Chiphersteller Infineon spaltet Industriechip-Geschäft auf

Strategieschwenk bei Infineon: Der Chiphersteller spaltet seine Industriechip-Sparte in zwei Segmente und erweitert seinen Vorstand. Infineon will so schneller einem wichtigen Zukunftsmarkt voranzukommen. Doch das ist nicht der einzige Grund. 
Strategie unter der Lupe: Mit der Aufspaltung der Industriechip-Sparte will der Konzern schneller auf Kundenwünsche reagieren

Strategie unter der Lupe: Mit der Aufspaltung der Industriechip-Sparte will der Konzern schneller auf Kundenwünsche reagieren

München - Der Chiphersteller Infineon teilt seinen wichtigen Geschäftsbereich Industrieelektronik (Industrial & Multimarket) auf und beruft den Chef der Sparte, Arunjai Mittal, in den Vorstand. Wie der Dax-Konzern am Freitag in Neubiberg bei München mitteilte, wird Mittal Vorstand für Vertrieb, Marketing und Strategieentwicklung.

Die Aufteilung der Industrieelektronik-Sparte zum Beginn des nächsten Jahres in zwei neue Divisionen begründete Infineon  mit deren starkem Wachstum und zunehmender Komplexität. Infineon könne so schneller und flexibler auf die Kundenwünsche und die Marktanforderungen reagieren, sagte Vorstandsvorsitzender Peter Bauer.

Antwort auf neue Marktanforderungen

Den Angaben zufolge bündelt der neue Bereich Industrial Power Control (IPC) das Geschäft im Bereich Antriebselektronik und erneuerbare Energien. Dies umfasse Halbleiter-Komponenten für elektrische Antriebe in Industrieanwendungen, wie zum Beispiel für Maschinen und Lokomotiven, sowie Komponenten für die Energieerzeugung in Solar- und Windkraftanlagen.

In der neuen Division Power Management & Multimarket (PMM) soll das Geschäft mit Chips für energieeffiziente Stromversorgungen und Hochfrequenz-Anwendungen gebündelt werden. Diese werden Infineon zufolge vor allem in Konsumgütern wie Fernsehern, Spielkonsolen, PCs, mobilen Endgeräten sowie in Computer-Servern eingesetzt. Die Organisation der Geschäftsbereiche Automotive (ATV) und Chip Card & Security (CCS) bleibt unverändert.

Mittal soll Marktpotenzial erschließen

Mit der Berufung von Mittel besteht der Infineon-Vorstand ab 1. Januar 2012 aus vier Managern. Mittal habe sehr erfolgreich das IMM-Geschäft von Infineon entwickelt, Umsatz und Profitabilität stark gesteigert und Kundenstamm und Produktportfolio ausgeweitet, sagte Aufsichtsratschef Wolfgang Mayrhuber. Er sei aufgrund seiner Herkunft, seiner Ausbildung, seiner Erfahrung im globalen Halbleitergeschäft und seiner internationalen Karriere bestens geeignet, die neuen Aufgaben erfolgreich voranzutreiben. Dazu zähle auch die Erschließung des großen Marktpotenzials in Asien, besonders in China.

Neben den Themengebieten Vertrieb, Marketing und Strategie übernimmt der Elektroingenieur Mittal, der nicht mit der gleichnamigen Stahl-Dynastie verwandt ist, überraschend auch die Verantwortung für Akquisitionen. Der frühere Finanzchef Marco Schröter hatte bei Infineon hingeworfen, weil er diese Kompetenz für sich beansprucht hatte, im Streit mit Vorstandschef Peter Bauer allerdings unterlegen war. Die weitreichende Befugnisse, mit denen Mittal ausgestattet wird, deutet daraufhin, dass er den 51-jährigen eines Tages Bauer beerben könnte.

Die häufige Zusammenlegung und Aufteilung von Geschäftssparten hat bei Infineon wie bei der einstigen Mutter Siemens lange Tradition. Im Durchschnitt werden die Segmente alle paar Jahre umorganisiert. Den Bereich IPC werde künftig Helmut Gassel leiten, der bislang an der Spitze des Chipkartensegments von Infineon steht. Seinen bisherigen Posten übernimmt Stefan Hofschen, der aus dem Automobilbereich des Konzerns kommt. Bei PMM rückt Peter Schiefer auf.

Die Zahlen für das Ende September abgelaufene Geschäftsjahr will Infineon am 16. November bekanntgeben. Vorläufigen Zahlen zufolge hat der Konzern sein Gewinnziel im vierten Geschäftsquartal verfehlt. Ein Infineon-Sprecher erklärte den geringeren Ertrag mit Spätfolgen aus dem Verkauf des Geschäfts mit Mobilfunkchips. Die Infineon-Aktie notierte am Freitagmittag unverändert bei 6,60 Euro.

wed/rtr/dapd

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