und sie erfolgreich überstanden hat. Er ist überzeugt, dass es sich bei einer neuen Blase um ein hausgemachtes Problem handelt, in dem amerikanische Familien in die Bildung ihres Nachwuchses investieren ohne sich heute noch sicher sein zu können, dass dieses Investment sich auszahlt.

Sollte es eine Blase geben, so geht er davon aus, dass diese Blase von denen geschaffen wird, die sie auch befürchten. Er sieht eine Gefahr in der Überbewertung von elitären Universitäten, die den wirtschaftlichen Nachwuchs der USA sicherstellen sollen. Es sei angemerkt, dass Peter Thiel bereits 2004 in Facebook investiert hat und 5,1 Prozent Anteil an dem Unternehmen hält.

Der Ausgang ist also offen und es bleibt abzuwarten, ob die Erwartungen an die Bewertungen mit Substanz untermauert werden können. Am Ende ist nur eines Gewiss: Stetig ist eben nur der Wandel - und in der IT-Branche ist dieser eben schneller und oftmals anders als man denkt.

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