Schwache Windows-Nachfrage Microsoft kann Gewinn mit Office retten

Zum dritten Mal in Folge muss sich der Softwarekonzern Microsoft seinem Konkurrenten Apple geschlagen geben. Mit iPhone und Co. verdient der Technologiekonzern einfach mehr als Microsoft mit seinem schwächelnden Windows-System. Nur das Büropaket Office bleibt gefragt.
Microsoft-Chef Steve Ballmer: Das Firmenkundengeschäft und die Unterhaltungselektroniksparte laufen gut, das Onlinegeschäft und die Windows-Sparte schwächeln

Microsoft-Chef Steve Ballmer: Das Firmenkundengeschäft und die Unterhaltungselektroniksparte laufen gut, das Onlinegeschäft und die Windows-Sparte schwächeln

Foto: RAY STUBBLEBINE/ REUTERS

New York - Im ersten Geschäftsquartal sei der Umsatz im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 7 Prozent auf 17,4 Milliarden Dollar (12,6 Milliarden Euro), teilte Microsoft mit. Der Gewinn betrug 5,74 Milliarden Dollar und damit 6 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum, so viel wie noch nie zu Beginn eines Geschäftsjahres.

Damit entwickelten sich die Geschäfte in etwa so wie von Branchenexperten erwartet. Es war allerdings das erste Mal in gut zwei Jahren, dass Microsoft die Erwartungen der Analysten nicht übertreffen konnte.

Finanzchef Peter Klein ist dennoch positiv gestimmt. "Wir haben quer durch alle Produkte eine gestiegene Nachfrage unserer Kunden gesehen", sagte Klein. Der fürs Tagesgeschäft zuständige Manager Kevin Turner hob besonders die Cloud-basierten Programme und Dienste hervor, bei denen die Daten auf leistungsstarken Zentralrechnern etwa im Internet liegen und von den Arbeitsplatzvomputern nur bei Bedarf abgerufen werden.

Apple verdient zum dritten Mal in Folge mehr

Mit seinem Ergebnis muss sich der einst profitabelste aller Technologiekonzerne zum dritten Mal in Folge auch Apple geschlagen geben. Der Hersteller von iPhone und iPad hatte im gleichen Zeitraum 6,6 Milliarden Dollar verdient. Apple und Microsoft sind bei Computer-Betriebssystemen, Tabletrechnern und Smartphones scharfe Konkurrenten.

Apple hat derzeit in der Welt der kleinen mobilen Geräte die Nase vorn. Dafür werden immer noch deutlich mehr Windows-PCs als Apple Mac-Computer verkauft. Es herrscht jedoch die Sorge, dass die PC-Verkäufe immer weiter abflauen, während die Mac-Rechner im Aufwind sind.

Bislang hat sich die von Marktforschern prognostizierte Abkühlung des PC-Markts aber noch nicht wie befürchtet auf Microsoft durchgeschlagen. Neue Computer werden üblicherweise mit einem neuen Betriebssystem verkauft. Im ersten Geschäftsquartal legte der Umsatz der Windows-Sparte sogar noch leicht zu. Knapp 4,9 Milliarden Dollar nahm Microsoft hier ein und verdiente operativ 3,3 Milliarden Dollar.

Sorgenkind Onlinegeschäft

Wichtiger fürs Unternehmen ist nur noch die Firmenkundensparte, zu der auch Office gehört. Hier kletterte der Umsatz auf 5,6 Milliarden Dollar und es kamen operativ 3,7 Milliarden Dollar heraus. Auch die Serversoftware und die Unterhaltungssparte mit der Videospielekonsole Xbox 360 konnten zulegen.

Sorgenkind war einmal mehr das Onlinegeschäft mit der Suchmaschine Bing - immerhin stieg der Umsatz und Microsoft konnte den Verlust von 558 Millionen auf 494 Millionen Dollar eindämmen. Microsoft hat sich mit dem Internetpionier Yahoo gegen den Platzhirsch Google verbündet und pumpt riesige Summen in das Geschäft. Zuletzt kursierten Spekulationen, Microsoft könne den angeschlagenen Yahoo-Konzern übernehmen. Ein erster Versuch im Jahr 2008 war am Widerstand des damaligen Yahoo-Managements gescheitert.

Auch bei den mobilen Geräten will Microsoft aufdrehen. Dazu hat sich der Softwareriese mit dem weltgrößten Handyhersteller Nokia verbündet, dessen Smartphones mit dem Betriebssystem Windows Phone laufen sollen. Den Markt der Tabletcomputer will Microsoft mit dem optimierten Betriebssystem Windows 8 aufrollen. Das wird im kommenden Jahr erwartet.

mg/rtr/dpa-afx
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