Entlassung von HP-Chef Apotheker Gerüchte über geplante Übernahme durch Oracle

Musste Léo Apotheker gehen, weil Hewlett-Packard eine Übernahme durch Oracle fürchtete? Dies legt ein Agenturbericht nahe. Oracle wiegelt ab - und bezeichnet seinerseits die noch von Apotheker eingefädelte Übernahme des Softwarekonzerns Autonomy als überteuert.
Ex-HP-Chef Léo Apotheker: Waren Übernahmebefürchtungen der Grund seiner Entlassung?

Ex-HP-Chef Léo Apotheker: Waren Übernahmebefürchtungen der Grund seiner Entlassung?

Foto: AP

New York - Der Chefwechsel bei Hewlett-Packard wurde Insidern zufolge von der Angst vor einem Kaufangebot des Konkurrenten Oracle beschleunigt. Der Verwaltungsrat sei besorgt gewesen, dass der niedrige Aktienkurs HP schutzlos gegenüber einem möglichen Übernahmeangriff von Oracle mache, berichtete die Nachrichtenagentur Bloomberg am Donnerstag unter Berufung auf eingeweihte Kreise.

Hewlett-Packard  hatte vergangene Woche den früheren SAP-Chef Léo Apotheker durch die einstige Ebay-Lenkerin Meg Whitman ersetzt. Seit Apothekers Amtsantritt im November hatte die HP-Aktie fast die Hälfte ihres Werts verloren.

Aus dem Oracle-Umfeld hieß es laut Bloomberg zugleich, der Software-Konzern habe zwar "informell erwogen", an HP heranzutreten, ein Angebot in absehbarer Zeit sei aber unwahrscheinlich. Oracle  könne höchstens an Hewlett-Packards Geschäft mit Servern, Speichern und Netzwerk-Technik interessiert sein, hieß es. Zugleich könne das Abkommen zum Wechsel des Vorgängers von Apotheker, Mark Hurd, zu Oracle ein Übernahmeangebot für die nächste Zeit verbieten.

Die Stimmung zwischen den beiden Unternehmen ist denkbar schlecht, und das nicht erst, seit der bei HP geschasste Hurd einen neuen Spitzenjob bei seinem Freund und Oracle-Gründer Larry Ellison fand. Die beiden IT-Schwergewichte konkurrieren in immer mehr Bereichen miteinander, zum Beispiel bei Server-Technik.

Der scharfzüngige Ellison beweist gerade wieder einmal, dass es äußerst unangenehm sein kann, ihm zum Feind zu haben. Nachdem Ellison den HP-Verwaltungsrat wegen der Hurd-Ablösung bereits als "Idioten" abgestempelt hatte, schießt sich Oracle jetzt auf die von Hewlett-Packard geplante Übernahme des Software-Spezialisten Autonomy ein. Die Briten hätten sich auch schon Oracle zum Kauf angeboten, man habe aber den damaligen Marktpreis von sechs Milliarden Dollar als viel zu hoch empfunden. Ein böse Spitze, denn HP zahlt jetzt mehr als zehn Milliarden.

Als Autonomy-Chef Mike Lynch bestritt, sein Unternehmen jemals Oracle angeboten zu haben, hieß es wenig diplomatisch zurück: "Entweder Mr. Lynch hat ein sehr schlechtes Gedächtnis, oder er lügt."

Apotheker erhält 13 Millionen Dollar in bar und Aktien

Eingefädelt hatte die Autonomy-Übernahme noch der HP-Ex-Chef Léo Apotheker. Dieser erhält nach seiner Entlassung, wie jetzt bekannt wurde, mehr als 13 Millionen Dollar (9,5 Millionen Euro) in bar und in Aktien. Dazu zählen eine Abfindung in Höhe von 7,2 Millionen Dollar und ein Leistungsbonus von 2,4 Millionen Dollar. Außerdem zahlt HP die Kosten eines erwarteten Umzugs Apothekers nach Frankreich oder Belgien.

Der Börsenwert des Unternehmens fiel während seiner Amtszeit als Vorstandsvorsitzender um fast 40 Milliarden Dollar. Apothekers Nachfolgerin Meg Whitman erhält jährlich nur einen Dollar Gehalt, kann sich aber einen Bonus bis zu sechs Millionen Dollar erarbeiten.

krk/dpa/dapd
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