Donnerstag, 27. Februar 2020

Verlustwarnung Amazon schockt Aktionäre

Amazon-Paket: Der Konzern verdiente im vergangenen Quartal 73 Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum

Der weltgrößte Onlinehändler Amazon will mit allen Mitteln wachsen. Für das kostspielige Unterfangen nimmt Konzernchef und Gründer Jeff Bezos auch einen Verlust im wichtigen Weihnachtsquartal in Kauf. Die Aktionäre reagieren verschreckt und schicken die Aktie auf Talfahrt.

Seattle - Der weltgrößte Onlinehändler Amazon scheint in seinem Wachstumsdrang die Kosten aus den Augen zu verlieren. Ausgerechnet im wichtigen Weihnachtsquartal könnte schlimmstenfalls ein Verlust von operativ bis zu 200 Millionen Dollar entstehen, warnte der US-Konzern und schickte damit seine Aktie auf Talfahrt.

Bereits im dritten Quartal brach der Gewinn um 73 Prozent auf unter dem Strich 63 Millionen Dollar ein. Im Vorjahreszeitraum hatte Amazon Börsen-Chart zeigen noch fast viermal soviel verdient. Amazon pumpt massiv Geld in den Ausbau seines Geschäfts: in neue Versandzentren, mehr Werbung oder in die Entwicklung neuer Produkte.

Die Aktionäre waren vor den Kopf gestoßen. Analysten wussten zwar um Amazons kostspieligen Wachstumsdrang. Doch sie hatten nicht mit einem derartigen Einbruch gerechnet. Nachbörslich stürzte die Aktie um 12 Prozent und mehr ab. Bereits im regulären Handel war der Kurs um mehr als 4 Prozent zurückgegangen.

Onlinehändler und Inhalteanbieter

Auf der einen Seite will Amazon die Nummer-eins-Position im Onlinehandel mit allen Mitteln verteidigen, unter anderem mit günstigen Preisen. Auf der anderen Seite entwickelt sich Amazon immer mehr zum Anbieter von Inhalten wie Filmen und Musik. Dazu hat der Konzern jüngst einen eigenen Tabletcomputer namens Kindle Fire auf den Markt gebracht. Die als Online-Buchhändler gestartete Firma gilt mittlerweile als einer der schärfsten Apple-Rivalen.

Die Vorstöße führen zu rasantem Wachstum. Im dritten Quartal stieg der Umsatz um 44 Prozent auf 10,9 Milliarden Dollar. Damit konnte Amazon zum wiederholten Male den Rivalen Ebay Börsen-Chart zeigen abhängen, der vor allem dank seines Bezahldienstes Paypal um 32 Prozent zulegte. Die Kehrseite des Wachstums ist jedoch eine schwindende Gewinnmarge. Von jedem eingenommenen Dollar blieb zuletzt gerade noch ein halber Cent bei Amazon hängen.

Analysten schätzen, dass Amazon beim neuen Kindle sogar Geld drauflegt und - ähnlich wie Druckerhersteller mit ihren Patronen - erst später mit den Inhalten verdient. Der Kindle Fire kostet mit 199 Dollar nicht mal die Hälfte eines Apple iPads, hat allerdings auch einen kleineren Bildschirm. Das einfachste Kindle-Lesegerät mit Schwarz-Weiß-Bildschirm für elektronische Bücher gibt es schon für 79 Dollar.

Nach den Worten von Firmengründer und Chef Jeff Bezos kommen die neuen Kindle-Modelle bei den Kunden bestens an. Für den Schwarz-Weiß-Kindle seien schon doppelt so viele Bestellungen eingegangen wie für das Vorgängermodell bei dessen Premiere, sagte Bezos. "Und auf Basis der Vorbestellungen, die wir beim Kindle Fire sehen, stocken wir unsere Kapazitäten auf und bauen Millionen mehr als wir ohnehin geplant hatten." Der Kindle Fire wird in den USA ab 15. November ausgeliefert.

mg/dpa

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