Eingliederungshilfe korrekt Kein massenhafter Sozialmissbrauch bei Amazon

Es war ein schwerer Vorwurf, jetzt folgt der Rückzieher: Der Onlinehändler Amazon hat zuvor schwer vermittelbare Arbeitslose offenbar korrekt eingestellt und die dafür vorgesehenen staatlichen Zuschüsse auch nicht zu seinem Vorteil künstlich verlängert. Das hat die Arbeitsagentur bestätigt.
Paketversand bei Amazon: Keine deutschen Sozialgesetze missbraucht

Paketversand bei Amazon: Keine deutschen Sozialgesetze missbraucht

Foto: Matt Cardy/ Getty Images

Nürnberg - Hinweise auf massenhaften Missbrauch von geförderten Betriebspraktika beim Internet-Versandhändler Amazon gibt es nach Angaben der Bundesagentur für Arbeit (BA) nicht. "Wir haben bei unserer intensiven Prüfung genau einen Fall gefunden", sagte eine Sprecherin der Nürnberger Behörde am Montag. Sie reagierte damit auf einen Bericht des "SPIEGEL": Amazon beschäftige in seinen fünf deutschen Logistikzentren tausende Erwerbslose als befristete Saisonarbeiter und lasse viele von ihnen auf BA-Kosten einarbeiten - obwohl die Betroffenen schon früher als Aushilfen tätig waren.

"Ich kann ausschließen, dass es sich um tausende Fälle handelt", betonte die BA-Sprecherin. Es könne höchstens ein Versehen sein, wenn ein Arbeitsloser zwei Mal bei der gleichen Firma ein Betriebspraktikum mache.

"DER SPIEGEL" hatte am Wochenende berichtet, Amazon nutze eine Lücke des deutschen Sozialgesetzbuches massenhaft aus und lasse viele seiner tausenden Saisonarbeiter zunächst ein Betriebspraktikum absolvieren. Diese "Maßnahme zur Aktivierung und beruflichen Eingliederung bei einem Arbeitgeber" dient zur Einarbeitung, die Betroffenen bekommen in den zwei Wochen ihr Arbeitslosengeld oder Hartz IV fortbezahlt und erhalten erst danach regulären Lohn.

Amazon sieht sich seit Wochen mit immer neuen Vorwürfen konftrontiert, die bisher allerdings alle kurz darauf wieder kassiert werden mussten. Unter anderem hatte der nordrhein-westfälische Arbeitsminister Guntram Schneider (SPD) dem Onlinehändler vorgeworfen, zuvor Arbeitslose in ihrer neuen Anstellung bei Amazon nicht rechtmäßig zu entlohnen. Die Bundesagantur für Arbeit hatte Amazon nach einer Prüfung des Vorwurfs nicht nur recht gegeben. Sie stellte auch klar, dass der Gesetzgeber das Verfahren von Amazon als Eingliederungshilfe sogar aktiv fördere. Und in der Vergangenehit damit gute Ergebnisse erzielt habe.

kst/dpa-afx
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