Freitag, 15. November 2019

Zum Tode von Steve Jobs Ein Leben in drei Geschichten

Steve Jobs: "Ihr müsst die Dinge tun, von denen ihr überzeugt seid, dass sie gut sind."

Steve Jobs wohl berühmteste Rede hielt der Unternehmer im Juni 2005 bei einer Entlassungsfeier an der kalifornischen Stanford-Universität. Den Studenten erzählte Jobs damals drei Geschichten. Sie handelten von Mut, Glauben und dem Tod. Ein Rückblick.

Hamburg - "Die Wahrheit ist, ich habe nie einen College-Abschluss gemacht", begann Steve Jobs im Juni 2005 seine vielleicht wichtigste Rede. Eingeladen hatte die nahe San Francisco gelegene Stanford-Universität. In eine schwarze Robe gekleidet, sprach der Apple-Chef damals auf der Entlassungsfeier der Studenten. "So nahe wie heute, bin ich einer Abschlussfeier nie gekommen", sagte Jobs damals.

Die Studenten lachten und klatschten. Jobs indes blieb ernst. Drei Geschichten möchte er heute erzählen. "Drei Geschichten, nicht mehr", sagte Jobs.

Dann begann er. Den Studenten erzählte er von seiner Kindheit. Zur Adoption freigegeben, hatte seine Mutter die Stiefeltern dazu gedrängt, ihm eine Universitätsausbildung zukommen zu lassen. Aus der Arbeiterklasse stammend, hätten diese fast ihr gesamtes Geld gespart, um ihrem Adoptivsohn 17 Jahre später die Ausbildung am Reed College im US-Bundesstaat Oregon zu finanzieren.

Nach sechs Monaten des Studium abgebrochen

Doch es lief nicht, wie es hätte laufen sollen. Nach sechs Monaten brach Jobs das Studium ab. "Ich sah keinen Sinn in dem, was ich am College hätte lernen sollen", erzählte Jobs den Studenten. Stattdessen habe er Vorlesungen über Kalligrafie besucht. Geschlafen habe er bei Freunden. Um sich Essen kaufen zu können, habe er Flaschenpfand gesammelt.

"Es war nicht romantisch", sagte Jobs. Aber es so zu machen, sei im Nachhinein die beste Entscheidung gewesen, die er hätte treffen können. Jobs veranschaulichte dies am Beispiel der von ihm aus reiner Neugierde besuchten Kalligrafie-Vorlesung. Dort, so der Unternehmer, habe er vieles über Schrifttypen und die idealen Größen und Abstände von Buchstaben erfahren. "Nichts von dem, was ich damals gelernt habe, schien auch nur den Funken einer praktischen Anwendung in sich zu tragen", sagte Jobs.

Doch zehn Jahre später sollte sich dies ändern. "Mit dem Macintosh schufen wir den ersten Computer, der wunderschöne Schriftarten verwendete." Und da Windows den Mac einfach nur kopiert habe, sei es nur wahrscheinlich, dass ohne die von Apple eingeführten Schrifttypen bis heute kein Computer über verschiedene Schriftarten verfügen würde.

Erneut erntete Steve Jobs Applaus und Gelächter. Doch während die Studenten im Publikum noch lächelten und flüsterten, sprach Jobs weiter, ohne die Miene zu verziehen.

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